Universitätsklinikum Regensburg (UKR) - 10.02.2026
Metastasen können mehr als nur wachsen, manche streuen weiter
Metastasen galten lange Zeit als relativ "passiv". Hatten sie sich einmal in einem Organ angesiedelt, so die gängige Annahme, wuchsen sie dort lokal weiter, ohne selbst neue Metastasen zu bilden. Eine aktuelle Studie der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Regensburg und der Universität Erlangen widerlegt diese Vorstellung nun eindeutig. Die Forschungsteams zeigen erstmals, dass sich bestimmte Metastasen innerhalb eines Organs weiter ausbreiten können, während andere dazu nicht in der Lage sind.
Seit mehr als zehn Jahren geht das Forschungsteam um Dr. Raquel
Blazquez, wissenschaftliche Leiterin des Labors für translationale
Metastasierung an der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des
UKR und Professor Dr. Tobias Pukrop, Leiter des Centrums für
Translationale Onkologie und Direktor des Comprehensive Cancer Center
Ostbayern (CCCO), der Frage nach, was Metastasen nach ihrer Ansiedlung
in den anderen Organen tatsächlich tun. In der aktuellen Ausgabe der
Fachzeitschrift Molecular Cancer liefern die Wissenschaftler nun eine
überraschend klare Antwort: Metastasen verfolgen grundlegend
unterschiedliche "Strategien". Einige bleiben lokal begrenzt, andere
dagegen streuen frühzeitig einzelne Krebszellen aus, die an neuen
Stellen erneut wachsen können. Diese Unterschiede wurden bislang kaum
untersucht und spielen im klinischen Alltag keine Rolle. Lange Zeit
war man sogar davon ausgegangen, dass Metastasen selbst keine neuen
Metastasen bilden, sondern lediglich lokal wachsen. Diese Vorstellung
ist nun eindeutig widerlegt.
In einer gemeinsamen Studie des Universitätsklinikums Regensburg und der Universität Erlangen im Rahmen des Sonderforschungsbereiches TRR305 konzentrierte sich das Team auf die Biologie von Hirnmetastasen. Dabei zeigte sich ein breites Spektrum an Ausbreitungsverhalten. Einige Metastasen verhalten sich so, wie man es klassisch erwartet, sie wachsen überwiegend an einer Stelle im Gehirn. Andere jedoch sind deutlich aggressiver. Bei ihnen lösen sich schon sehr früh einzelne Krebszellen ab, oft noch bevor die ursprüngliche Metastase mit modernsten bildgebenden Verfahren überhaupt sichtbar ist. Diese Zellen können sich an ganz anderer Stelle im Gehirn ansiedeln - und dort sogar schneller wachsen als die ursprüngliche Metastase.
Dass dieses unterschiedliche Verhalten den Verlauf einer Erkrankung stark beeinflussen kann, ist auch für medizinische Laien leicht nachvollziehbar. Entsprechend groß könnten in Zukunft die Auswirkungen auf Therapieentscheidungen sein. "So weit sind wir in der klinischen Anwendung aber noch nicht", betont Professor Pukrop. "Unsere Ergebnisse liefern jedoch die Grundlage für völlig neue Denkansätze und möglicherweise auch für innovative Therapiestrategien, die bislang nicht berücksichtigt wurden."
Dr. Blazquez, die die Forschungsarbeiten auf Basis der Hypothese unterschiedlicher Wachstumsmuster maßgeblich vorangetrieben hat, zeigt sich selbst überrascht von der Deutlichkeit der Ergebnisse. "So klare Resultate erhält man selten, besonders dann nicht, wenn man wissenschaftliches Neuland betritt." Beleg für die Neuartigkeit, Präzision und das große Potenzial der Arbeit ist die Veröffentlichung im renommierten wissenschaftlichen Fachjournal Molecular Cancer.
Wie geht es nun weiter? "Wie so oft in der Wissenschaft stehen wir
wieder am Anfang", sagt Professor Pukrop. "Jetzt müssen wir diese
neuen Erkenntnisse sorgfältig weiter untersuchen und herausfinden, was
sie langfristig für Patientinnen und Patienten bedeuten." Im nächsten
Schritt will das Forschungsteam die Ergebnisse in klinischen Studien
überprüfen. "Unser Ziel ist es, die neuen Erkenntnisse so schnell wie
möglich in konkrete Vorteile für Betroffene zu übersetzen, um neue
Therapieoptionen, basierend auf unseren Erkenntnissen, zu entwickeln",
fasst Dr. Blazquez zusammen.
Homepage:
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Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung:
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Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - Pressemitteilung
Universitätsklinikum Regensburg (UKR) - 10.02.2026
WWW: http://idw-online.de
E-Mail: service@idw-online.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 20. Februar 2026
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