Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM) - Aktuelles
Keine neuen Schutzgebiete in der Antarktis
Veröffentlicht am 1. November 2025 von Redaktion DSM
Die 44. Jahrestagung der Antarktis-Kommission CCAMLR [1] endete am 31. Oktober 2025 in Hobart, Australien, nach zweiwöchigen Verhandlungen weitgehend ergebnislos. Seit vielen Jahren ist die CCAMLR blockiert. So konnte man sich erneut nicht auf die von Meeresschützern und Wissenschaftlern dringend geforderte Ausweisung dreier großer Meeresschutzgebiete einigen. Auch bei der umstrittenen Krillfischerei konnte lediglich verhindert werden, dass diese ausgeweitet wird. Dabei steht das Ökosystem des Südpolarmeeres unter immer stärker werdendem Druck. Hauptsächlich durch Folgen des Klimawandels [2] (schmelzende Eisschilde und Gletscher, schrumpfende Meereisflächen) und der industriellen Krillfischerei.
Drei neue Antarktis-Schutzgebiete?
East Antarctic
Den Vorschlag zur Einrichtung des East Antarctic MPA (EAMPA)[3] gibt
es bereits seit 2012. Es beruht auf einem Vorschlag Australiens und
würde drei Blöcke entlang der Ostantarktis umfassen. Hier gibt es
viele Kaltwasserkorallen. Außerdem sind sie ein wichtiges
Nahrungsgebiet für Pinguine.
Weddell Sea
Das 1,8 Millionen Quadratkilometer große Weddell Sea MPA (WSMPA)[4] im
Weddellmeer neben der antarktischen Halbinsel. Mit diesem
Antarktis-Schutzgebiet wäre das größte zusammenhängende
Meeresschutzgebiet entstanden. Etwa sechsmal so groß wie
Deutschland.
Das Weddellmeer steht stark unter Druck durch die Auswirkungen der
Erderhitzung und der industriellen Fischerei [5]. Große
Industrietrawler [6] fangen hier Antarktische Seehechte
(Tiefseelangleinenfischerei [7]). Zusätzlich schädigt die
Krillfischerei dieses sensible Ökosystem am anderen Ende der Welt.
Antarctic Peninsula
Schließlich gibt es noch den von Argentinien und Chile eingebrachten
Vorschlag für das Antarctic Peninsula MPA (D1MPA)[8], westlich der
antarktischen Halbinsel. Dieses an die Südspitze von Südamerika
grenzende antarktische Gebiet ist besonders anfällig für
Tourismusauswirkungen und Fischereiaktivitäten und leidet unter der
globalen Erhitzung.
Antarktischer Krill: Schlüsselart antarktischer Nahrungsnetze
Die kleinen Krebse (Leuchtgarnelen) gehören zum Zooplankton und sind eine der Schlüsselarten der antarktischen Nahrungsnetze. Sie sind ein Bindeglied zwischen Primärproduzenten wie Algen und höheren Konsumenten. Krilljäger wie Wale, Pinguine, Fische und Robben verlieren ohne ausreichend große Krillschwärme einen wesentlichen Teil ihrer Nahrungsgrundlage. Im Südlichen Ozean existieren allerdings noch andere Zooplanktongemeinschaften. Hier dominieren Flohkrebse, Salpen oder der Antarktische Silberfisch als Schlüsselarten.
Anfang Texteinschub
Krill wird zu Fischöl für Aquakulturen [13] und Tierfutter
verarbeitet. Von 2007 bis 2022 wuchs die Krillfischerei laut einer
Statistik der CCAMLR von knapp 105.000 Tonnen auf mehr als 415.000
Tonnen. Hauptsächlich, weil größere und modernere Fischkutter
eingesetzt werden.
Ende Texteinschub
Antarktischer Krill (Euphausia superba) kommt nur im Südlichen Ozean vor. Die Art zählt zu den vielen in der Antarktis endemischen Arten. Krillkrebse gehören zu den Leuchtgarnelen. Mit einer Länge von bis zu sechs Zentimetern ist der Antarktische Krill nicht nur eine der größten Schwimmgarnelen des Südpolarmeers. Er kann zudem bis zu elf Jahre alt werden. Antarktischer Krill bildet die größte bekannte tierische Biomasse. Sein zirkumpolares Vorkommen wird - ohne Larven - auf 133 Millionen Tonnen geschätzt. Mehr Gesamtgewicht bringt nur noch der Mensch auf die Waage.(1)
Anfang Texteinschub
Der Fortpflanzungszyklus des Antarktischen Krills ist eng an das
Vorhandensein von Meereis geknüpft. Schwindet das Meereis,
verschwindet der Krill. Weniger Krill bedeutet schrumpfende Bestände
der von ihm abhängigen Prädatoren und für die Krillfischerei.
