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NACHGEFRAGT/0005: Novel Food - genetische Okkupationen (SB)


Nur manches ist gleicher ...



Ginge es nach dem Willen von Gentechnik-, Chemie- und Saatgutmultis wie Bayer/Aventis, Monsanto, Syngenta oder DuPont (um die bekanntesten zu nennen) wären gentechnisch veränderte Ackerpflanzen (GVP) [2], neudeutsch: GM-Crops [3], gewissermaßen die zukünftigen Nahrungsmittel der Wahl, da sie nach Lesart firmeneigener PR-Indoktrination nicht nur mit Vitaminen und Mikronährstoffen gegen Mängel aller Art genetisch qualitativ aufgewertet werden könnten (Stichwort: goldener Reis), sondern auch noch durch gezielte Einsparung von Agrarchemikalien "umweltfreundlicher" und "preiswerter" unter sehr viel höheren Ernteerträgen zu produzieren sind.

Trotz dieser attraktiven Versprechen lehnt die große Mehrheit der Verbraucher und Landwirte genetisch optimierte Pflanzen oder Bestandteile davon im Essen und auf dem Acker ab. Laut Konzernmeinung ist diese negative Einstellung in der Öffentlichkeit vor allem auf ein Informationsdefizit zurückzuführen, das von ebenfalls schlecht informierten GenTech-Gegnern aufrecht erhalten werde, dem beispielsweise Monsanto mit einer beispiellosen Marketing Maschinerie und einprägender Schlagkraft entgegenzuwirken versucht.

Die Strategie des Konzerns scheint zunächst einmal darin zu bestehen, dem potentiellen Verbraucher glaubhaft zu vermitteln, daß sich GM-Pflanzen bis auf einen winzig kleinen, vernachlässigbaren Aspekt im genetischen Codex eigentlich gar nicht von anderen Pflanzen der gleichen Art unterscheiden. Sie wären "substantially equivalent" (= im großen und ganzen gleichwertig) und deshalb "safe" (= sicher), was im Grunde nichts aussagt, der Laie aber mit "komplett ungefährlich für Mensch und Natur" übersetzen und dann glauben soll.

Das immer wieder auch von internationalen Nahrungsmittel-Behörden angeführte Attribut "substantially equivalent" ist im Grunde ein anpassungsfähiger, beliebig auslegbarer Begriff, der im Deutschen auf unterschiedlich nuancierte Weise, sowohl als "Substanzielle Äquivalenz" oder als "stoffliche Entsprechung" als auch in einer der zweideutigen angelsächsischen Interpretation angenäherten Form als "im Wesentlichen übereinstimmend" übersetzt und entsprechend benutzt wird. Er taucht immer dort auf, wo Argumente für oder gegen Gentechnik geäußert werden, so auch auf der im Internet verfügbaren, unternehmenseigenen Verbraucheraufklärungs- bzw. Propaganda-Seite, auf der Monsanto sein altruistisches Image aufpoliert, nach dem Motto:

Mit seinen Innovationen und Technologien unterstützt Monsanto weltweit Landwirte dabei, ihre Erträge zu steigern und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen zu schonen.
(www.monsanto.de)

Unter dem Stichwort "Food Safety" (Nahrungsmittelsicherheit) soll der besorgte Leser hier [4] - einem Scheindiskurs folgend, der sich auf einige wenige, bewußt ausgesuchte, angeblich häufig gestellte Verbraucherfragen gründet, um die von GenTech-Gegnern geschürten Befürchtungen und Verbraucherängste systematisch abzubauen -, letztlich auf den ihm so nahegelegten Gedanken kommen: "GM-Food" sei doch für die Umwelt und die eigene Gesundheit die bessere Wahl. [5]

Doch wer sollte dieser allzu offensichtlichen Strategie auf den Leim gehen? Schon im Anschluß auf die erste, vermeintliche Verbraucherfrage,

"Is food from GM crops safe? [4]"
[Sind Nahrungsmittel, die genmodifizierte Pflanzenbestandteile enthalten, sicher? - Übers. SB-Redaktion],

heißt es kurz und uneindeutig: Natürlich seien GM-Nahrungsmittel genauso sicher wie konventionelle Nahrungsmittel. Seit Zulassung des ersten kommerziellen Anbaus gentechnisch veränderter Sojabohnen und Canola (Raps) habe es keine Vorfälle von Krankheiten oder Schädigungen gegeben, die auf GM-Pflanzen zurückgeführt werden konnten... Damit läßt sich eine nicht erkannte oder nicht in Beziehung gebrachte Schädigung aber auch nicht ausschließen. Und das bestätigen auch Kritiker der Gentechnologie, die etwa 38 verschiedene Schädigungen mit GM-Pflanzen in Zusammenhang bringen, ohne daß den ursächlichen "Vorfällen" für diese Thesen wissenschaftlich nachgegangen würde.

