Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM) - Pressemitteilung
Fischereikommission ICCAT erzielt Teilerfolge für Haie
Veröffentlicht am 25. November 2025 von Redaktion DSM
Besserer Schutz für Riesenhaie und Weiße Haie; Fangbeschränkungen für südatlantische Kurzflossen-Makohaie. Nach über einer Woche zäher Verhandlungen endete am 24.11.2025 in Sevilla die 29. Generalversammlung der Internationalen Kommission zum Erhalt des Atlantischen Thunfischs (ICCAT, International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas).
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In den Zuständigkeitsbereich der ICCAT [1] fällt das fischereiliche
Management von 30 weit wandernden Fischarten im Nord- und Südatlantik.
Neben verschiedenen Thunfischarten [2] fallen darunter auch Haiarten
wie Kurzflossen-Makohaie, Walhaie [3], Riesenhaie [4] und Weiße Haie.
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Die ICCAT-Kommission, in deren Zuständigkeitsbereich der Großteil der europäischen Haifänge erfolgt, konnte sich auf ihrer 29. Generalversammlung auf kleinere Fortschritte für mehr Nachhaltigkeit bei der Haifischerei einigen. Dennoch, es hätte mehr sein können.
"Obwohl insgesamt sieben Vorschläge für besseren Haischutz auf dem Tisch lagen, wurden nur zwei angenommen. Für den Kurzflossen-Makohai im Südatlantik hätte die Chance bestanden, das Ruder noch herumzureißen. Diese Chance könnte verspielt worden sein. Die Haibestände schwimmen weiter ihrem Zusammenbruch entgegen", warnt Dr. Iris Ziegler von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.
"Für die Zukunft der Haie im Atlantik, insbesondere der Hochseehaie, ist jede weitere Verzögerung fatal. Die Bestände sind massiv überfischt - Maßnahmen zur Senkung der fischereibedingten Mortalität sind unerlässlich, um sie zu erhalten", ergänzt Dr. Mona Schweizer von Pro Wildlife
Seit 18 Jahren streiten die ICCAT-Mitgliedsstaaten über die sogenannte "Fins Naturally Attached [5] (FNA)"-Regelung. FNA besagt, dass Haien erst an Land die Flossen abgetrennt werden dürfen.
Dies soll den Handel mit Haiflossen und das sogenannte "Shark Finning" [6] eindämmen. Hierbei schneiden die Fischer den Haien nach dem Fang die wertvollen Flossen ab. Dann "entsorgen" sie den Rest des noch lebenden Tieres im Meer. Damit ist auch eine Nachvollziehbarkeit darüber, ob geschützte Arten betroffen sind und welche Gesamtfangmenge erzielt wurde, nicht gegeben.
Obwohl seit Jahren eine große Mehrheit der Mitgliedstaaten für eine strikte FNA-Regelung ohne Ausnahmen eintritt, blockieren einige wenige, darunter Japan, die Verabschiedung im Konsens.
Blauhaie stehen sowohl im Nord- als auch im Südatlantik unter starkem Fischereidruck. Dennoch wendet ICCAT beim Fischereimanagement nicht denselben Standard an, wie er für Thunfische und thunfischartige Spezies selbstverständlich ist.
Vergangenes Jahr stieß die ICCAT immerhin einen Prozess an, der zur Entwicklung und Einführung von Maßnahmen für ein nachhaltiges Fischereimanagement [7] von Blauhaien führen soll. Allerdings wurde der Prozess verzögert. Ein Antrag der EU, der dem dringend benötigten Blauhai-Management höhere Priorität eingeräumt und den Prozess um Jahre beschleunigt hätte, scheiterte.(1)
Kurzflossen-Makohaie [8] sind den meisten Menschen eher unbekannt. Als Spitzenprädatoren im Atlantik spielen sie jedoch eine zentrale Rolle für die Stabilität und Funktionsfähigkeit mariner Ökosysteme. Ihr Bestand ist sowohl im Nord- als auch im Südatlantik in einem äußerst kritischen Zustand, nachdem die Art über Jahrzehnte hinweg - insbesondere durch Fangflotten der EU - massiv überfischt wurde.
Die EU forderte auf der 29. ICCAT-Generalversammlung ein Fang- und Anlandeverbot für die Populationen des Südatlantiks. Ein derartiges Verbot gibt es bereits seit 2022 für den Nordatlantik. Der Versuch, es auf den Südatlantik auszudehnen, scheiterte jedoch. Immerhin einigte man sich auf eine Fangmengen-Reduzierung für 2026 von bisher 1.295 auf 634 Tonnen. Ob dies jedoch ausreicht, um den Mako-Bestand langfristig zu erhalten, bleibt fraglich.
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"Einfach nur den Fang zu verbieten oder Mortalitätsgrenzen
festzulegen, reicht nicht. Die Tiere werden dennoch gefangen - als
Beifang in der Blauhai- und Schwertfischfischerei - und anschließend
meist tot oder sterbend wieder freigelassen", erklärt Ziegler.
