Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) - Pressemitteilung vom 10. November 2025
Neue DLR-Studie nach Flugmesskampagne
Offshore-Methanemissionen vor Angola liegen über den Betreiberangaben
Eine neue Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR)
hat ergeben, dass die Methanemissionen von Offshore-Öl- und
-Gasplattformen vor der Küste Angolas unter den bisherigen
wissenschaftlichen Schätzungen liegen, jedoch immer noch über den von
den Betreibern berichteten Werten. Konkret zeigen die Ergebnisse der
Studie, dass die gesamten Methanemissionen mehr als doppelt so hoch
sind, wie die von den Betreibern gemeldeten Werte. Die Ergebnisse
stammen aus der ersten Flugzeugmesskampagne für Methanemissionen von
Offshore-Anlagen in Westafrika - durchgeführt vom DLR.
"Die Messungen bestätigen, wie wichtig es ist, von Schätzungen auf tatsächliche Messwerte umzuschwenken. Nur mit zuverlässigen Messdaten können wir das wahre Ausmaß der Emissionen verstehen und fundierte Entscheidungen zur Minderung treffen", sagt Dr. Anke Roiger, Leiterin der Abteilung Atmosphärische Spurenstoffe am DLR-Institut für Physik der Atmosphäre.
Die Analyse zeigt, dass die größten Methanfreisetzungen nicht durch Fackelverbrennung, sondern durch Leckagen verursacht werden - eine wichtige Erkenntnis, da diese Emissionen oft unter den Schätzungen der Betreiber bleiben. Die Studie identifizierte auch signifikante Unterschiede zwischen älteren und neueren Plattformen. Ältere Plattformen in flachen Gewässern wiesen deutlich höhere Emissionsintensitäten auf als die neueren Anlagen. Die älteren Plattformen trugen zu zwei Dritteln der gesamten Kohlenstoffemissionen bei, obwohl sie nur einen Bruchteil der Ölproduktion tragen, was ein erhebliches Minderungspotenzial durch die Modernisierung dieser Anlagen aufzeigt.
Mehrere größere Lecks wurden auch unter normalen Betriebsbedingungen entdeckt, was zeigt, dass regelmäßige Messungen entscheidend sind, um die genauen Quellen von Methanemissionen zu identifizieren und wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Während Satellitendaten wertvolle Hinweise liefern, können sie aufgrund ihrer begrenzten Auflösung nicht jedes einzelne Emissionsereignis aufdecken.
Im Jahr 2022 führte das DLR eine Forschungsflugkampagne durch, um Methan- und Kohlendioxidemissionen von 57 Offshore-Plattformen vor der angolanischen Küste zu messen. Dabei war das DLR-Forschungsflugzeugs Falcon 20E mit umfangreicher Instrumentierung im Einsatz unter wissenschaftlicher Leitung des DLR-Instituts für Physik der Atmosphäre.
Nach Abschluss der Messkampagne wurden die Ergebnisse mit den Betreibern geteilt, was zu erhöhtem Interesse an einer kontinuierlichen Überwachung geführt hat. Die Angolanische Agentur für Erdöl und Gas erwägt die Einführung eines nationalen Methan-Reporting-Systems, um die Emissionen besser nachverfolgen und reduzieren zu können.
Das Internationale Methanemissions-Observatorium (IMEO) der Vereinten Nationen hat die Studie unterstützt, um präzise, verlässliche Daten für die weltweite Reduktion von Methanemissionen bereitzustellen.
Diese Forschung wirft ein neues Licht auf die Methanemissionen aus
Offshore-Aktivitäten in Westafrika und zeigt, wie wichtig Messungen
für die Entwicklung gezielter Lösungen sind", erklärt Andreea Calcan,
Leiterin der wissenschaftlichen Studien bei IMEO. "Eine bessere
Datengrundlage stellt sicher, dass wir unsere Anstrengungen dort
konzentrieren, wo sie den größten Nutzen für das Klima bringen. Diese
wissenschaftlichen Erkenntnisse bieten eine Grundlage für politische
Entscheidungsträger und Industrieunternehmen, um gezielte Schritte in
Richtung einer emissionsärmeren Zukunft zu unternehmen. Das IMEO im
Umweltprogramm der Vereinten Nationen ist bereit, seine Partner bei
der Anwendung dieser Erkenntnisse zu unterstützen, um die Überwachung
zu verbessern und Emissionen zu reduzieren."
