Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V. - Pressedienst, 12. November 2025
Neue Zahlen: Wolfsbestand in Deutschland stagniert erstmals
NABU zur UMK: Bejagung ist kein Herdenschutz
Berlin - Der NABU sieht die neuen Ergebnisse des offiziellen Wolfsmonitorings als Beleg dafür, dass sich die Wolfspopulation in Deutschland stabilisiert und keineswegs unkontrolliert wächst. Gleichzeitig warnt der Verband vor den politischen Plänen, den Wolf ins Bundesjagdrecht aufzunehmen - ein Schritt, der aus NABU-Sicht weder notwendig noch zielführend wäre.
"Der Wolf ist, wie auch Umwelt- und Agrarminister*innen immer wieder betonen, Teil Deutschlands. Ein Tier, das nach Jahrhunderten in unsere Landschaft zurückgekehrt ist und hier seinen Platz gefunden hat", sagt NABU-Wolfsexpertin Marie Neuwald. "Eine Aufnahme ins Jagdrecht wäre eine politische Fehlentscheidung, die uns bei der Akzeptanz und Koexistenz mit dem Wolf um Jahre zurückwerfen könnte."
Im Monitoringjahr 2024/25 wurden laut DBBW (Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf) 219 Wolfsrudel, 43 Paare und 14 sesshafte Einzeltiere in Deutschland festgestellt - insgesamt demnach 276 Wolfsterritorien. Eine Stagnation zum Vorjahr, in dem 274 Territorien nachgewiesen wurden. Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort: Das Wachstum verlangsamt sich deutlich.
Neuwald betont: "Die Zahlen der letzten Jahre zeigen klar: Der Wolfsbestand wächst nicht unbegrenzt weiter, in manchen Regionen ist bereits eine Sättigung zu verzeichnen. Es gibt daher keine Notwendigkeit, eine reguläre Bejagung einzuführen. Zudem lernen Wölfe durch Abschüsse nicht, Abstand zu Weidetieren zu halten, das kann nur ein funktionierender Herdenschutz."
Klar ist: Auch eine Bejagung wird nicht von der grundsätzlichen Notwendigkeit des Herdenschutzes entbinden, wenn das Ziel eine geringere Anzahl an Rissen ist. Tatsächlich sank 2024 die Zahl der registrierten Nutztierrisse um rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr, vor allem dank wirksamer Schutzmaßnahmen und engagierter Weidetierhalter*innen. Der NABU fordert daher, Mittel und Unterstützung für Herdenschutz weiter auszubauen, anstatt mit Scheinlösungen wie der Jagd falsche Erwartungen zu wecken.
Besorgt zeigt sich der NABU auch über die alarmierende Zahl illegaler Wolfstötungen: 2025 wurden bislang acht, im Jahr 2024 sogar 16 illegal getötete Wölfe gefunden - mit vermutlich hoher Dunkelziffer. "Eine reguläre Bejagung könnte die Hemmschwelle für illegale Abschüsse sogar weiter sinken lassen", so Neuwald.
Vor der bevorstehenden Umweltministerkonferenz (UMK) richtet der NABU daher klare Forderungen an Bund und Länder:
Pressemitteilung DBBW zum Wolfsbestand
https://www.dbb-wolf.de/mehr/pressemitteilungen/details/ergebnisse-des-wolfsmonitorings-2024-25-veroeffentlicht-bestandsentwicklung-stagniert
DBBW-Schadensstatistik
https://www.dbb-wolf.de/wolfsmanagement/herdenschutz/schadensstatistik
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Quelle:
NABU Pressedienst, 12.11.2025
Herausgeber:
Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
Pressestelle
Charitéstraße 3, 10117 Berlin
E-Mail: presse@NABU.de
Internet: www.NABU.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 21. November 2025
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