Ende Texteinschub
Die "Kommission für die Erhaltung der lebenden Ressourcen der Antarktis" (Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources/CCAMLR)[14] wurde als Teil des Antarktis-Vertragssystems (2) gegründet, um die biologische Vielfalt des Südpolarmeeres zu erhalten. Die Gründung erfolgte als Reaktion auf das zunehmende kommerzielle Interesse am antarktischen Krill und anderer Meeresressourcen der Antarktis. Beim Schutz antarktischer Meeresökosysteme verfolgt die Kommission einen ökosystembasierten Managementansatz [15]. Nutzungen von Meeresressourcen sollen nachhaltig erfolgen und Auswirkungen der Fischerei auf andere Bestandteile des Ökosystems berücksichtigen.
Die CCAMLR besteht seit 1982 und hat 27 Mitglieder, darunter die EU,
sowie zehn Staaten mit beratender Funktion. Entscheidungen müssen
einstimmig getroffen werden. Russland und China blockieren seit Jahren
die Einrichtung neuer Antarktis-Schutzgebiete oder weitergehende
Beschränkungen für die Krillfischerei. Die Kommission ist im
Stillstand.
Bildunterschriften der im Schattenblick nicht veröffentlichten
Abbildungen der Originalpublikation:
• Titelfoto: © John Weller
• Karte Antarktis-Schutzgebiet im Ross-Meer und Vorschläge für
neue Schutzgebiete.
• Pinguin läuft von Eisscholle und springt ins Wasser.
© John Weller
Update: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter
Beitrag
(1) WOR 6 Arktis und Antarktis - extrem, klimarelevant, gefährdet /
2019
https://worldoceanreview.com/de/wor-6/
(2) Das Antarktis-Vertragssystem
https://www.umweltbundesamt.de/themen/nachhaltigkeit-strategien-internationales/antarktis/das-antarktisvertragssystem
Links:
[1] https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/schutzgebiete/antarktis-schutzgebiete/#ccamlr
[2] https://www.stiftung-meeresschutz.org/klimakatastrophe/
[3] https://cmir.ccamlr.org/node/31
[4] https://cmir.ccamlr.org/node/32
[5] https://www.stiftung-meeresschutz.org/problemzone-industrielle-fischerei/
[6] https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/supertrawler/
[7] https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/langleinenfischerei-vernichtet-millionen-meerestiere/
[8] https://old.mpatlas.org/campaign/antarctic-peninsula/
[9] https://cmir.ccamlr.org/node/2
[10] https://cmir.ccamlr.org/node/1
[11] https://www.awi.de/en/about-us/service/press/single-view/default-89e1af2f10cf0fd47782b548a1131223.html
[12] https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/antarktis/schwerpunktthemen-des-uba-in-der-antarktis/schutzgebiete-in-der-antarktis/deutschland-initiiert-erstmals-antarktisches#noch-zu-wenig-schutzgebiete-
[13] https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/aquakultur-ist-keine-loesung/
[14] https://www.ccamlr.org/en/organisation
[15] https://www.stiftung-meeresschutz.org/foerderung/nachhaltiger-fischfang/#12-okosystemarer-ansatz-mit-mehr-arten-management
Weiterführende Informationen
Antarktisschutz und Wissenschaft vereint: Forschung im deutschen
Schutzgebiet Danger Island (ASPA 180)
https://scar-iasc.de/antarktis-schutzgebiet-danger-island-aspa-180/
Meeresschutzgebiete - Übersicht
https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/schutzgebiete/uebersicht-meeresschutzgebiete/
Industrielle Fischerei
https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/industrielle-fischerei/
Erdüberlastungstag - Earth Overshoot Day
https://www.stiftung-meeresschutz.org/presse/erdueberlastungstag-earth-overshoot-day/
UN-Nachhaltigkeitsziel 14
https://www.stiftung-meeresschutz.org/un-nachhaltigkeitsziel-14/
UN-Vertrag zum Schutz der Hohen See
https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/schutzgebiete/un-vertrag-zum-schutz-der-hohen-see-bbnj-abkommen/
Zum UN-Tag des Artenschutzes am 3. März - UN World Wildlife Day
https://www.stiftung-meeresschutz.org/presse/tag-des-artenschutzes-un-world-wildlife-day/
Welttag der Meere
https://www.stiftung-meeresschutz.org/presse/welttag-der-meere/
Originalbeitrag mit Bildern:
https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/schutzgebiete/antarktis-schutzgebiete
*
Quelle:
Aktuelles - 1. November 2025
Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM)
41460 Neuss
E-Mail: info[AT]stiftung-meeresschutz.org
Internet: https://www.stiftung-meeresschutz.org
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 14. November 2025
Zur Tagesausgabe / Zum Seitenanfang