Anfang Texteinschub
Methan ist nach Kohlendioxid das zweitwichtigste anthropogene
Treibhausgas. Es ist aufgrund seiner hohen Klimawirksamkeit je nach
Rechenmodell etwa für ein Viertel bis ein Drittel der
menschengemachten Erderwärmung seit der vorindustriellen Zeit
verantwortlich. Beunruhigend ist, dass in den letzten Jahren die
atmosphärische Methankonzentration immer schneller steigt, wobei die
Ursachen hierfür noch nicht verstanden sind. Methan wird im Vergleich
zu Kohlenstoffdioxid allerdings viel schneller in der Atmosphäre
abgebaut. Hier liegt die Chance, die Methan-Konzentration schnell zu
senken, wenn es gelingt, die menschlichen Methanemissionen mit
entschlossenem Handeln schon in den nächsten Jahren spürbar zu
verringern. Auf der internationalen Klima-Konferenz COP 26 in Glasgow
verpflichteten sich auf Initiative der USA und der EU im November 2021
mehr als 100 Staaten im Rahmen der Global Methane Pledge die globalen
Methanemissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent gegenüber dem Stand
von 2020 mit freiwilligen Maßnahmen zu senken. Ein wichtiger Teil der
Vereinbarung: Ihre Emissionen sollen zukünftig detailliert nach den
Standards des Weltklimarats IPCC erfasst
Ende Texteinschub
Bildunterschriften
der im Schattenblick nicht veröffentlichten Abbildungen der
Originalpublikation:
• Bohrinsel vor der Küste Westafrikas (Symbolbild)
• DLR-Forschungsflugzeug Falcon 20E
Der DLR-Flugbetrieb in Oberpfaffenhofen setzt das Flugzeug seit über
40 Jahren hauptsächlich zur Atmosphärenforschung ein. Internationale
Forscherteams messen Spurengase und Aerosole direkt an Bord und
sammeln Luftproben, die anschließend im Labor analysiert werden. Der
zweistrahlige Jet basiert auf einem Geschäftsreiseflugzeug der
französischen Firma Dassault und fliegt in Höhen von bis zu 12.800
Meter.
Weiterführende Links
DLR-Pressemitteilung: DLR-Flugzeug erfasst Klimagas Methan vor der
Küste Zentralafrikas
https://www.dlr.de/de/aktuelles/nachrichten/2022/03/dlr-flugzeug-erfasst-klimagas-methan-vor-der-kueste-zentralafrikas
Studie: ACP - Airborne quantification of Angolan offshore oil and gas
methane emissions (engl.)
https://acp.copernicus.org/articles/25/15009/2025/
UNEP - UN Environment Programme (engl.)
https://www.unep.org/
International Methane Emissions Observatory / UNEP - UN Environment
Programme (engl.)
Treibhausgas Methan
https://www.unep.org/topics/energy/methane/international-methane-emissions-observatory
Wissenschaftliche Studie
Fiehn, Alina, Eckl, Maximilian, Pühl, Magdalena, Bräuer, Tiziana,
Gottschaldt, Klaus-Dirk, Aufmhoff, Heinfried, Eirenschmalz, Lisa,
Neumann, Gregor, Sakellariou, Felicitas, Sauer, Daniel, Baumann,
Robert, De Aguiar Ventura, Guilherme, Cadete, Winne Nayole, Zua, Dário
Luciano, Xavier, Manuel, Correia, Paulo, and Roiger, Anke: Airborne
quantification of Angolan offshore oil and gas methane emissions,
Atmos. Chem. Phys., 25, 15009-15031, 2025.
https://doi.org/10.5194/acp-25-15009-2025
*
Quelle:
DLR-Presse-Information, 10.11.2025
Herausgeber:
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Kommunikation
Linder Höhe, 51147 Köln
Tel.: +49 2203 601-0, Fax: +49 2203 601-10
E-Mail: contact-dlr[at]dlr.de
Internet: www.dlr.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 21. November 2025
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