Bereits an dieser Stelle, wie auch im weiteren Verlauf des Scheindiskurses, z.B. bei der Antwort auf die Frage, warum keine klinischen Studien am Menschen zur Risikobewertung von GM-Pflanzen durchgeführt werden (GM-Pflanzen würden sich so unwesentlich von konventionellen Pflanzen unterscheiden, und letztere gelten als 'sicher'), wird von der sogenannten "substanziellen Äquivalenz" und der damit verbundenen prinzipiellen Gleichsetzung von konventionellen Pflanzen mit GM-Pflanzen bereits unhinterfragt ausgegangen, was in dem provokativen Argument gipfelt:

Because existing food crops are recognized as safe, the logical starting point for safety assessment of a GM food is to ask "what's different?" [4]
[weil gängige Ackerfrüchte für ihre gesundheitliche Sicherheit bekannt sind, beginnt die Lebensmittelsicherheitsrelevante Einschätzung von genetisch modifizierten Lebensmitteln logischerweise mit der Frage: "Was ist denn der Unterschied?" - Übers. SB-Redaktion]

Wie diese Gleichsetzung bzw. der Begriff "substanzielle Äquivalenz" jedoch genau definiert und differenziert werden soll, um gerechtfertigt zu sein, und wie man eine derart vage Behauptung zur Grundlage bei der Sicherheitsbewertung von GM-Produkten machen kann, bleibt, von einem morphologischen und inhaltsstofflichen Vergleich konventioneller und GM-Pflanzen einmal abgesehen, völlig offen.


GM-Inhaltstoffe sind gleichwertig, nur manches ist noch gleicher...

Laut der besagten "News & Views"-Seite von Monsanto [4] würden alle gentechnisch veränderten Pflanzen einer qualitativen und quantitativen Analyse ihrer Inhaltsstoffe (das sind alle Stoffe, die die Pflanze entweder mit dem Wasser aufnimmt oder selbst in ihrem Stoffwechsel produziert) unterzogen und der Befund, d.h. der Gehalt an Wasser, Proteinen, Kohlenhydraten, Fetten, Aminosäuren, Ballaststoffen, Vitaminen (A, C, B-Komplex) und Mineralstoffen wie Natrium (Na), Kalium (K), Magnesium (Mg), Calcium (Ca), Phosphor (P) und Eisen (Fe), sowie sekundären Pflanzeninhaltsstoffen (z.B. Aromastoffe, Polyphenole) miteinander verglichen. Stimmten die Proben diesbezüglich überein (von tolerierbaren, natürlichen Abweichungen abgesehen, da ein Apfel, der in der Sonne gereift ist, z.B. mehr Zucker und "Geschmack" enthält, als eine Schattenfrucht) dann gelten sie als:

"substantially equivalent (stofflich übereinstimmend)." [4]

Denn, so die weitere Begründung zu dem dehnbaren Begriff:

All crops vary in nutrient and other components. No two crops - or even samples of the same crop - are identical. [4]
[Alle Ackerfrüchte unterscheiden sich in ihren Nährstoffen oder anderen Inhaltsstoffen. Niemals sind zwei Pflanzen - oder auch nur zwei Proben der gleichen Pflanze - ganz identisch.]

Danach wären also GM-Pflanzen mit konventionellen Pflanzen der gleichen Art quasi identisch, weil es auch unter Pflanzen konventionellen Anbaus eine "natürliche" Varianzbreite in den Inhaltsstoffen gibt? Nun, auch das Auftreten von Pflanzenkrankheiten gehört zur natürlichen Varianz, dennoch würde der Verbraucher verschimmeltes Getreide nicht akzeptieren.

Auch eine normale Milchkuh unterscheidet sich von einer an BSE erkrankten Kuh nur in einem kleinen, mit einer speziellen Analysemethode zu erkennenden, Strukturunterschied der im Gehirn natürlich vorkommenden Eiweiße: Prionen. Doch obwohl die veränderte Struktur der Prionen keine Veränderung in der Folge der Aminosäurenkette bedeutet, demnach also "substanziell gleich" zum zuvor normalen Hirneiweiß bleibt, kann die veränderte Struktur eine weitere Strukturveränderung gesunden Eiweißes induzieren. So liegt es nicht lange zurück, daß Rinder tausendfach gekeult wurden, weil ihr Fleisch und ihre Milch nicht mehr verkauft und verwertet werden konnten. Niemand wäre hier auf die Idee gekommen, das Prinzip "substanzieller Äquivalenz" anzuführen, um die Tiere am Leben zu erhalten.


Wie gleichwertig ist also gleich?

