Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) - 12.02.2026 13:31
Der Klimawandel treibt den steigenden Wasserverbrauch in der Landwirtschaft in Zentralasien voran
Auch wenn die Landwirt:innen auf weniger wasserintensive Kulturen umstellen, treibt der Klimawandel den Wasserverbrauch in der Landwirtschaft in Zentralasien in die Höhe. Eine neue Studie von IAMO-Forschenden zeigt, dass steigende Temperaturen und der Wasserbedarf der Atmosphäre mittlerweile größer sind als die Auswirkungen von Landnutzungsänderungen. Infolgedessen wächst der Druck auf die ohnehin schon knappen Wasserressourcen in einer der wasserärmsten Regionen der Welt.
Der Klimawandel hat größeren Einfluss auf die Wasserbilanz in Zentralasien als Veränderungen im Anbau von Nutzpflanzen. Forschende zeigen einen klaren und ernüchternden Trend für die Landwirtschaft in Zentralasien auf: Der Klimawandel hat den Wasserverbrauch der Pflanzen in der Region erheblich erhöht, trotz der Umstellung auf weniger wasserintensive Pflanzen. Die Studie konzentriert sich auf das Amu-Darja-Becken, das wichtigste Flusssystem der Region, und analysiert satellitengestützte Schätzungen der tatsächlichen Evapotranspiration von 1987 bis 2019. Die Ergebnisse zeigen, dass der gesamte Wasserverbrauch der Nutzpflanzen in diesem Zeitraum um 10% gestiegen ist, während der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Hektar um 18% zugenommen hat. Der Hauptgrund dafür ist der Klimawandel. Allein die steigenden Temperaturen und der höhere Wasserbedarf der Atmosphäre hätten den Wasserverbrauch der Pflanzen um 21% pro Hektar in die Höhe getrieben. Veränderungen in der Landwirtschaft, vor allem die Umstellung von wasserintensiven Sommerkulturen wie Baumwolle auf Winterweizen, konnten nur etwa 3% dieses Anstiegs ausgleichen.
"Die Ergebnisse unterstreichen, dass die Anpassung in der Landwirtschaft Grenzen hat", sagt IAMO-Wissenschaftlerin Daniela Peña-Guerrero, Hauptautorin der Studie. "Selbst eine erhebliche Umstellung auf weniger wasserintensive Anbaumethoden kann mit den sich beschleunigenden Auswirkungen des Klimawandels nicht Schritt halten."
Die flussabwärts gelegenen Regionen des Amu-Darja-Beckens sind
besonders gefährdet. Wasserintensive Kulturen sind nach wie vor weit
verbreitet, die Bewässerungsinfrastruktur ist veraltet und der
Wasserstress ist bereits jetzt sehr hoch. Diese Bedingungen verstärken
die Auswirkungen steigender Temperaturen und des wachsenden
Wasserbedarfs in der Atmosphäre. Die Ergebnisse sind von globaler
Relevanz. In bewässerten Trockengebieten ist die Verbesserung der
Wassernutzungseffizienz in wasserarmen Becken von entscheidender
Bedeutung, aber Effizienzsteigerungen und Umstellungen im Anbau allein
können mit dem Klimawandel nicht Schritt halten. Ohne eine
entschiedene Reduzierung der Treibhausgasemissionen wird sich die
Wasserknappheit weiter verschärfen und die Risiken für die
Nahrungsmittelproduktion, die Lebensgrundlagen der ländlichen
Bevölkerung und die regionale Stabilität erhöhen.
Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-, Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien
(IAMO)
Theodor-Lieser-Straße 2
06120 Halle (Saale)
www.iamo.de
Eine interaktive StoryMap ermöglicht es den Leser:innen, die
räumlichen Muster und langfristigen Trends der landwirtschaftlichen
Wassernutzung im Amu-Darja-Becken zu erkunden:
https://arcg.is/1DuW1u1
Detailierte Informationen finden Sie in der Publikation:
Peña-Guerrero, M. D., Senay, G. B., Umirbekov, A., Tarasova,
L., Rufin, P., Pulatov, B., Müller, D. (2026): Climate change has
increased crop water consumption in Central Asia despite less
water-intensive cropping. Communications Earth & Environment 7, 122.
http://doi.org/10.1038/s43247-025-03142-y
Weitere Informationen:
https://www.iamo.de/presse/pressemitteilungen/artikel/der-klimawandel-treibt-den-steigenden-wasserverbrauch-in-der-landwirtschaft-in-zentralasien-voran-1
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Homepage:
http://www.iamo.de/
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Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - Pressemitteilung
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) - 12.02.2026 13:31
WWW: http://idw-online.de
E-Mail: service@idw-online.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 13. Februar 2026
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