Proteste gegen US-Überfall auf Venezuela und Solidarität mit dem Widerstand
Pro-US-amerikanische Haltung der italienischen Regierung unter Ministerpräsidentin Meloni
von Gerhard Feldbauer, 5. Januar 2026
Nach dem US-Überfall auf Venezuela am 3. Januar 2026 und der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und seiner Ehefrau, der ehemaligen Präsidentin der Nationalversammlung Cilia Flores, hat Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni einen Tag abgewartet, bevor sie erklärte, sie halte "ein militärisches Eingreifen von außen nicht für ein geeignetes Mittel zur Beendigung totalitärer Regime". Zugleich fügte sie laut der Nachrichtenagentur ANSA hinzu, dass sie defensive Maßnahmen als legitim erachte, "wenn es um die Abwehr hybrider Bedrohungen der eigenen Sicherheit geht, etwa durch staatliche Akteure, die den Drogenhandel fördern oder unterstützen", was einer Zustimmung zu Trumps Begründung gleichkommt.
Gegenüber der venezolanischen Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado legte Meloni nach und betonte: "Mit Maduros Abgang von der Bildfläche beginnt für das venezolanische Volk ein neues Kapitel der Hoffnung." Gegenüber Frankreichs Präsident Macron ergänzte sie, sein Abgang verkörpere für die venezolanische Bevölkerung die Hoffnung, zu den Grundprinzipien der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit zurückkehren zu können - eine Überzeugung, die beide Staatschefs teilten. Rai News verwies darauf, dass in Venezuela mehr als 160.000 italienische Staatsbürger leben, was Meloni berücksichtigen müsse.
Lega-Chef und Vizepremier Salvini äußerte laut ANSA eine differenzierte Sichtweise, die von der offiziellen Position der Regierung abweicht. "Niemand wird Maduro, der sein Volk jahrelang hungern und unterdrücken ließ, nostalgisch nachtrauern", erklärte er. Dennoch bleibe für die Lega, so Salvini, der wichtigste Weg zur Lösung internationaler Streitigkeiten und zur Beendigung andauernder Konflikte die Diplomatie, um "die nationale Souveränität Venezuelas zu garantieren und die Rechtsstaatlichkeit zu gewährleisten". Italiens Außenminister und Vizepremier Tajani habe sich, so hieß es, noch nicht geäußert, seine Stellungnahme werde erst für den 8. Januar in der Abgeordnetenkammer erwartet.
Scharfe Kritik kam von der Opposition. "Was wird Meloni tun, wenn die USA ihre Aufmerksamkeit Grönland zuwenden, das zu Dänemark, einem europäischen Staat, gehört?", fragte der Vorsitzende der Fünf-Sterne-Bewegung und Ex-Premier Giuseppe Conte, während die PD-Sekretärin Schlein zwar Maduro ablehnt, aber den Angriff Trumps als völkerrechtswidrig verurteilte. Die italienische Nachrichtenagentur ANSA kam nicht umhin klarzustellen, dass Donald Trump mit seiner Intervention in Venezuela die Monroe-Doktrin und die Kanonenbootdiplomatie wiederaufgreife und aktualisiere.
Laut einem Bericht der New York Times vom 3. Januar, aus dem ANSA am 4. Januar zitierte, wurde der Angriff der Eliteeinheit Delta Force und des 160. US-Luftwaffenregiments zur Entführung des venezolanischen Präsidenten seit Monaten auch dank einer CIA-Quelle innerhalb der Regierung in Caracas vorbereitet und ausgeführt. Nachdem amerikanische Streitkräfte in Caracas einen Stromausfall verursacht hatten, trafen sie am Samstagmorgen um 2:01 Uhr auf Maduros Anwesen ein und starteten den Angriff, bei dem jedoch ein Hubschrauber getroffen und zwei Soldaten verletzt wurden. Maduro und seine Frau Cilia wurden im Schlaf überrascht. Der venezolanische Präsident versuchte zu fliehen, indem er in einem Tresorraum Zuflucht suchte. Laut Trump gelang es ihm jedoch nicht, die "sehr dicke und sehr schwere" Tür zu schließen, und er wurde gefasst.
Medienberichten zufolge hat die Vizepräsidentin Venezuelas, Delcy Rodríguez, Tochter eines marxistischen Guerilleros, das Amt des Präsidenten der Republik übernommen. Auf Anordnung des Obersten Gerichtshofs, der zu einer Eilsitzung einberufen worden war, soll sie "in ihrer Eigenschaft als Beauftragte" alle dem Präsidentenamt innewohnenden Befugnisse, Pflichten und Rechte übernehmen und ausüben, um die administrative Kontinuität und die umfassende Verteidigung der Nation zu gewährleisten. Damit versuche Venezuela einen Tag nach der Entführung seines rechtmäßig gewählten Präsidenten Nicolás Maduro, den Weg einer demokratischen und verfassungsmäßigen Ordnung weiterzugehen, schrieb Contropiano am 4. Januar.
