13 Tote bei Zugunglück in Mexiko auf neuer Strecke
108 Verletzte, 44 in Behandlung. Regierung kündigt Untersuchung an und warnt vor Spekulationen über Ursachen
von Philipp Gerber, 30. Dezember 2025
Mexiko-Stadt. Ein Zug mit 250 Personen an Bord ist auf der kurvenreichen Strecke des interozeanischen Korridors im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca entgleist. In den Wagen, die am Sonntag bei der Ortschaft Nizanda in eine Schlucht stürzten, starben 13 Personen, 108 weitere wurden verletzt. Am Tag nach dem Unglück befanden sich noch 44 Verletzte in stationärer Behandlung im Krankenhaus, informierte das für den Betrieb dieses Zuges zuständige Marineministerium gegenüber der Presse.
Präsidentin Claudia Sheinbaum Pardo kündigte auf einer Pressekonferenz am Montag eine umfassende Untersuchung der Ereignisse an. Vor Ort befinde sich "alles unter Beweissicherung" der Bundesstaatsanwaltschaft, einschließlich der elektronischen Aufzeichnung in der Lokomotive, die ähnlich wie eine Blackbox in Flugzeugen funktioniert. Bezüglich einer Aussage eines Passagiers, der Zug sei zu schnell gefahren, bat Sheinbaum, man solle nicht spekulieren und die Untersuchung der Behörden abwarten. Sie gab zudem bekannt, dass der Lokomotivführer nicht verletzt worden sei und die Staatsanwaltschaft ihn vernehme.
Erst Ende 2023 weihte der ehemalige Präsident Andrés Manuel López Obrador diese eingleisige Zugstrecke ein. Neben dem Tren Maya gilt der interozeanische Korridor an der Meerenge zwischen Oaxaca und Veracruz als Vorzeigeprojekt der seit 2018 regierenden Morena-Partei. Gonzalo López Beltrán, einer der Söhne des ehemaligen Präsidenten López Obrador, überwachte den Bau des Zugprojektes. Dementsprechend deutlich fällt nach dem Unglück die Kritik der rechten Opposition aus, welche die fehlende Transparenz in den Kosten des Großprojekts hervorhebt. Sie wies auch auf frühere Unglücke wie dasjenige der U-Bahn-Linie 12 in Mexiko-Stadt im Jahr 2021 hin. Der Kollaps einer Brücke der Monate zuvor eingeweihten U-Bahn-Strecke kostete 36 Menschenleben.
Der interozeanische Korridor verbindet die Häfen Salina Cruz am Pazifik und Coatzacoalcos an der Atlantikküste. Gemäß Plänen der mexikanischen Regierung soll dieser "trockene" Kanal auch eine Alternative für den Güterverkehr zum stark ausgelasteten Panama-Kanal bieten. Das Marineministerium kaufte für die Strecke gebrauchte Lokomotiven und Waggons aus Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Die Eisenbahnen mit mindestens 40 Jahren Betriebszeit seien für dieses Projekt "überholt" worden, betonte die mexikanische Regierung.
Ingenieure, indigene Organisationen und Umweltschutzverbände warnten [1] während der Bauzeit der interozeanischen Zugverbindung und des Tren Maya wiederholt vor Sicherheitsrisiken. Proteste gegen die sozialen und ökologischen Folgen dieser Großprojekte wurden unterdrückt, Einsprachen weitgehend ignoriert (amerika21 berichtete [2]). Die Zugstrecken bauen auf den historischen Trassen auf, die seit dem 19. Jahrhundert in Betrieb waren. Unter dem neoliberalen Präsident Ernesto Zedillo (1994-2000) privatisiert, gingen sie wenig später in Konkurs. Mit dem Argument, eine zukünftige Privatisierung dieser Infrastruktur verhindern zu wollen, übertrug López Obrador den Bau und Betrieb der neuen Zugstrecken den Streitkräften des Landes.
Anmerkungen:
[1] https://dialogosoaxaca.com/tragedia-del-tren-interoceanico-esconde-simulacion-y-oculta-informacion-ucizoni/
[2] https://amerika21.de/2023/12/267435/mexiko-interozeanischer-korridor
Quellen:
https://www.jornada.com.mx/noticia/2025/12/29/politica/atencion-a-victimas-y-esclarecer-con-rigor-descarrilamiento-del-tren-transistmico-prioridades-sheinbaum
https://imparcialoaxaca.mx/oaxaca/revisaran-caja-negra-tras-accidente-del-interoceanico-en-oaxaca-siguen-44-personas-hospitalizadas/
Erstveröffentlicht auf amerika21:
https://amerika21.de/2025/12/279971/13-tote-bei-zugunglueck-mexiko
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Quelle:
© 2025 by Philipp Gerber
Mit freundlicher Genehmigung des Autors
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 9. Januar 2026
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