Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL - Presseinformation, 10.12.2025
Forschungsberichte zeigen, wie der Klimawandel alpine Naturgefahren verändert
CCAMM: Abschluss zeigt veränderte Risiken
WSL-Forschungsprogramm CCAMM nach acht Jahren beendet: Forschende zeigen, wie der Klimawandel alpine Naturgefahren verändert - und wo jetzt Handlungsbedarf besteht.
Pizzo Cengalo (GR), Piz Scerscen (GR), Misox (GR), Blatten (VS) - das sind nur ein paar der Bergstürze, Murgänge und Kaskadenereignisse des ersten Viertels des 21. Jahrhunderts. Der Spitze Stei (BE), Les Diablerets (VD), die Wisse Schijen (VS) und andere instabile Felsmassen werden beobachtet. "Die kommenden Jahrzehnte könnten Ereignisse in einem Ausmass bringen, das wir heute kaum für möglich halten", sagt Michael Bründl, Leiter des Forschungsprogramms CCAMM (Climate Change Impacts on Alpine Mass Movements, zu deutsch Auswirkungen des Klimawandels auf alpine Massenbewegungen) von WSL und SLF.
Im inter- und transdisziplinären Forschungsprojekt CCAMM haben mehr als 60 Forschende acht Jahre lang untersucht, welche Folgen das für die Alpen haben wird und wie sich deren Bewohnerinnen und Bewohner darauf vorbereiten können. Jetzt hat Bründl gemeinsam mit Projekkoordinator Alexander Bast den Synthesebericht vorgelegt, unterteilt in die Kapitel Klima, Schnee und Lawinen, Fels- und Sedimentdynamik, Kaskadenprozesse, Anpassung und Ausblick. Der Synthesebericht wird durch einen rund 180-seitigen Projektbericht ergänzt, der die Ergebnisse der einzelnen Projekte strukturiert, konsistent und einheitlich zusammenfasst.
Immer öfter werden Naturgefahren voraussichtlich in einer Kombination von verschiedenen Prozessen auftreten. Solche Kaskadenprozesse entstehen, wenn ein Ereignis ein weiteres auslöst - etwa, wenn Felsmassen bei einem Bergsturz in einen Stausee stürzen und dort eine Welle erzeugen, die schliesslich einen Murgang auslöst. "Solche Prozessketten sind schwer vorherzusagen", erklärt Bast.
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CCAMM in Zahlen
- acht Jahre
- mehr als 60 Forschende
- 31 Projekte
- sieben Arbeitspakete
- 31 Teilprojekte
- 33 Studienstandorte
- 12 abgeschlossene Dissertationen
Ende Texteinschub
Aus dem Programm sind zahlreiche Modelle hervorgegangen, um die Folgen des Klimawandels zu simulieren, von der Schneedecke über den Murgang bis hin zum Klima selbst. Denn Klimamodelle bilden die Grundlage, um die Folgen des Klimawandels auf alpine Massenbewegungen abzuschätzen. Die dafür erforderlichen Daten lagen aber nicht in ausreichender räumlicher und zeitlicher Auflösung vor, erläutert Bast: "Wir haben daher eine Methode entwickelt, um diese Auflösung zu erhöhen."
Für eine breite Anwendung in Bildung und Öffentlichkeit entstand im Rahmen des Programms zudem die Info-App BergAb [3]. Sie erklärt verständlich, wissenschaftlich fundiert und visuell eindrucksvoll, was sich in den Bergen wie verändern wird. Von Lawinen, Murgängen und Felsstürzen über Auswirkungen auf die Gesellschaft bis hin zu den Folgen von Niederschlägen.
"Meteorologische Einflüsse bestimmen massgeblich alpine Massenbewegungen, insbesondere Temperatur und Niederschlag", ergänzt Bründl. Genau diese zwei Variablen verändern sich rasant. Bereits heute liegt die mittlere bodennahe Lufttemperatur in der Schweiz 2,9 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Das ist deutlich mehr als im globalen Mittel, Tendenz steigend.
Gemeinden, Kantone und Bund müssen daher dringend auf die Folgen des Klimawandels reagieren. Auch das ist ein Ergebnis des Forschungsprogramms CCAMM. "Dass gesetzliche Mandate sowie Beratung durch die übergeordnete Ebene fehlen, stellt eine wesentliche Hürde dar und erschwert es, Massnahmen umzusetzen", hebt Bründl hervor und empfiehlt gesetzlich verankerte, klar definierte Aufträge für alle staatlichen Ebenen, von Gemeinden über Kantone bis hin zum Bund, sowie ausreichend finanzielle Mittel.
Auch bei den Frühwarnsystemen ist laut Bast noch viel möglich: "Wir
sollten uns darauf fokussieren, kostengünstigere Systeme zu
entwickeln, die Daten mit hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung
liefern." Die Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz sind ebenfalls
aufgerufen sich einzubringen. Als Citizen-Scientists können sie
wichtige Informationen zu Lawinen, Felsstürzen und mehr beisteuern und
so die bestehenden Lücken in den Daten füllen. Sieben Punkte listen
die CCAMM-Forschenden auf, an denen in den kommenden Jahren gearbeitet
werden sollte. Sie sind sich sicher: "Uns wird die Arbeit nicht
ausgehen."
