Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt Nr. 1|2, Januar|Februar 2026
So verhindert das WKK Diebstahl von Medikamenten
von Dirk Schnack
Medikamente zu stehlen, wird Mitarbeitenden von Kliniken oft leicht gemacht: Die Kontrollen sind lax, die Folgen für die Klinik gering. Die Westküstenkliniken (WKK) Heide haben ein wirksames Monitoring gegen den Diebstahl etabliert.
Die bestellte Lieferung von 140 Tabletten Diazepam war nach drei Tagen fast aufgebraucht. Der ungewöhnliche schnelle Verbrauch passte nicht zu der Anzahl an Patienten, die zu diesem Zeitpunkt im WKK mit Diazepam behandelt wurde. Das WKK griff durch: Umgehend wurden Geschäftsführung, die Abteilungen Compliance, Risikomanagement sowie Organisation und Qualitätsmanagement eingeschaltet. Der Verlust wurde bei der Polizei angezeigt, die verbliebenen Tabletten in den Betäubungsmittel-Tresor verbracht. Jede Entnahme musste fortan dokumentiert werden. Dann analysierte das WKK alle Verbrauchsdaten rückwirkend für drei Jahre. Ergebnis: Es waren rund 11.000 Diazepam-haltige Tabletten verschwunden.
Solche Fälle passieren in vielen Kliniken. Das WKK ist eine der wenigen, die darüber sprechen und handeln. Um den Diebstahl - für den Eigenverbrauch oder den Weiterverkauf auf dem Schwarzmarkt - zu verhindern, hat die Arbeitsgemeinschaft Kritische Arzneimittel unter Vorsitz des Ärztlichen Direktors am WKK im Jahr 2023 eine kontinuierliche Überwachung definierter kritischer Arzneimittel beschlossen.
Fechner als Leiter des Qualitätsmanagements in Heide und Sina Jahn als Leiterin der Stabsstelle klinische Pharmazie treffen sich monatlich zu einer Verbrauchsanalyse der kritischen Arzneimittel. Wenn ihnen etwas auffällt, gehen sie auf die Station, schalten die Leitung ein, inspizieren den Medikamentenschrank. "Das hat die Mitarbeitenden anfangs hochgeschreckt. Jeder weiß: Wir haben einen Blick von außen auf den Medikamentenverbrauch", berichtete Fechner. Die Auffälligkeiten werden in Qualitätsgesprächen thematisiert, bei Bedarf greifen weitere Maßnahmen wie der "Stufenplan Sucht" und die Dienstanweisung "Suchtkranke und suchtgefährdete Beschäftigte". Wer sich zum Diebstahl bekennt, erhält Hilfsangebote. Abmahnungen und als letztes Mittel Anzeigen sind nicht ausgeschlossen.
Damit ungewöhnlicher Verbrauch registriert werden kann, musste das WKK eine Datenbank zum Verbrauchsmonitoring (QlikView¸) einführen - was von der Initiative einzelner abhing. Fechner vermutet, dass der Aufwand ein weiterer Grund ist, weshalb viele Kliniken dem Thema nicht weiter nachgehen. Hinzu kommt: Obwohl ein Weiterverkauf auf dem Schwarzmarkt für Diebe lukrativ ist, hält sich der wirtschaftliche Schaden für die Krankenhäuser in Grenzen: Eine Tablette wird auf dem Schwarzmarkt zwischen zwei und zehn Euro gehandelt, kostet die Klinik aber nur zwei Cent.
In Heide zeigt das Monitoring Erfolge. Bei Tillidin und Tramadol etwa sind die Bestellmengen nach einem auffälligen zwischenzeitlichen Anstieg deutlich gesunken und korrelieren mit den Verordnungen. Erste Mitarbeitende haben sich zu Missbrauch bekannt, es wird gemeinsam nach Lösungen gesucht.
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Quelle:
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt Nr. 1|2, Januar|Februar 2026
79. Jahrgang, Seite 23
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