Delcy Rodríguez forderte die sofortige Freilassung von Präsident Nicolás Maduro und First Lady Cilia Flores: "In diesem Land gibt es nur einen Präsidenten, und sein Name ist Nicolás Maduro Moros." Die Vizepräsidentin enthüllte, das eigentliche Ziel der USA sei ein "Regimewechsel in Venezuela", mit dem sie sich "unsere Energie-, Mineral- und Bodenschätze aneignen" wollten. Rodríguez betonte, dass die Zivilschutzbehörden und die gesamte nationale Gewalt Venezuelas zur Verteidigung der angegriffenen Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität mobilisiert wurden. Sie verwies auf die internationale Unterstützung u.a. aus China, Russland, Lateinamerika, der Karibik, Afrika und Asien, die sich zusammengeschlossen und ihre Stimmen erhoben hätten. Sie sagte, weltweit seien Regierungen schockiert über diesen Anschlag.
Rodríguez zitierte den Befreier Simón Bolívar aus der Charta von Jamaika: "Der Schleier ist zerrissen, wir haben das Licht bereits gesehen, und sie wollen uns in die Dunkelheit zurückführen. Die Ketten sind gesprengt, wir sind frei, und unsere Feinde versuchen, uns erneut zu versklaven." Sie betonte, dass Venezuela "nie wieder eine Kolonie irgendeines Imperiums" werden wird. Abschließend rief die Vizepräsidentin das venezolanische Volk zur Ruhe auf und forderte, die Situation gemeinsam und in vollkommener nationaler Einheit zu bewältigen. Sie mahnte die Polizei, das Militär und die Bevölkerung, sich zu einer Einheit zusammenzuschließen, um in dieser Phase der Verteidigung der Souveränität und nationalen Unabhängigkeit Venezuelas zusammenzustehen.
In Italien gingen die bereits am Samstag begonnenen Proteste gegen den Überfall und die Entführung Maduros und die Bekundungen der Solidarität mit Venezuela am Montag unter der Losung "Finger weg von Venezuela! Sofortige Freiheit für Präsident Maduro" weiter. Zahlreiche linke und Mitte-Links-Gruppen haben für den 10. Januar im ganzen Land zu Demonstrationen aufgerufen, berichtete das kommunistische Magazin Contropiano, das die imperialistischen und kolonialen Ziele Trumps entlarvte. Die US-Luftwaffe bombardierte die Außenbezirke der Hauptstadt Caracas und verwandelte sie in ein Kriegsgebiet. Vor allem die Arbeiterviertel wurden angegriffen, wobei es 40 Tote gab.
In Rom hatten die Proteste am Samstag, dem 3. Januar in der Via Bissolati vor der US-Botschaft begonnen, gefolgt von weiteren in Neapel in der Via de Petris vor dem Venezolanischen Konsulat, weiter in Bologna, in Turin und in Pisa. Contropiano betonte, dass der völkerrechtswidrige Angriff auch eine Folge westlicher Komplizenschaft sei, wurde doch das Vorgehen der USA nicht behindert. Wir rufen die demokratischen, progressiven und kommunistischen Kräfte dazu auf, unverzüglich ihren Widerstand gegen diese neue Eskalation des Krieges und ihre Unterstützung für das venezolanische Volk zum Ausdruck zu bringen, das vom US-Imperialismus auf barbarische Weise angegriffen wird, hieß es.
Unter Bezug auf Newsweek schrieb ANSA am Montag, dass die USA im Prozess gegen Maduro als Kronzeugen den ehemaligen Chef des venezolanischen Militärgeheimdienstes, Hugo Armando Carvajal Barrios, aufbieten würden. Er wurde von Maduro wegen Hochverrats abgesetzt und anschließend in den USA verhaftet. In einem Prozess bekannte er sich im vergangenen Juni der ihm zur Last gelegten Verbrechen schuldig, die mit Gefängnisstrafen geahndet werden und denen ähneln, derentwegen der venezolanische Staatschef angeklagt werden soll. Er sei noch nicht verurteilt worden, was ein Zeichen dafür sei, dass die Staatsanwaltschaft ihn möglicherweise gegen Maduro aussagen lassen möchte, bevor sie über sein Schicksal entscheidet.
Der aus den USA stammende Papst Leo XIV. erklärte laut Vatikan News: "Mit großer Sorge verfolge ich die Entwicklungen der Situation in Venezuela." Er enthielt sich aber einer Verurteilung des völkerrechtswidrigen US-Angriffs und der Entführung Maduros. Zweideutig fuhr er fort, "das Wohl des geliebten venezolanischen Volkes" müsse an die erste Stelle gesetzt werden und dazu führen, "die Gewalt zu überwinden und Wege der Gerechtigkeit und des Friedens einzuschlagen". Sein Appell lautete, "die Souveränität des Landes zu gewährleisten, den in der Verfassung verankerten Rechtsstaat zu sichern, die Menschen- und Bürgerrechte jedes Einzelnen und aller zu respektieren und gemeinsam daran zu arbeiten, eine friedliche Zukunft der Zusammenarbeit, der Stabilität und der Eintracht aufzubauen, mit besonderer Aufmerksamkeit für die Ärmsten, die aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage leiden".
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Quelle:
© 2026 by Gerhard Feldbauer
Mit freundlicher Genehmigung des Autors
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 9. Januar 2026
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