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ITALIEN/543: Hunderte Faschisten der Brüderpartei Melonis feierten mit dem "Römischen Gruß" Mussolinis (Gerhard Feldbauer)


Hunderte Faschisten der Brüderpartei Melonis feierten in Rom mit dem "Römischen Gruß" Mussolinis

Es geht um ihre Wiederwahl 2027

von Gerhard Feldbauer, 14. Januar 2026


Mit dem "römischen Gruß", dem erhobenen rechten Arm, mit dem sich Mussolini wie auch Hitler grüßen ließ, haben am 7. Januar Hunderte Faschisten an einer Gedenkfeier in der Via Acca Larentia in Rom vor dem früheren Sitz der extrem rechten Bewegung Movimento Sociale Italiano (MSI) für zwei Aktivisten von deren Jugendbewegung teilgenommen. Sie waren an diesem Tag 1978 bei einem Zusammenstoß mit linksradikalen Antifaschisten ums Leben gekommen.

Die herrschende Atmosphäre dieser Jahre habe ich - seit 1973 als Korrespondent der Nachrichtenagentur ADN der DDR in Rom - selbst erlebt. 1974 waren die Kommunisten mit 34 % der Wählerstimmen hinter der DC zweitstärkste Partei geworden, PCI-Generalsekretär Berlinguer war mit derem Vorsitzenden Aldo Moro zur Regierungszusammenarbeit (historischer Kompromiss) übergegangen. Drei Jahre später fand im luxuriösen Midas-Hotel in Rom im Januar 1977 der MSI-Parteitag statt. An die gespenstigen Szenen erinnere ich mich noch heute. In einem düsteren Kongresssaal hatten sich rund 1.200 Faschisten versammelt. Vor dem Parteisymbol, einem schwarzen Sarg, über dem eine Flamme in den Farben der italienischen Trikolore aufsteigt, hatte die MSI-Führung mit Giorgio Almirante und Pino Rauti an der Spitze an einem mit schwarzem Tuch überzogenen langen Tisch Platz genommen. Die Flamme sollte - so die Interpretation - symbolisieren, dass Mussolinis Seele aus dem Sarg emporsteigt, um seine Nachfolger zu ermutigen. Als Almirante sich in wüsten antikommunistischen Ausfällen erging und den DC-Vorsitzenden Aldo Moro als Philokommunisten, der das Land den Roten ausliefere, diffamierte, schien in der Tat der Geist Mussolinis über dem Saal zu schweben. Während Almirante Pinochet feierte, brachen die Teilnehmer in frenetischen Beifall aus, sprangen von den Plätzen, rissen den rechten Arm zum Führergruß empor, schrien "Eja, eja, alala", den dem deutschen "Hipp, hipp, hurra" vergleichbaren Schlachtruf, mit dem sich Mussolini einst begrüßen ließ, und skandierten "Pinochet, Pinochet".

Es dauerte Minuten, bis die Menge innehielt und Almirante, immer wieder von tosendem Beifall unterbrochen, weitersprach. Der neue "Duce" forderte eine "chilenische Lösung" für Italien und rief zum Studium der Erfahrungen Pinochets auf. Pino Rauti, die Nummer Zwei der Bewegung und Chef der nach SS-Vorbild aufgebauten Terrororganisation "Ordine Nuovo" (in demagogischer Weise führte diese den Namen der von Antonio Gramsci 1919 geschaffenen kommunistischen Organisation und Zeitung, des Vorläufers der IKP-Gründung) und überhaupt aller schwarzen Terrorbanden, rief "zum Sturz der Regierung" und "zur Erhebung gegen das Regime" auf. Das Massenelend in Süditalien, die Ausweglosigkeit der Arbeitslosen und das Schicksal der perspektivlosen Jugendlichen sollten als "Pulverfass" dienen, "in das man ein Streichholz werfen" müsse. Er erinnerte an die von der MSI angezettelten Bürgerkriegs-Auseinandersetzungen in Reggio di Calabria und führte unter erneuten Beifallsstürmen aus, dort "konnten wir früh, mittags und abends in aller Ruhe jeden umbringen", der gegen uns war. In seinem Schlusswort erteilte Almirante Pressestimmen, die solche Ausführungen als "Übertreibungen" verharmlosen wollten, eine klare Absage. "Wir haben nicht gescherzt, und wir werden auch in Zukunft nicht scherzen." [1]