"Solange wir die Selektivität der Fanggeräte nicht erhöhen und dadurch
den Fang dieser Haie verringern, wird kein konsequenter Haischutz
gelingen. Namibia, eine relevante Fangnation im Südatlantik, hat
beispielsweise mit einem Verbot von stählernen Langleinen, von denen
sich Haie kaum befreien können, die Haimortalität gesenkt. ICCAT muss
diesbezüglich endlich nachziehen."
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Zumindest nahm die Generalversammlung den Vorschlag Großbritanniens für ein Fang- und Anlandeverbot für Weiße Haie und Riesenhaie an.
Überdies sind die Fangflotten jetzt dazu verpflichtet, Tiere in ihren Netzen oder an ihren Haken möglichst unbeschadet wieder freizulassen. Daten über Beifänge müssen zudem an die ICCAT gemeldet werden. "Die Entscheidung bezüglich der beiden gefährdeten Haiarten ist ein wichtiger Erfolg, aber bei Weitem nicht genug, um die Hai-Populationen im Atlantik langfristig zu erhalten", lautet das Resümee von Pro Wildlife und Deutscher Stiftung Meeresschutz.
Joint Position Statement to the 29th Regular Meeting of the Commission
of ICCAT (17-25 November 2025)
https://www.stiftung-meeresschutz.org/wp-content/uploads/pdf/dsm-and-prowildlife-iccat-statement.pdf
Statement by Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM) to Panel 4 of the
29th Regular Meeting of the Commission of ICCAT
https://www.stiftung-meeresschutz.org/wp-content/uploads/pdf/statement-by-deutsche-stiftung-meeresschutz-to-iccat-panel-4.pdf
Position Statement from Deutsche Stiftung Meeresschutz to Panel 1:
Stepping up the Management of Tropical Tunas as Part of an
Ecosystem-Based Management
https://www.stiftung-meeresschutz.org/wp-content/uploads/pdf/position-statement-from-dsm-to-panel-1-management-of-tropical-tunas.pdf
(1) Der Blauhai (Prionace glauca) steht auf der Roten Liste [9] der
Weltnaturschutzorganisation IUCN als potenziell gefährdet mit
abnehmender Bestandsentwicklung. Blauhaie können bis zu 3,8 m groß und
200 kg schwer werden. Im Vergleich zu anderen Haiarten hat die Art mit
ca. 30 Jungtieren pro Weibchen und Jahr eine hohe Vermehrungsrate.
Gleichwohl halten die Bestände intensiver Befischung nicht lange
stand. Seit November 2022 stehen Blauhaie wie die meisten anderen
Requiemhaie auf CITES Anhang 2 [10]. Damit fällt der internationale
Handel mit Blauhaiprodukten unter die Kontrolle des Washingtoner
Artenschutzübereinkommens und darf nur mit den hierfür notwendigen
CITES-Dokumenten erfolgen.
*
Anlässlich der 24. ICCAT-Sondersitzung im November 2024 hatten die Deutsche Stiftung Meeresschutz, Pro Wildlife und die Gallifrey Foundation eine gemeinsame Erklärung als offizielles Sitzungsdokument eingereicht: "The Writing on the Wall for Sharks/Die Zeichen an der Wand für Haie" [11]
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Die Organisationen fordern deutlich verschärfte Fangregeln für Haie im
Atlantik (Seidenhaie, Walhaie, Hammerhaie, Fuchshaie) und Mobularochen
sowie Beifang reduzierende Modifikationen in der Langleinenfischerei
und bei frei treibenden Fischsammlern [12] (FADs).
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Haie - Gejagte Jäger (Infoflyer)
https://www.stiftung-meeresschutz.org/wp-content/uploads/pdf/dsm-flyer_haie_gejagte_jaeger.pdf
RFMOs gehören zu den entscheidenden Instrumenten zur Durchsetzung einer nachhaltigen Fischerei [13] und Bekämpfung der Überfischung. Sie sind unverzichtbar für den Erhalt der Artenvielfalt [14] in den Ozeanen. Die ICCAT ist eine der bedeutendsten dieser Kommissionen. Gegründet wurde sie 1966 in Rio de Janeiro. Sie hat 53 Mitglieder, darunter die EU, die USA, Kanada, China, Russland und Japan. Zuletzt trat das mittelamerikanische Costa Rica im Juni 2024 bei.
In den Zuständigkeitsbereich der ICCAT fällt das fischereiliche Management weit wandernder Fischarten im Atlantik. Darunter fallen neben Thunfischen, Marline und Schwertfische. Insgesamt sind es 30 Arten, verteilt über den gesamten Nord- und Südatlantik.
Für intensiv befischte Haie im Atlantik wie Mako- oder Blauhaie kann die ICCAT Managementrichtlinien verabschieden, sie muss es aber nicht. Denn noch haben nicht alle Mitgliedsstaaten eine bereits 2019 beschlossene Mandatserweiterung ratifiziert.