Das englische "substantial" (deutsch: substanziell, wesentlich, materiell, stofflich, wirklich, nahrhaft) wird quasi im Sinne des Wortstamms, buchstabengetreu, mit Substanz (Stoff) übersetzt. Welche Substanzen oder Stoffe allerdings die eine Pflanze zur Kartoffel und die andere zur Sojabohne machen und in wie weit sich diese dann wieder von genetisch veränderten Varianten unterscheiden, wird von Biologen, Biochemikern und möglicherweise Genetikern nach jeweiliger Interessenlage festgelegt und das ist wiederum eine Frage des Standpunkts. Ein Beispiel: Von GM-Erzeugerseite werden die durch genetische Manipulation im Pflanzenstoffwechsel erzeugten Insektizide (siehe Bt-Mais, Bt-Aubergine usw.) durchaus im Vergleich mit anderen natürlich vorkommenden toxischen Pflanzeninhaltsstoffen (z.B. Solanin, Alkaloid der Kartoffel) als etwas "äquivalent" natürlich Vorkommendes und Harmloses betrachtet. Könnten doch auch andere Pflanzentoxine in sehr geringen Mengen von den meisten Warmblütern vertragen werden...

Warum aber eine große stoffliche Übereinstimmung bzw. Äquivalenz angestrebt wird, d.h. welche wirtschaftlichen Interessen hier ausschlaggebend sind, erklärt sich schnell:


Substanzielle Äquivalenz beschleunigt Zulassungsverfahren

Inzwischen wird das Prinzip "substanzielle Äquivalenz" (oder die Interpretationsform "im wesentlichen gleichwertig") weltweit in Zulassungsverfahren akzeptiert. 1995 wurde das Konzept als sinnvolle Grundlage für die rasche oder vereinfachte Zulassung von neuartigen Lebensmitteln von verschiedenen Expertengruppen wie die United Nations Food and Agricultural Organization (FAO), die World Health Organization (WHO) sowie die Organization for Economic Cooperation and Development (OECD) und ein paar Jahre danach auch die Canadian Food Inspection Agency (CFIA) und das Japanese Ministry of Health and Welfare (JMHW) entworfen und auch der sogenannten Novel Food Verordnung der EU (Zulassungsverfahren im Rahmen der Verordnung (EG) 258/97 für neuartige Lebensmittel und Lebensmittelzutaten [1]) zugrunde gelegt. Hierzu schrieb das Bundesinstitut für Risikobewertung [6] in einer Pressemitteilung 1997:

Der jeweils erforderliche Untersuchungsumfang hängt vom Grad und Ausmaß der Äquivalenz ab und läßt sich in drei Kategorien einteilen:
- Es liegt eine vollständige substanzielle Äquivalenz vor. Weitere Untersuchungen sind nicht nötig; das neuartige Lebensmittel kann aus toxikologischer und ernährungsmedizinischer Sicht akzeptiert werden.
- Das Produkt ist nur teilweise äquivalent. Es enthält z.B. Proteine, die durch die neu eingebrachten Gene produziert wurden, und die in herkömmlichen Lebensmitteln nicht enthalten sind. Die Sicherheitsbewertung konzentriert sich dann auf diese "neuen" Inhaltsstoffe.
- Es besteht keine substanzielle Äquivalenz zu einem konventionell erzeugten Lebensmittel. In diesem Fall muß eine umfassende toxikologische und ernährungsmedizinische Bewertung erfolgen. [6]

Dahinter steht die vermeintlich "gutgemeinte" Absicht, daß man sich, wenn etwas im "großen und ganzen übereinstimmt", auf den kleinen Unterschied, was an GM Pflanzen anders oder neu ist, besser konzentrieren kann. Worauf sich dieser "kleine Unterschied" jedoch bezieht, ist sehr beliebig auslegbar. Im Grunde läßt sich jeder Unterschied vollkommen wegdefinieren, wenn man denn will...


Wo ist er denn hin ..., der Unterschied

Würden nämlich (innerhalb eines ähnlich angemessenen Toleranzbereichs, natürlich) die chemischen Inhaltsstoffe der Pflanzen noch weiter auf grundlegende Bausteine herunter gebrochen, also nur die Aminosäuren betrachtet (aus denen sich Proteine zusammensetzen) oder nur die vier bzw. fünf Purinbasen, aus denen jede DNA und RNA aufgebaut wird, und die somit jeder Mensch mit jedem Tier und jeder Pflanze, die er ißt, zu sich nimmt, so werden sich nicht nur GM-Kartoffel und konventionelle Kartoffel, sondern auch äußerlich unähnliche Nahrungsmittel wie Kartoffel und Sojabohne, Milch und Fleisch, immer ähnlicher. Die instinktive Abwehr des Verbrauchers, etwas Fremdes oder "künstlich" Verändertes mit der Nahrung aufzunehmen, soll damit ad absurdum geführt werden. So heißt es auf besagter GM-Aufklärungs-Webseite:

Thus, DNA is non-toxic and the presence of DNA, in and of itself, presents no hazard.[4]
[Folglich ist DNA nicht toxisch und die Anwesenheit von DNA stellt an und für sich keine Gefahr dar.]

