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NAHOST/1106: Syrien - 2.000 IS-Gefangene drohen auf freien Fuß zu kommen (Civaka Azad)


Civaka Azad - Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V.
Pressemitteilung vom 20. Januar 2026

2.000 IS-Gefangene drohen auf freien Fuß zu kommen


Im al-Aqtan-Gefängnis in der syrischen Stadt Raqqa spitzt sich die Sicherheitslage dramatisch zu. Nach Angaben von Verteidigungskräften vor Ort droht dort ein Massenausbruch von rund 2.000 inhaftierten Mitgliedern der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Seit zwei Tagen ist die Haftanstalt von Truppen der sogenannten Syrischen Übergangsregierung sowie von mit der Türkei verbündeten Milizen umstellt. Ziel der Angreifer scheint es zu sein, das Gefängnis einzunehmen oder zumindest die Freilassung der IS-Gefangenen zu ermöglichen.

QSD sichern Gefängnis unter extremem Druck

Derzeit sichern Einheiten der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) das Gefängnis und versuchen, sowohl ein Eindringen der angreifenden Kräfte als auch eine Flucht der Inhaftierten zu verhindern. Die Lage ist dabei äußerst angespannt: Die Verteidigungskräfte sehen sich bewaffneten Angriffen von außen gegenüber, während sich innerhalb der Anlage rund 2.000 IS-Mitglieder befinden, die als hochgradig gefährlich gelten.

Die QSD erklärten, die US-geführte internationale Anti-IS-Koalition habe sie aufgefordert, ihre Stellungen zu halten und Unterstützung zugesagt. Bislang sei diese Hilfe jedoch nicht eingetroffen. Aus dem Umfeld des Gefängnisses heißt es, die Koalition begründe das Ausbleiben von Unterstützung mit schlechten Straßenverhältnissen, was die prekäre Lage zusätzlich verschärft.

Tote und Verletzte bei Gefechten

Bei den bisherigen Auseinandersetzungen kamen nach Angaben der QSD neun Kämpfer:innen ums Leben, mindestens 20 weitere wurden verletzt. Die Kämpfe konzentrieren sich vor allem auf das unmittelbare Umfeld der Haftanstalt, doch auch innerhalb des Gefängnisses wird mit Unruhen gerechnet. Die Sicherheitskräfte warnen, dass bereits kleinere Durchbrüche ausreichen könnten, um eine unkontrollierbare Kettenreaktion auszulösen.

Weitere Gefängnisse betroffen - Hunderte bereits freigelassen

Die Entwicklungen in Raqqa stehen nicht isoliert. Der Pressesprecher der QSD, Farhad Samî, teilte mit, dass aus dem Gefängnis in Sedadê (asch-Schaddadi) bereits rund 1.500 IS-Gefangene durch sog. Regierungstruppen freigekommen seien. Auch das Gefängnis Xewran in Heseke, in dem nach Angaben der Selbstverwaltung etwa 5.000 IS-Angehörige inhaftiert sind, werde derzeit angegriffen. Ein weiterer Massenausbruch könne nicht ausgeschlossen werden.

Beteiligung ehemaliger Dschihadisten und türkeitreuer Milizen

Die an den Angriffen beteiligten Truppen setzen sich unter anderem aus ehemaligen Mitgliedern der dschihadistischen Organisation HTS sowie aus Milizen zusammen, die eng mit der Türkei verbunden sind. Innerhalb dieser Gruppen befänden sich auch frühere IS-Mitglieder, die teilweise familiäre oder persönliche Beziehungen zu den Inhaftierten hätten. Dies nährt den Verdacht, dass die Angriffe gezielt auf die Befreiung bestimmter IS-Kader ausgerichtet sind.

Erfahrene IS-Kader in Haft

Lokale Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass es sich bei den Gefangenen überwiegend um erfahrene IS-Kader handelt, die in der Vergangenheit zentrale Funktionen innerhalb der Terrororganisation innehatten. Ein Massenausbruch dieser Personen würde nicht nur die ohnehin fragile Sicherheitslage in Nord- und Ostsyrien massiv destabilisieren, sondern könnte auch internationale Folgen haben.

Warnung vor regionalen und internationalen Konsequenzen

Die QSD warnen eindringlich vor den sicherheitspolitischen Konsequenzen eines möglichen Ausbruchs. Eine Freilassung tausender kampferprobter IS-Mitglieder könnte zur Reaktivierung terroristischer Netzwerke führen - weit über die Grenzen Syriens hinaus. Vor diesem Hintergrund fordern sie dringend internationale Unterstützung, um die Gefängnisse zu sichern und eine erneute Erstarkung des IS zu verhindern.

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Quelle:
Civaka Azad - Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V.
Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin
E-Mail: info@civaka-azad.org
Internet: www.civaka-azad.org

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 23. Januar 2026

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