Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) - Pressemitteilung vom 17. November 2025
COP30: Umweltminister mit Glaubwürdigkeitsproblem im Gepäck
BUND und Friends of the Earth USA: Gasimporte aus den USA stoppen
• Schwarz-rot untergräbt deutsche Glaubwürdigkeit beim
Klimaschutz
• Ende der fossilen Energien wieder fest verankern
• Methan: Klimakiller Nummer zwei schnell senken
Die internationale Klimakonferenz COP30 geht heute in die
entscheidenden zweite Woche. Die erste Woche zeigte aus Sicht des Bund
für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dass die bislang
erzielten Fortschritte im Kampf gegen die Klimakrise nicht ausreichen.
Deutschland hat zudem nach dem fatalen Flugticketbeschluss der
Koalition ein großes Glaubwürdigkeitsproblem. Mit der Ankunft
zahlreicher Minister*innen, darunter auch Umweltminister Carsten
Schneider (SPD), muss die Konferenz aus Sicht des BUND nun endlich
Fahrt aufnehmen.
Verena Graichen, BUND-Geschäftsführerin Politik : "Die Bundesregierung zeigt beim Klimaschutz zwei Gesichter: In Belém betont Bundeskanzler Friedrich Merz die gemeinsame Verantwortung, doch zu Hause setzt seine Koalition klimaschädliche Beschlüsse wie die Absenkung der Flugticketsteuer und den Ausbau von Gaskraftwerken durch. Verantwortung heißt klare Führung: Deutschland muss sich für das sofortige Ende fossiler Energien, auch Erdgas, einsetzen. Umweltminister Schneider reist mit viel Ballast und wenig Glaubwürdigkeit nach Brasilien."
Ein glaubwürdiges COP30-Ergebnis läge nach Auffassung des BUND dann vor, wenn das Ende der fossilen Energien erneut fest verankert und durch konkrete, unmittelbar nach Belém beginnende Maßnahmen unterlegt würde. Nur so kann aus Sicht des BUND die große Ambitionslücke in den nationalen Klimabeiträgen (NDCs) schnell geschlossen werden. Der von Brasiliens Präsident Lula da Silva vorgeschlagene TAFF-Fahrplan zum Ausstieg aus fossilen Energien muss hier im Fokus stehen.
Graichen: "Deutschland unterstützt den Plan von Präsident Lula, doch es fehlen ein klarer Kurs, Tempo und ein konkreter Fahrplan für die nötige Transformation. Die Weltgemeinschaft muss jetzt schnell und mutig handeln, denn die Klimakrise hat sich weiter verschärft."
Zu Beginn der zweiten Woche kommen in Belém zentrale Entscheidungsträger*innen zum Global Methane Pledge Ministerial zusammen. Die Runde vereint inzwischen 159 Staaten sowie die EU mit dem Ziel, die globalen Methanemissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent gegenüber 2020 zu senken. Die bisherigen Fortschritte bei der Reduktion von Methan reichen jedoch bei weitem nicht aus, um den globalen Methanpfad mit dem 1,5-Grad-Limit in Einklang zu halten.
Graichen: "Methan ist nach CO2 der zweitgrößte Klimakiller. Der Global Methane Pledge kann ein zentraler Hebel für mehr Klimaschutz sein - aber nur bei konsequenter Umsetzung. Deutschland muss klar und glaubwürdig zu seinen Zusagen stehen. Neue Gasimporte und langjährige LNG-Verträge mit den USA zementieren fossile Abhängigkeiten und setzen die falschen Prioritäten. Stattdessen müssen die EU und Deutschland auf schnelle Methanreduktion setzen, die EU-Methanverordnung ambitioniert umsetzen und hohe Standards im Energieimport verankern."
Raena Garcia, Senior Campaigner bei Friends of the Earth USA: "Wir müssen strenge und robuste Methanrichtlinien aufrechterhalten, um unser globales Klima zu schützen - und nicht die Gewinne der Umweltverschmutzer. Eine Schwächung bestehender EU-Standards würde zu mehr US-LNG-Exporten führen. Das würde die Kosten für amerikanische Energieverbraucher*innen in die Höhe treiben, die Klimakrise verschärfen und unsere Gemeinden krank machen. Ein Vorstoß in Richtung mehr US-LNG wäre schlecht für Verbraucher*innen und Steuerzahler*innen auf beiden Seiten des Atlantiks."
Hintergrund:
Der BUND und seine Schwesterorganisation Friends of the Earth US haben
die EU bereits aufgefordert, ihren Klima- und Energierahmen konsequent
zu schützen, um eine sichere und nachhaltige Zukunft im Einklang mit
dem 1,5 Grad-Limit zu sichern. Gleichzeitig sollte die EU und damit
auch Deutschland keine Forderungen der US-Regierung unterstützen, die
den Import von Methangas erleichtern würden. Zum besseren Verständnis
haben sie ein gemeinsames Briefing zum Thema aufgesetzt. Beides ist
unten verlinkt.
Mehr Informationen:
Brief an die EU zum Thema Methan
https://foe.org/wp-content/uploads/2025/11/2025-EU-US-Methane-Letter.pdf
Methan-Briefing
https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/klimawandel/Methan-Briefing-FoE-US-BUND-deutsch.pdf
BUND zu den Klimakonferenzen
https://www.bund.net/klimawandel/un-konferenzen/
CCS
https://www.bund.net/klimawandel/ccs/
Kurskorrektur: Auf dem Weg in eine klimagerechte Welt
https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/kurskorrektur-auf-dem-weg-in-eine-klimagerechte-welt/
Stärkung der Zivilgesellschaft bei der Umsetzung nationaler
Klimapolitik: Mehr Mitbestimmung möglich machen
https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/staerkung-der-zivilgesellschaft-bei-der-umsetzung-nationaler-klimapolitik-mehr-mitbestimmung-moeglich-machen/
BUND Klimaklage: Klimaschutz ist Menschenrecht
https://www.bund.net/klimawandel/klimaklage-klimaschutz-ist-menschenrecht/
People's Summit in Belem: Finale Deklaration (Englisch)
https://docs.google.com/document/d/1WpNpH-17fbD5ctobMeI3TeUrmOlckE1CNDLablPKtOs/edit?tab=t.0#heading=h.6yo21ouv4ejm
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Quelle:
BUND-Pressedienst, 17.11.2025
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
Freunde der Erde Deutschland
Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin
Email: bund(at)bund.net
Internet: www.bund.net
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 21. November 2025
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