Was im Grunde das gleiche bedeutet, wie der auf Wissenschaftsblogs zum Thema gern kolportierte Witz:

Magen an Großhirn: Du, ich hab' gerade genmanipulierte DNA-Sequenzen runtergeschickt bekommen! Soll ich sie dir vorlesen?
Großhirn an Magen: Laß den Unsinn! Schmeiß die in die Magensäure, da werden die denaturiert!

Abgesehen davon, daß diese Pauschalaussage bereits auf die Anwesenheit virulenter Viren-RNA nicht mehr zu übertragen wäre, wird der Widersinn "substanzieller Gleichwertigkeit" unausweichlich deutlich, wenn man das Prinzip weiter auf die Spitze treibt:

Zerlegt man ein Nahrungsmittel nämlich vollkommen in seine "kleinsten gemeinsamen Vielfachen", d.h. seine elementarsten Bausteine wie die Elemente Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H), Sauerstoff (O), Stickstoff (N), Natrium (Na), Kalium (K), Magnesium (Mg), Calcium (Ca), Phosphor (P) und Eisen (Fe), könnte kaum noch jemand unterscheiden, um welches ursprüngliches Gemüse oder auch nur um welchen Inhaltsstoff eines Gemüses es sich handelt, zumindest wenn man auch hier einen gewissen "Toleranzbereich" (s.o.) voraussetzt.


Im Prinzip "substanzieller Äquivalenz" ist Gift ein Duftstoff

Ein Beispiel:

Ein typischer Aromastoff der Kartoffel ist "Isopropylmethoxypyrazin" (IPMP), auch 2-Isopropyl-3-methoxypyrazin [7]. Seine chemische Summenformel vereinfacht den einschüchternd chemisch klingenden Begriff auf "C8H12N2O" und sagt, daß dieser Stoff genau acht Atome Kohlenstoff-, zwölf Wasserstoff-, zwei Stickstoff- und ein Sauerstoffatom enthalten soll. Nimmt man allerdings nur die Verhältnisse der einzelnen Elemente zueinander, dann hat der harmlose Aromastoff der Kartoffel eine geradezu verteufelte Ähnlichkeit mit Strychnin (Summenformel: C21H22N2O2), das aus 21 Atomen Kohlenstoff, 22 Wasserstoff-, zwei Stickstoff- und zwei Sauerstoffatomen besteht, wenn man die Summenformel durch den Faktor zwei teilt, alles eine Frage des Toleranzbereichs. Das ist nur ein Gedankenspiel und wissenschaftlich nicht zulässig.

Bedenkt man jedoch, daß es darüber hinaus nachweislich mindestens 100 verschiedene komplexe Moleküle gibt, die eine identische Summenformel wie Strychnin besitzen, also nicht nur äquivalent, sondern quasi substanziell identisch sind, aber eine vollständig andere Wirkung und Strukturformel aufweisen, dann sollte dies doch angesichts eines Näherungsbegriffs wie "substanzielle Äquivalenz", der ja nur eine "Entsprechung" im "Stofflichen", aber vielleicht auch nur im "Wesentlichen" verspricht, durchaus zu denken geben...


Substanzielle Äquivalenz von technischen Geräten auf die Biochemie übertragen?

Tatsächlich wurde das Konzept schon wesentlich früher als 1995 eingeführt, allerdings nur für die "beschleunigte Zulassung" von medizinischen Hilfsmitteln. Im Zusammenhang von gleichartigen, d.h. im wesentlichen gleichwertigen, diagnostischen Reagenzien und technischen Mitteln zur Heilung und Pflege, also Tupfern, Spritzen, Implantaten, Wundauflagen, Urinalen, Bettpfannen und dergleichen, scheint es auch Sinn zu machen, für ein Zulassungsverfahren nur jene Bestandteile genau zu überprüfen, in denen sich die Neuzulassungsaspiranten von bereits zugelassenen Geräten und Hilfsmitteln unterscheiden.

Die Einführung dieser Regelung, ausländischen Unternehmen bei der Neuzulassung ihrer Produkte in den Vereinigten Staaten kostenintensive Zulassungsverfahren zu ersparen, ging hier ebenfalls von der FAO aus. Der Begriff "substantially equivalent" taucht vermutlich erstmals in der sogenannten "Premarket Notifikation 510(k) auf, die bereits 1976 eingeführt wurde [8]. Diese Regelung schließt allerdings ganz gezielt "medical products" (medizinische Produkte), zu denen laut FAO auch "pharmaceuticals", also Medikamente, gehören, aus, für die andere, wesentlich kompliziertere Bestimmungen gelten. Denn hier weiß man aus der praktischen Erfahrung mit sogenannten Generika (also als pharmazeutisch "gleichwertig" akzeptierten Medikamenten [9]), daß schon der Einsatz eines geringfügig anderen Hilfsstoffes bei der Herstellung das chemische Verhalten des Medikaments stark verändern kann. Die Wirkung eines Schmerzmittels mit gleichem Wirkstoff kann z.B. verzögert werden oder schneller einsetzen.