Die Profitabilität der Hai- und Rochenfischerei [15] beruht vorwiegend auf dem Profit, den man mit den Flossen der Tiere [16] auf den südostasiatischen Märkten erzielen kann. Das ist die Hauptursache, dass jedes Jahr zwischen 63 und 273 Millionen Haie sterben müssen. Der jahrelange Raubbau führte dazu, dass die Bestände nahezu aller Arten von Hochseehaien in den vergangenen 50 Jahren um 70 Prozent zurückgegangen sind oder am Rand des Zusammenbruchs stehen.
Um die gezielte Flossenfischerei (Finning) einzudämmen, wurde in der EU mit der Verordnung 605/2013 die sogenannte FNA-Regel (fins naturally attached/Ganzkörperanlandung) eingeführt. Seit 2013 dürfen EU-Fangschiffe Haie nur anlanden, wenn sie noch intakt sind, also nur, wenn sich alle Flossen auf natürliche Weise am Tierkörper befinden. Das gilt auch für Fänge von Haien im Atlantik. Die Kontrollen sind allerdings mangelhaft, sodass die EU nach wie vor Drehscheibe im internationalen Handel [17] mit Flossen von Haien und Rochen ist.
Bisher hat keine der vier großen Fischereikommissionen (RFMOs) das
Abtrennen der Flossen auf See analog zur EU-Verordnung 605/2013 {18]
verboten. Daher ist das Auffinden von abgetrennten Flossen an Bord
eines Schiffes im Rahmen einer der seltenen Kontrollen auf Hoher See
oder in einem Hafen außerhalb der EU auch kein Verstoß gegen die
vielen nationalen Finning-Verbote.
Weiterführende Informationen
Was ist die ICCAT?
https://www.stiftung-meeresschutz.org/problemzone-industrielle-fischerei/iccat/
Neue Chance für den Makohai?
https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/letzte-chance-fuer-makohaie/
Haie - Gejagte Jäger
https://www.stiftung-meeresschutz.org/foerderung/haischutz-schutz-der-haie/
Rote Thunfische kehren in die Nordsee zurück: eine
Erfolgsgeschichte
https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/artenschutz/roter-thunfisch-thunnus-thynnus-blauflossen-thunfische/
Handelsverbote für Haiflossen sind effektiver als Shark-Finning-Verbote
https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/haiflossen-fischerei-shark-finning/
UN-Ozeankonferenz in Nizza (UNOC-3)
https://www.stiftung-meeresschutz.org/presse/un-ozeankonferenz-unoc-3-in-nizza/
Iris Ziegler - Hai- und Fischereiexpertin
https://www.stiftung-meeresschutz.org/leitbild/iris-ziegler-hai-und-fischereiexpertin/
CITES: besserer Schutz von Haien und Rochen
https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/artenschutz/besserer-schutz-fur-haie-und-rochen-durch-cites/
Links:
[1] https://www.stiftung-meeresschutz.org/problemzone-industrielle-fischerei/iccat/
[2] https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/artenschutz/roter-thunfisch-thunnus-thynnus-blauflossen-thunfische/
[3] https://www.stiftung-meeresschutz.org/meerestiere/walhai/
[4] https://www.stiftung-meeresschutz.org/meerestiere/riesenhai/
[5] https://www.stiftung-meeresschutz.org/presse/fischereikommission-iccat-mit-teilerfolgen-fur-besseren-haischutz/#fna
[6] https://www.stiftung-meeresschutz.org/projekte/haischutz/stop-finning-stop-the-trade/
[7] https://www.stiftung-meeresschutz.org/foerderung/nachhaltiger-fischfang/
[8] https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/letzte-chance-fuer-makohaie/
[9] https://www.iucnredlist.org/species/39381/2915850
[10] https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/artenschutz/besserer-schutz-fur-haie-und-rochen-durch-cites/
[11] https://www.iccat.int/com2024/Statement/PLE_122_ENG.pdf
[12] https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/fad-fischerei-im-indischen-ozean/
[13] https://www.stiftung-meeresschutz.org/foerderung/nachhaltiger-fischfang/
[14] https://www.stiftung-meeresschutz.org/biodiversitaetskrise/
[15] https://www.stiftung-meeresschutz.org/projektfoerderung/rochen/
[16] https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/haiflossen-fischerei-shark-finning/
[17] https://www.stiftung-meeresschutz.org/projektfoerderung/haischutz/stop-finning-stop-the-trade/
[18] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32013R0605
Originalbeitrag mit Bildern:
https://www.stiftung-meeresschutz.org/presse/fischereikommission-iccat-mit-teilerfolgen-fur-besseren-haischutz/#363f929c-9c4b-4c7f-aa5f-23ab6c37aca3-link
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Quelle:
Pressemitteilung - 25. November 2025
Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM)
41460 Neuss
E-Mail: info[AT]stiftung-meeresschutz.org
Internet: https://www.stiftung-meeresschutz.org
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 5. Dezember 2025
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