Der Radetzkymarsch [1]
Ein Kulturschandfleck
von Gerhard Feldbauer, 2. Januar 2026
Dass auf dem jährlichen Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker auch 2026 zum Abschluss wieder der Radetzkymarsch gespielt wurde, kann man nur als Schandfleck bezeichnen. Der von Johann Strauss (Vater) für den österreichischen Feldmarschall Josef Wenzel Radetzky komponierte Militärmarsch ist dem Würger der Wiener Märzrevolution von 1848 und dem Schlächter der Mailänder Aufständischen der italienischen Revolution 1848/49 gegen die Habsburger Besatzung in der Lombardei gewidmet.
Als sich am 1. Januar 1848 in Mailand die Einwohner friedlich mit einem Raucherstreik weigerten, österreichische Tabakwaren zu kaufen, um so gegen das Staatsmonopol zu protestieren, erschoss die dagegen vorgehende Polizei sechs Menschen und verletzte fünfzig. Gegen die anhaltenden Proteste ließ Radetzky am 10. Januar erneut seine Soldaten das Feuer auf friedliche Demonstranten eröffnen, die danach Barrikaden errichteten und in fünftägigen Kämpfen Radetzky aus Mailand vertrieben. Auch aus dem von Wien besetzten Venetien wurden die österreichischen Truppen vertrieben. Nachdem Italiens König Alberto im Krieg gegen Österreich im August vor Radetzky kapituliert hatte, kehrte dieser nach Mailand zurück, verhängte den Belagerungszustand und rechnete mit den Aufständischen blutig ab.
Diese Bewahrung militaristischer Traditionen dürfte nicht zuletzt neofaschistischen Kräften in Österreich Auftrieb gegeben und den Liberalen Neos den Weg in die Regierung mit der ÖFP und SPÖ geebnet haben. Dem diente ebenso, dass sich der international renommierte kanadische Dirigent Yannick Nézet-Séguin, Musikdirektor des Philadelphia Orchestra und des kanadischen Orchestre Métropolitain sowie Ehrendirigent des Rotterdams Philharmonisch Orkest, dazu hergab, den Marsch der skandierenden, zumeist hohen High Society darzubieten, was seine vorher bekundeten Wünsche für ein neues Jahr des Friedens, die er den über 50 Millionen Zuschauern aus mehr als 150 Ländern übermittelte, nachgerade zur Heuchelei degradierte.
[1] Anmerkung des Verfassers:
Es scheint angebracht, zu diesem Beitrag einen "Nachschlag" zu
bringen, um näher darzulegen, dass König Alberto von Piemont zwei
Kriege gegen Österreich führte und beide Male trotz ausreichender
militärischer Kräfte Radetzky den Sieg überlassen hatte und geflohen
war:
www.schattenblick.de → Infopool → Geisteswissenschaften →
Geschichte →
MEMORIAL/296: Die Niederlage herbeigewünscht - König Albertos Flucht vor
Radetzky (Gerhard Feldbauer)
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Quelle:
© 2026 by Gerhard Feldbauer
Mit freundlicher Genehmigung des Autors
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 16. Januar 2026
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