Mit anderen Worten: Wenn ein Gemisch aus chemischen Substanzen, die miteinander interagieren und wechselwirken können, mit einem identischen Gemisch verglichen werden soll, das sich nur geringfügig in der Zusammensetzung unterscheidet, läßt sich das Prinzip substanzieller Äquivalenz nicht mehr anwenden!

Dennoch wurde 1995 in Erwartung des ausstehenden GM-Food-Booms (d.h. einer Schwemme an genetisch modifizierten Nahrungsmitteln [2]) eine Regelung, die sich als äußerst praktisch und wirtschaftlich für medizinische, chemisch stabile oder inerte Erzeugnisse erwiesen hatte, auf neuartige Lebensmittel und Lebensmittelzutaten ("Novel Food") ausgeweitet, die mit Sicherheit nicht chemisch stabil sind.


Patentiert und dennoch gleichwertig?

Die Frage bleibt, inwieweit das Prinzip "substanzielle Äquivalenz" überhaupt auf organische Systeme oder lebende Pflanzenorganismen übertragen werden kann. Bereits das Auftauchen einer einzigen Fremdsubstanz in einem biochemischen Stoffwechselsystem müßte letztlich durch denkbare, aber auch durch unvorhersagbare Interaktionen wie schwächende oder synergistische Effekte sämtliche aus dem konventionellen Anbau übertragene, toxikologische und ernährungsphysiologische Erkenntnisse auf das substanziell äquivalente GM-Pendants revidieren. Genau das, nämlich eine durch eingebrachte Fremdsubstanzen (Fremd-DNA bzw. Gene) veränderte Biochemie, ist aber auch der Sinn genveränderter Produkte, die damit einzigartig und somit patentierbar werden.

In den derzeit gängigen Kreationen der Genlabortechnik wird die Biochemie von zumeist Pflanzen (an gentechnisch veränderten Nutztieren wird ebenfalls schon geforscht) dahingehend verändert, daß sie entweder ein Gift (Insektizid) produzieren oder innerhalb ihres Stoffwechsels einen biochemischen Ersatzstoff erzeugen, der die durch Herbizide bewirkte Hemmung einer lebenswichtigen Schlüsselsubstanz brücken kann, so daß die Pflanze beispielsweise Glyphosat (Roundup) "unbeschadet" vertragen kann [10].

In beiden Fällen werden also dem biochemischen Stoffkomplex einer Pflanze organische Stoffe künstlich hinzugefügt und dieser damit in seinem biochemischen Potential so grundlegend verändert, daß er im Prinzip nicht mehr mit der ursprünglichen Mutterpflanze vergleichbar ist. Auch wenn die zugefügten Stoffe in anderen Pflanzen oder Organismen bereits ohne Schaden für andere Lebewesen natürlich vorkommen, läßt sich das nicht auf andere biochemische Systeme ungeprüft übertragen.

Natürlich sagen Monsanto [4] und andere Hersteller von GM-Produkten "...substantially equivalent is NOT the end of the accessment process..." - "substanzielle Äquivalenz ist nicht das Ende der Risikofolgenabschätzung. Wir müssen immer noch all das angehen, was neu oder anders ist."

Doch möglicherweise hat genau die Regelung bzw. die Einführung des Prinzips substanzieller Äquivalenz dazu geführt, daß bis heute keine wirklich ausreichende (gesundheitliche) Risikobewertung für genetisch modifizierte Agrarprodukte in Angriff genommen wurde. Dazu schrieb Angela von Beesten 2011 in der Fachzeitschrift "umwelt - medizin - gesellschaft":

Dieses Prinzip [Prinzip der substanziellen Äquivalenz, Anm. SB-Red.] basiert auf der ungeprüften Hypothese, dass auf Basis von vergleichenden chemischen Inhaltsstoffanalysen eine vollständige Aussage über das Fehlen oder Vorhandensein von gesundheitlichen Risiken von GVP getroffen werden könne. Die gesundheitlichen Auswirkungen gentechnischer Veränderungen werden aber mit diesem Ansatz nicht überprüft und folglich auch nicht festgestellt. Auch der in der EU zum Anbau zugelassene Bt-Mais MON 810 wurde im Rahmen der EU-Zulassung als "substanziell gleichwertig" mit normalem Mais angesehen. "Damit wird impliziert, dass es vom zusätzlichen Bt-Gift abgesehen keine Unterschiede zum konventionellen Mais gäbe. Aufgrund dieser Einschätzung können weitere Schritte der (gesundheitlichen) Risikobewertung ausgelassen werden. Die vorliegenden Beispiele eines veränderten Stoffwechsels belegen jedoch, dass Bt-Mais eben nicht substanziell gleichwertig mit normalem Mais ist" (GREENPEACE 2007: 24). [10]

Daß diese Problematik, wie sich hier zeigt, längst an anderer Stelle, wesentlich intensiver, kritischer, unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten und von unabhängigen Wissenschaftlern (d.h. Forschern, die keine von MonsAvBaygentaPont & CoKG Stipendien gesponsorte Ausbildung [11] erhielten) hinlänglich kontrovers diskutiert wurde, ohne daß es dabei jemals zu einer wirklich zufriedenstellenden Antwort oder Lösung gekommen wäre, scheinen die Verfechter des Prinzips "substanzielle Äquivalenz" nicht mehr zu erinnern.


