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VÖGEL/1237: Winterstörche vor allem im Westen (NABU)


Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V. - Pressedienst, 27. Februar 2026

Winterstörche vor allem im Westen

Weißstörche bleiben immer öfter bei Schnee und Kälte in Deutschland. Wo genau, zeigt das Ergebnis einer NABU-Meldeaktion


Berlin - Störche im Schnee: Dieser Anblick ist seit einigen Jahren in Deutschland nicht mehr ungewöhnlich. Um das Phänomen zu untersuchen, hat der NABU bereits zum dritten Mal zum Zählen von Winterstörchen aufgerufen. Die ersten Ergebnisse liegen nun vor.

"Wir beobachten schon seit mehr als 20 Jahren, dass sich das Zugverhalten ändert", sagt Bernd Petri von der NABU-Bundesarbeitsgruppe Weißstorchschutz. "Viele der Vögel, die das Mittelmeer früher westlich umflogen, überwintern inzwischen in Spanien, statt weiter nach Afrika zu fliegen - wenn sie nicht gleich in Deutschland bleiben."

Durch die Meldeaktionen von drei Wintern haben die Ornithologen nun ein gutes Bild, wo sich die meisten Störche aufhalten. "Besonders viele Störche überwintern am Oberrheingraben. Dort gibt es ein besonders mildes Klima und viele Müllkippen mit Bioabfällen. Das ist für die Vögel sehr attraktiv", so Petri. "Weitere Hotspots sind Mittelfranken, Schwaben und das Hessische Ried." Im hessischen Büttelborn sind es bis zu 500 Weißstörche, die in der Nähe einer großen Deponie überwintern. Petri: "Dort befindet sich zudem ein wasserreiches Niedermoorgebiet, das viele Störche als Übernachtungsplatz nutzen." Auch eine Gegend nahe des Flughafens München ist bei Winterstörchen sehr beliebt. Hier befindet sich ein großes Abfallwirtschaftszentrum, zudem gibt es durch die vielen Straßenlampen gute Übernachtungsplätze.

Bisher betrifft das stark veränderte Zugverhalten nur die westziehenden Störche. Die "Ostzieher", also die Vögel, die über den Bosporus nach Afrika fliegen, treten immer noch ihre weite Reise an. Für das veränderte Verhalten der Westzieher ist auch die Klimaerwärmung verantwortlich. Petri: "In immer milderen Wintern finden Weißstörche als Nahrungsopportunisten auch bei uns genug Mäuse, Würmer, kleine Fische und Abfall auf offenen Mülldeponien." Denn Weißstörche ziehen nicht wegen der Kälte, sondern vor allem wegen der Nahrungsknappheit im europäischen Winter. Finden sie genug Futter, ersparen sich einige den kräftezehrenden Zug. Außerdem sind sie so früher in den Brutgebieten und können die besten Neststandorte besetzen.

Da sich die westziehenden Störche in den letzten Jahren stark vermehrt haben, weichen einige in die östlichen Bundesländer aus. Petri: "Wo im Osten Winterstörche gesichtet wurden, sind es Westzieher, die zum Nisten in den Osten gegangen waren." In den östlichen Bundesländern werden daher auch weniger Winterstörche gemeldet. Hier gibt es in Thüringen bei Apolda einen Hotspot. Die nordöstlichsten Winterstörche wurden aus Pasewalk gemeldet.

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Quelle:
NABU Pressedienst, 27.02.2026
Herausgeber:
Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
Pressestelle
Charitéstraße 3, 10117 Berlin
E-Mail: presse@NABU.de
Internet: www.NABU.de

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 27. Februar 2026

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