• Im Vordergrund sitzen drei Personen an einem Tisch und
betrachten Karten oder Pläne. Im Hintergrund erhebt sich ein großer,
schneebedeckter Berg mit steilen Felswänden. Um den Berg herum sind
grüne Wiesen, Wälder und ein Flusslauf zu sehen. Auf der rechten Seite
ist ein transparentes, netzartiges Gitter über einem Hügel
dargestellt, das möglicherweise eine Modellierung oder Simulation
symbolisiert. Oben auf der Seite steht der Titel
'WSL-Forschungsprogramm Climate Change Impacts on Alpine Mass Movements -
CCAMM: Synthesebericht'.
Nach acht Jahren intensiver Forschung liegt er jetzt vor: der
Synthesebericht des Forschungsprogramms CCAMM.
(Bild: Hahn+Zimmermann / SLF)
• Die Illustration zeigt eine Berglandschaft, die in zwei Hälften
geteilt ist: links mit der Beschriftung 'Heute' und rechts mit
'Zukunft'. Auf der linken Seite sind die Berge mit Schnee bedeckt,
während auf der rechten Seite der Schnee schmilzt und Regen fällt. Im
Vordergrund sind Häuser und Wälder zu sehen. Zwei Diagramme mit den
Titeln 'Trockenschneelawinen' und 'Nassschneelawinen' zeigen Daten für
verschiedene Monate. Ein Vergrößerungskreis hebt einen Bereich mit
Gebäuden hervor. Im unteren rechten Bereich ist eine Karte mit der
Beschriftung 'Zukunft' dargestellt, die eine Region zeigt.
Den Schnee untersucht: Wie sich der Klimawandel auf Schnee und Lawinen
auswirkt, steht im neuen Synthesebericht des
CCAMM-Forschungsprogramms. (Bild: Hahn+Zimmermann / SLF)
• Eine Berglandschaft mit schneebedeckten Gipfeln, einem Fluss
und Waldgebieten. Ein Satellit sendet Signale an eine Karte, die über
der Landschaft schwebt. In der linken unteren Ecke sitzen mehrere
Personen an einem Tisch und bearbeiten verschiedene Objekte. Zwei
Personen in roten Jacken stehen vor einem Zaun in der Landschaft. Eine
Grafik zeigt eine Schallwellenkurve, die mit einem Berg verbunden
ist.
Daten auswerten und Massnahmen gegen die Folgen des Klimawandels
ergreifen: gemeinsames Verständnis bei allen Betroffenen und
Beteiligten für die verschiedenen Prozesse ist Grundvoraussetzung für
den Erfolg. (Bild: Hahn+Zimmermann / SLF)
Kooperationspartnerinnen und Finanzierung
Unter anderem haben folgende Institutionen das Forschungsprogramm CCAMM oder Teile davon oder einzelne Projekte finanziell unterstützt (in alphabetischer Reihenfolge):
Bundesamt für Umwelt BAFU
Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA
ETH Zürich
EU-Interreg
Kanton Bern
Kanton Glarus
Kanton Graubünden
Kanton Uri
Kanton Wallis
MeteoSchweiz
Präventionsstiftung der Kantonalen Gebäudeversicherungen
Schweizerischer Nationalfonds SNF
SBB
Links
CCAMM-Synthesebericht
https://www.wsl.ch/de/publikationen/wsl-forschungsprogramm-climate-change-impacts-on-alpine-mass-movements-ccamm-synthesebericht/
CCAMM-Projektbericht (nur auf Englisch) https://www.wsl.ch/en/publications/wsl-research-program-climate-change-impacts-on-alpine-mass-movements-ccamm-project-report/
Forschungsprogramm CCAMM
https://ccamm.slf.ch/de/
bergab.slf.ch - Folgen des Klimawandels anschaulich und interaktiv
https://bergab.slf.ch/
[1] https://www.wsl.ch/de/ueber-die-wsl/news/news/
[2] https://www.slf.ch/de/ueber-das-slf/news/
[3] https://bergab.slf.ch/
[4] https://pro.slf.ch/reply/public/#/
[5] https://www.slf.ch/de/permafrost/permafrost-und-naturgefahren/fragebogen-felsstuerze-in-permafrostgebieten/
Meldung mit Bildern:
https://www.wsl.ch/de/news/ccamm-abschluss-zeigt-veraenderte-risiken/
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Quelle:
Presseinformation vom 10.12.2025
Eidg. Forschungsanstalt WSL
Zürcherstrasse 111, CH-8903 Birmensdorf
Tel.: +41 44-739 21 11
E-Mail:
Allgemeine Anfragen: wslinfo(at)wsl.ch
Medien: media(at)wsl.ch
Internet: www.wsl.ch
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 12. Dezember 2025
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