Der Fall Árpád Pusztai - oder wie das Prinzip "substanzielle Äquivalenz" gegen die Wissenschaft aufrecht erhalten werden konnte

Über den Forschungsarbeiten des Biochemikers Professor Árpád Pusztai hängt nach wie vor die dunkle Skandalwolke der "Affaire Pusztai", mit der die damaligen Erkenntnisse seiner Forschungsarbeit abgewertet worden sind.

1998 beging Árpád Pusztai einen wissenschaftlichen Faux pax, indem er seine Ergebnisse in einem spektakulären Fernsehinterview veröffentlichte, die für die Publikation in der medizinischen Fachzeitschrift Lancet 1999 vorgesehen waren, noch bevor er seine Kollegen im Rowett Research Institut (Aberdeen, Schottland) und seine Kooperationspartner informiert hatte. Was den zu dieser Zeit bereits 68jährigen Wissenschaftler bewegte, die Konsequenzen dieser Regelverletzung auf sich zu nehmen, wird in diesem Zusammenhang nie erwähnt.

Zwei Tage nach Ausstrahlung des TV-Berichts, in dem er erklärte, daß aus seiner Sicht prinzipiell alle transgenen Pflanzen, unabhängig von der Wirkung des neu eingefügten Gens, ein potenzielles Gesundheitsrisiko darstellen, wurde er wegen des Verstoßes gegen Publikationsrichtlinien von der Institutsleitung suspendiert, ebenso seine Frau und Mitarbeiterin an der Studie, Susan Bardócz. [12] Gleichzeitig wurde ihm der Zugang zu den Unterlagen seiner Studie verwehrt und Redeverbot erteilt.

Pusztais Untersuchungen hatten seiner Aussage nach Hinweise ergeben, daß der Verzehr von gentechnisch veränderten Kartoffeln, die ein bestimmtes vor Schädlingen schützendes "Schneeglöckchen-Lektin" produzieren sollten, nachdem ihnen das Gen dieses Lektins (Galanthus nivalis Agglutinin; GNA) übertragen worden war, Schäden am Immunsystem und verändertes Organwachstum bei Ratten hervorrufen könnte. Gleichzeitig soll eine weitere Untersuchung gezeigt haben, daß das in die Kartoffeln eingepflanzte genetische Material an sich, wie auch Einzelgaben von Lektinen, nicht den gleichen Einfluß auf die Versuchstiere zeigte. D.h. die gesundheitsschädliche Wirkung zeigte sich erst beim GM-Produkt, nicht bei einer mit toxischem Lektin angereicherten Kartoffelnahrung.

Laut der Webseite des Forums Bio- und Gentechnologie - Verein zur Förderung der gesellschaftlichen Diskussionskultur e.V., www.transgen.de, lautete die Schlußfolgerung des Biochemikers:

Nicht die Wirkung des übertragenen Lektin-Gens ist die Ursache für die schädlichen Wirkungen bei den Ratten, sondern andere Teile der eingeschleusten Gensequenzen, die auf noch unbekannte Weise der Kartoffel eine neue Toxizität verleihen. [13]

Diese Ergebnisse hätten zum einen das Prinzip "substanzieller Äquivalenz" widerlegt, mit der die derzeitige Praxis bei der Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen gerechtfertigt wird, die keine entsprechenden Sicherheitstests vorsieht und damit den späteren Verbraucher gewissermaßen als Versuchskaninchen mißbraucht. Zum anderen hätte die Berücksichtigung seiner Ergebnisse bei weiteren Zulassungsverfahren die Einführung gentechnisch veränderter Nahrungsmittel vermutlich extrem verzögert. Durch die Vorab-Veröffentlichung wurde diesen Ergebnissen jedoch die wissenschaftliche Relevanz abgesprochen, was den Plänen der aufkommenden Novel Food-Industrie Vorschub leistet.

Eine Überprüfung der Royal Society, sowie die von The Lancet zugewiesenen Prüfer gaben zudem an, daß Pusztais Studie methodologisch unbrauchbar sei.

