Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt Nr. 1|2, Januar|Februar 2026
Notfallversorgung
Erste Daten zur Notfallversorgung von Kindern
von Uwe Groenewold
Beim 24. Kongress der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) trafen sich rund 7.500 Teilnehmende unter dem Motto "Klug entscheiden. Achtsam handeln" im Hamburger CCH. Ein Thema war die ärztliche Versorgung in den Notaufnahmen. Experten aus Schleswig-Holstein steuerten wichtige Informationen bei.
Welche Patienten werden in pädiatrischen Notaufnahmen versorgt?
Eine wichtige Frage, wenn es etwa um die Einrichtung Integrierter
Notfallzentren geht. "Während für erwachsene Patienten bereits
zahlreiche Analysen vorliegen, existieren für Kinder und Jugendliche
bislang nur wenige Studien", erklärte Dr. Domagoj Schunk, Leiter der
Interdisziplinären Notaufnahme und Kindernotaufnahme am UKSH in Kiel.
Zusammen mit Kollegen aus Magdeburg und München haben die Kieler
Forschenden Behandlungsdaten von Kindern und Jugendlichen unter 18
Jahren aus 31 deutschen Notaufnahmen ausgewertet. Analysiert wurden im
Rahmen des vom G-BA geförderten Innovationsfondsprojekts EDCareKids
über 660.000 Notfallkontakte aus dem Jahr 2023.
"Im Kleinkindalter dominierten nicht-traumatologische Krankheitsbilder wie Fieber und Atemwegsinfekte. Ab Schuleintritt überwogen vor allem traumatologische Beschwerden wie Schmerzen oder Verletzungen an den Extremitäten", sagte Denise Peters, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kieler Notaufnahme. Die meisten Kinder und Jugendlichen (86,4 Prozent) kamen selbst oder mit ihren Eltern in die Notaufnahme. Bei rund elf Prozent der jungen Patienten war ein Transport mit dem Rettungswagen erforderlich. Diese Subgruppe zeigte einen höheren Anteil akuter Krankheitsbilder wie etwa Krampfanfälle, die insgesamt jedoch nicht zu den zehn häufigsten Beschwerden in Notaufnahmen gehörten.
Auch zur Triagierung brachte die Untersuchung wichtige Erkenntnisse: über 60 Prozent der versorgten pädiatrischen Patienten wurden den niedrigen Dringlichkeitsstufen 4 - 5 zugeordnet, während kritischste Notfälle der Stufe 1 nur rund 0,5 Prozent der Fälle ausmachten. Auf die Intensivstation - so das Ergebnis einer weiteren Kieler Untersuchung in diesem Projekt - werden mehrheitlich männliche Kinder und Jugendliche verlegt, die zuvor vom Rettungsdienst in die Notaufnahme gebracht wurden. Fazit Schunks: "Die Ergebnisse unserer Untersuchungen können eine erste Grundlage für die weitere Ausgestaltung der aktuell heterogenen Notfallstrukturen für Kinder und Jugendliche in Deutschland sein."
Die Einrichtung Integrierter Notfallzentren ist im Referentenentwurf für die Reform der Notfallversorgung vorgesehen. Das wurde von der DIVI und weiteren Fachgesellschaften ausdrücklich begrüßt. Allerdings gebe es bei der geplanten Steuerung und Koordination noch Nachbesserungsbedarf, wurde während des Kongresses kritisiert. "Die Leitung der Integrierten Notfallzentren muss zwingend bei den Krankenhäusern liegen", erklärte Prof. Sabine Blaschke aus Göttingen.
Das Statistische Bundesamt hat mitgeteilt, dass die Zahl der ambulant behandelten Notfälle in Kliniken so hoch wie nie ist. 2024 wurden rund 13 Millionen Notfälle versorgt - fünf Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Wert seit Beginn der Erfassung im Jahr 2018. Bundesweit gab es im Schnitt 156 Behandlungen je 1.000 Einwohner - mit erheblichen regionalen Unterschieden. Die niedrigste Quote aller Bundesländer hat Schleswig-Holstein mit 119 Behandlungen je 1.000 Einwohner.
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Quelle:
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt Nr. 1|2, Januar|Februar 2026
79. Jahrgang, Seite 37
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