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STANDPUNKT/610: Iran - Ärztliche Friedensorganisation fordert Ende der Gewalt (IPPNW)


IPPNW Pressemitteilung vom 15. Januar 2026
Deutsche Sektion der Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des
Atomkrieges/Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW)

IPPNW fordert Ende der Gewalt

Massenproteste im Iran


Die IPPNW solidarisiert sich mit den Menschen im Iran, die unter Lebensgefahr für Demokratie und Menschenrechte demonstrieren. Die Friedensorganisation, in der sich Menschen aus dem Gesundheitswesen engagieren, fordert ein Ende der Gewalt gegen die Protestierenden und die Freilassung aller politischen Gefangenen. Die Bundesregierung müsse die Abschiebung iranischer Staatsangehöriger sofort stoppen und sich gegenüber den USA gegen eine militärische Intervention einsetzen. Die internationale Gemeinschaft solle alle ihr zur Verfügung stehenden gewaltfreien Mittel nutzen, um die Protestierenden zu schützen und der Gewalt im Iran ein Ende zu setzen.

Die iranische Regierung geht mit unvorstellbarer Härte gegen die Demonstrierenden vor. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation HRANA sind seit Protestbeginn im Iran mehr als 2.600 Menschen ums Leben gekommen, zehntausende wurden verhaftet. Den Verhafteten droht die Todesstrafe, wie erste Urteile belegen. Ein Augenarzt aus Teheran berichtet, dass in einer einzigen Klinik allein 400 Patient*innen mit Augenverletzungen durch Schusswaffen behandelt werden mussten. Die tatsächlichen Opferzahlen könnten weit über den Schätzungen liegen. Medizinische Gutachten zeigen eine Veränderung in den Unterdrückungsmethoden der Sicherheitskräfte. Während bei früheren Einsätzen gegen die Demonstrant*innen hauptsächlich Tränengas oder Gummigeschosse zum Einsatz kam, wird nun nach Medienangaben in viel größerem Umfang scharfe Munition verwendet. Mehrere Ärzt*innen bestätigten, dass die von ihnen behandelten Schussverletzungen sowohl von scharfer Munition als auch von Schrotkugeln stammen. Die Regierung lässt offenbar gezielt auf Augen und Unterleib schießen, damit den Demonstrierenden Verstümmelung droht, wenn sie die Angriffe überleben.

Laut Medienberichten arbeiten die Notaufnahmen in ganz Teheran in einem nahezu konstanten Zustand der Triage. Ärzt*innen berichten, dass Traumaverletzungen, Atemwegskomplikationen und unbehandelte Erkrankungen die Aufnahmen dominieren und wenig Raum für routinemäßige Notfälle wie Herzkrankheiten oder chirurgische Fälle lassen. Teilweise sind die Krankenhäuser so überfüllt, dass die Patient*innen bei Minusgraden unter freiem Himmel untergebracht werden müssen. Hinzu kommt noch, dass Sicherheitskräfte regelmäßig die Krankenhäuser durchkämmen und Patient*innen verhaften. Schon bei den Protesten vor drei Jahren wurde kritisiert, dass Patient*innen deshalb außerhalb von Gesundheitseinrichtungen betreut werden mussten und medizinisches Personal selbst zur Zielscheibe von Repression wurde.

"Die brutale Unterdrückung des Strebens nach Demokratie und Menschenrechten spiegelt sich in den dramatischen Zuständen in iranischen Krankenhäusern wider. Die IPPNW fordert, dass die iranische Regierung das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit friedlicher Protestierender wahrt. Demokratie lässt sich nicht herbei bomben, weder im Iran noch in Venezuela oder in Gaza", erklärt die IPPNW-Vorsitzende Dr. Angelika Claußen.

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Quelle:
Pressemitteilung vom 15. Januar 2026
Deutsche Sektion der Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des
Atomkrieges/Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW)
Frankfurter Allee 3, 10247 Berlin
Telefon: 030 / 698 07 40, Fax: 030 / 693 81 66
E-Mail: kontakt@ippnw.de
Internet: www.ippnw.de

veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 16. Januar 2026

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