Inzwischen sollen 23 unabhängige Forscher aus insgesamt 13 Ländern, darunter Universitätsprofessoren, wie Prof. Ian Pryme von der Universität Bergen, unabhängig voneinander Pusztais Versuche nachvollzogen haben. Obwohl die beteiligten Wissenschaftler bestätigen, daß sich die Annahme, der Verzehr von gentechnisch modifizierten Pflanzen könnte erhebliche gesundheitliche Auswirkungen bei Säugetieren nach sich ziehen, logisch aus den fraglichen Versuchsergebnissen ergibt, und daraufhin in einem Memorandum öffentlich die Rehabilitierung von Pusztai forderten, und obwohl dieser inzwischen 2005 den Whistleblowerpreis und 2009 gemeinsam mit seiner Frau den Stuttgarter Friedenspreis erhielt, mit dieser ein Buch über seine damaligen Forschungsergebnisse "Sicherheitsrisiko Gentechnik" [14] veröffentlicht und viele Vorträge gehalten hat, hat Pusztais Renommee als Wissenschaftler unwiderbringlich Schaden erlitten. Gegen einen wissenschaftlichen Mainstream, der immer noch unbeirrt an der unzureichend untersuchten Technologie festhält, kann sich ein alter Wissenschaftler am Ende seiner Laufbahn mit seinen Bedenken gegen die Genmanipulation nur vereinzelt Gehör verschaffen.

Daß man hier zwei Wissenschaftler und ihre berechtigten Argumente mit einer beispiellosen Vehemenz mundtot machte, ehe die Problematik in maßgeblichen Foren durchdiskutiert wurde oder eine breitere Öffentlichkeit zum Nachdenken kommen konnte, spricht im Grunde schon für sich.

Offensichtlich liegt eine ernsthafte Auseinandersetzung mit denkbaren gentechnischen Risiken, aber auch mit den Befürchtungen der Öffentlichkeit und vor allem mit den etwaigen Konsequenzen, die die bisherige Zulassungpraxis von Novel Food erschweren und die das Prinzip "substanzieller Äquivalenz" als unhaltbar entlarven könnten, nicht im Interesse der eigentlichen Nutznießer - mit unabsehbaren Folgen für den anstehenden, großen GM-Food-Feldversuch "Mensch". Prost Mahlzeit!


Anmerkungen:

[1] VERORDNUNG (EG) Nr. 258/97 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 27. Januar 1997 über neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten:
http://eur- lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:31997R0258:DE:HTML

(2) Zum Schutz der öffentlichen Gesundheit ist dafür Sorge zu tragen, daß neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten einer einheitlichen Sicherheitsprüfung in einem Gemeinschaftsverfahren unterliegen, bevor sie in der Gemeinschaft in den Verkehr gebracht werden. Für neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten, die den bestehenden Lebensmitteln und Lebensmittelzutaten im wesentlichen gleichwertig sind, sollte ein vereinfachtes Verfahren vorgesehen werden.

[2] Der kommerzielle Anbau von gentechnisch modifizierten Pflanzen (GMP) begann 1995 mit Sojabohnen in den USA. Seitdem setzen die global agierenden Chemie- und Saatgutmultis alles daran, ihre GMP oder GMOs [3] weltweit zu verbreiten. Die Kreationen aus dem Gentechniklabor wurden vorwiegend mit zwei Eigenschaften ausgestattet: Herbizidresistenz und Insektengiftigkeit. Inzwischen werden weltweit 148 Millionen Hektar dieser GMP angebaut, überwiegend Soja, Mais, Baumwolle und Raps. Verwendet werden sie als Futtermittel, in Lebensmitteln und als nachwachsende Rohstoffe z.B. für "Bio"sprit.

Den Konzernen sollen GVPs oder GMOs zu doppeltem Profit verhelfen. Durch Patente auf Pflanzen und deren Gene sichern sie sich das Monopol auf die Züchtung und Vermarktung. Zudem widerstehen künstlich resistent gemachte Pflanzen den hauseigenen Unkrautvernichtungsmitteln und werden gleich im Doppelpack mit der passenden Chemie verkauft.

[3] neudeutsch: GM-Crops (genetisch modifizierte = veränderte = manipulierte Agrarpflanzen) oder GMO (= genetically modified Organism) sind synonym mit GVP (genetisch veränderten Pflanzen) gebräuchlich. Im vorliegenden Beitrag wird GM jeweils als Abkürzung für "genetisch modifiziert/manipuliert verwendet". Mit dem neudeutschen Begriff Novel Food werden sämtliche Lebensmittel zusammengefaßt, die GM-Pflanzen oder Bestandteile von GM-Pflanzen enthalten und dadurch eine zusätzliche Optimierung erfahren sollen.

[4] siehe auch: www.monsanto.com/newsviews/Pages/food-safety.aspx

[5] Dahingestellt bleibt, daß die Realität ganz anders aussieht: In den sechzehn Jahren des kommerziellen Anbaus haben sich die von der Industrie in Aussicht gestellten Vorteile der Gentechnik nicht bewahrheitet. Ganz im Gegenteil nahm der Pestizidverbrauch nicht ab - sondern drastisch zu. Auch die mit dem zunehmendem Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen immer offensichtlicher werdenden gesundheitlichen, ökologischen und sozioökonomischen Risiken (wie die bewußt in Kauf genommene soziale Verelendung von manchen Kleinbauern), sollten hier nicht unerwähnt bleiben.