Das war also die Atmosphäre, in der die beiden Faschisten ums Leben kamen, und es ist daran zu erinnern, dass die MSI Nachfolger der faschistischen Partei Mussolinis war, aus der die heutige Partei Brüder Italiens (FdI) von Ministerpräsidentin Meloni hervorging. Sie selbst war damals Leiterin der Jugendbewegung der MSI und ist heute, wie der kommunistische Philosoph Luciano Canfora in "Der untote Faschismus" (Papyrossa Köln 2024) schrieb, in diesem Geist mit ihrer FdI "fast an der Spitze der italienischen Republik angekommen". Und nächstes Jahr will sie wiedergewählt werden. Deshalb waren die jährlichen Gedenkfeiern diesmal besonders stark von ihrer FdI besucht. Das war kein Einzelfall. Bereits im Dezember 2025 hatte Meloni auf dem Jugendfest der Partei in Rom, auf dem deren Gründung 2012 als MSI-Nachfolger mit deren Parteilogo, der aus dem Grab aufsteigenden Flamme, der Seele des "Duce", gefeiert wurde, für ihre Wiederwahl getrommelt.

Angesichts des wachenden Widerstandes gegen ihren Kurs der Wiederbewaffnung, des beispiellosen Sozialabbaus, ihrer Unterstützung für Israels Völkermord in Gaza, des Krieges in der Ukraine und zuletzt der Billigung des völkerrechtswidrigen Überfalls Trumps auf Venezuela und der Entführung Präsident Maduros scheint sich Meloni ihres Wahlsieges jedoch nicht sicher zu sein. Bei mehreren Regionalwahlen 2025 scheiterte sie teilweise, Mitte-Links zu besiegen. RAI News sprach von deren "Erdrutschsiegen" in Apulien und Kampanien. In den Marken und in Kalabrien hatte Meloni zwar gewonnen, aber die rote Toskana blieb bei Mitte-Links. Die Sekretärin der sozialdemokratischen PD, Elena Schlein, wertete die Ergebnisse im Süden als "eine Alternative" zu Meloni. Der Ausgang der Wahlen 2027 sei noch völlig offen.

Mit ihrer Justizreform und dem sogenannten Premierato, ihrer Direktwahl als Regierungschefin, sowie einer automatischen Mehrheit der Parlamentssitze für die Sieger will Meloni ihre Macht sichern. Dem dient die Mobilisierung der faschistischen Schlägerbanden. Ihre Jugendfront prügelt Schülerproteste nieder, und nicht zufällig erfolgte am 7. Januar auch ein Feuerüberfall auf das Hauptquartier der CGIL-Gewerkschaft im römischen Stadtteil Primavalle, bei dem Kugeln in allen Fenstern einschlugen. Eine Warnung im Stile von US-Präsident Trump, sich unterzuordnen. Wenn sie im Referendum für die Verfassungsänderung eine Niederlage erleiden sollte, hat Meloni bereits angekündigt, nicht zurückzutreten. Es bleibt offen, zu welchen Mitteln sie dann greifen könnte, um an der Macht zu bleiben.


Anmerkung:

[1] Ausführlich siehe im Buch des Autors: Umbruchsjahre in Italien. Als Auslandskorrespondent in Rom 1973 bis 1979, PapyRossa Köln, 2019.

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Quelle:
© 2026 by Gerhard Feldbauer
Mit freundlicher Genehmigung des Autors

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 16. Januar 2026

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