[6] siehe URL:
www.bfr.bund.de/de/presseinformation/1997/11/sicherheit_neuartiger_lebensmittel_und_lebensmittelzutaten_gewaehrleistet_- 814.html
Sicherheit neuartiger Lebensmittel und Lebensmittelzutaten gewährleistet! 11/1997, 12.05.1997
Vor der Zulassung werden "Novel Foods" vom BgVV toxikologisch und ernährungsmedizinisch bewertet

[7] Isopropylmethoxypyrazin (IPMP) ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Derivate des Pyrazins (genauer der Methoxypyrazine), die als Duftstoff in der Natur vorkommt. Sie verleiht beispielsweise der Kartoffel ihren erdigen Geruch. Der Asiatische Marienkäfer, der zur Schädlingsbekämpfung in Europa eingeführt wurde, produziert ebenfalls diesen Stoff. Unerwünscht ist IPMP in Wein, der davon einen bitteren Geschmack (Weinfehler) erhält.

[8] siehe URL:
www.fda.gov/MedicalDevices/DeviceRegulationandGuidance/HowtoMarketYourDevice/PremarketSubmissions/PremarketNotification510k/ucm134578.htm]

Evaluation of Automatic Class III Designation (De Novo Process)
Prior to the FDA Modernization Act of 1997 (FDAMA), all devices on the market as of May 28, 1976 were classified according to their risk. Any new type of device that was found not substantially equivalent for a reason other than performance data required a Premakert Approval (PMA) application.

[9] Als Generikum wird ein Arzneimittel bezeichnet, das eine wirkstoffgleiche Kopie eines bereits unter einem Markennamen auf dem Markt befindlichen Medikaments ist, dessen Patentschutz inzwischen abgelaufen ist. Von diesem Originalpräparat darf sich das Generikum bezüglich der enthaltenen Hilfsstoffe sowie im Herstellungsverfahren unterscheiden. Beides kann aber z.B. auch die Freisetzung der Wirkstoffe und damit die Wirkung oder Wirkweise verändern.

[10] mehr zum Bt-Toxin in GM-Lebensmitteln im Schattenblick siehe auch Infopool → Umwelt → Landwirtschaft
GENTECHNIK/792: Gesundheitliche Risiken gentechnisch veränderter Auberginen (Testbiotech)
http://www.schattenblick.de/infopool/umwelt/landwirt/ulagn792.html

INFOPOOL → UMWELT → LANDWIRTSCHAFT
GENTECHNIK/832: Gift und Gentechnik in Landwirtschaft und Ernährung - Kurs konsequent wechseln (umg)
http://www.schattenblick.de/infopool/umwelt/landwirt/ulagn832.html

[11] siehe beispielsweise unter "Das Monsanto Versprechen", die unverhüllte Ankündigung eines Vorab-Ausverkaufs wissenschaflicher Nachwuchskäfte unter dem Mäntelchen der Ausbildungs- und Zukunftsförderung:
http://www.monsanto.de/verantwortung.htm

[12] Weitere Informationen zu Árpád Pusztai siehe:
http://umweltinstitut.org/gentechnik/kommerzieller-anbau/wir-mussen-die-wissenschaft-veranderninterview-mit-prof.--arpad-pusztai-186.html
und http://www.transgen.de/archiv/337.doku.html

[13] Lektine sind Proteine, die natürlicherweise von vielen Pflanzen gebildet werden und sie vor Fraßbefall schützen. Sie wirken vor allem gegen beißende und saugende Insekten. Allerdings sind viele dieser Lektine auch für Tiere und Menschen giftig. In hohen Konzentrationen können sie verschiedene Körperfunktionen und das Immunsystem beeinträchtigen. Seit längerem ist bekannt, daß Schneeglöckchen eine ungiftige, aber dennoch gegen Schadinsekten wirksame Lektin-Variante bilden. Inzwischen ist auch das Gen dieses Schneeglöckchen-Lektins (Galanthus nivalis Agglutinin; GNA) gefunden und gentechnisch auf verschiedene Nutzpflanzen übertragen worden. Derzeit wird überprüft, ob das Schneeglöckchen-Lektin auch in einer gentechnisch veränderten Pflanze seine Eigenschaften nicht verliert, womit ein besserer Schutz vor Schädlingen ohne gesundheitliche Nachteile beim Verzehr erreicht werden könnte. Lektin-Pflanzen sollen sich allerdings in einer vergleichsweise frühen Entwicklungs- und Erprobungsphase befinden, noch weit entfernt von einer möglichen Markteinführung.

[14] Sicherheitsrisiko Gentechnik
von Árpád Pusztai und Susan Bardócz
Beiträge von Hans R. Herren und Antônio Inácio Andrioli
Verlag orange-press 2009
ISBN 978-3-936086-50-8

6. August 2012