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MASSNAHMEN/304: An der Elbe entsteht neue Auenwildnis (BUND)


Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):
Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Bundesamt für Naturschutz vom 04. September 2019

An der Elbe entsteht neue Auenwildnis

- Spatenstich: Auwald Hohe Garbe wird an die Elbe angebunden - "Lebendige Auen für die Elbe" als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet


Berlin/Lenzen/Wanzer. Mit einem feierlichen Spatenstich beginnt heute die Wiederanbindung einer der wichtigsten Auwälder der Unteren Mittelelbe - der Hohen Garbe - an die Elbe. Im Rahmen des Projektes "Lebendige Auen für die Elbe" werden im Gebiet der Hohen Garbe in Sachsen-Anhalt ein ehemaliger Deich an mehreren Stellen geöffnet und alte Flutrinnen reaktiviert. So kann der Fluss den Wald wieder regelmäßig überfluten und sich eine naturnahe Auenlandschaft entwickeln. Das Vorhaben des auf Burg Lenzen ansässigen Auenzentrums des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördert.

Anlässlich des Spatenstichs überreicht BfN-Präsidentin Beate Jessel die Auszeichnung als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt. "Naturnahe Hartholzauen, wie wir sie hier in der Hohen Garbe noch vorfinden, bedecken heute nur noch ein Prozent ihrer ursprünglichen Fläche. Gleichzeitig erfüllen intakte Auen nicht nur eine Vielzahl von Funktionen für Natur und Gesellschaft, sondern gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Denn sie bilden Refugien für seltene und bedrohte Arten wie Fischotter, Seeadler oder Rotbauchunke", sagt Beate Jessel. Sie überreicht Projektleiterin Meike Kleinwächter heute die Auszeichnung als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt. "Vor allem die vorbildliche Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung und eine Öffentlichkeitsarbeit mit bundesweiter Ausstrahlung sorgen dafür, dass der Wert naturnaher Auen im gesellschaftlichen Bewusstsein besser verankert und erlebbar gemacht wird. Das hat die Fach-Jury der UN-Dekade nachhaltig beeindruckt", betont Jessel.

"Wir geben der Elbe in diesem Projekt rund 400 Hektar Auenlandschaft zurück", sagt Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND, vor Ort. "Gerade angesichts der Klimakrise sind intakte Auen besonders wichtig. Sie halten Wasser lange in der Landschaft zurück. Dadurch reduzieren sie zum einen die Hochwassergefahr und verhindern zudem in niederschlagsarmen Jahren das Austrocknen ganzer Landstriche. Auch filtern und reinigen sie das Wasser, sichern so unsere Trinkwasserversorgung und schützen die Meere vor einer noch stärkeren Belastung durch Nähr- und Schadstoffe", so Weiger weiter. "Naturnahe Auen sind also wertvolle Ökosysteme, die viele bedeutende Aufgaben für die Gesellschaft übernehmen. Mit unserem Projekt 'Lebendigen Auen für die Elbe' leisten wir hierzu einen wichtigen Beitrag."

Nach dem heutigen Spatenstich wird der alte Deich in den kommenden Monaten nach und nach geschlitzt, so dass sich die Elbe schon bei kleinen Hochwasser-Ereignissen im Gebiet verteilen kann. Dazu hebt das BUND-Auenzentrum auch alte Flutrinnen aus, über die das Wasser einströmen kann. Den Hochwasserschutz übernimmt seit den 1980er Jahren ein damals errichteter, weiter landeinwärts gelegener Deich. Zudem sorgen über 10.000 neu angepflanzte Bäume und Sträucher dafür, dass sich der alte Auwald ausbreitet. Auch haben Amphibien und Uferschwalben Tümpel beziehungsweise eine Steilwand, die dieses Frühjahr neu angelegt wurden, sofort besiedelt - ein Beleg dafür, dass diese Lebensräume bisher fehlten und dass bereits Erfolge für die Artenvielfalt im Gebiet sichtbar sind.

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Projekt "Lebendige Auen für die Elbe":

Seit 2012 arbeitet das Projektteam des BUND-Auenzentrums unter anderem daran, den alten Auwald in der Hohen Garbe zu revitalisieren. Es werden Flächen im Rahmen eines laufenden Bodenordnungsverfahrens erworben, damit sich der Auwald natürlich und ungestört entwickeln kann und junger Auwald wird gepflanzt. Dies alles geschieht im engen Dialog mit Anwohnerinnen und Anwohnern, Nutzerinnen und Nutzern der Hohen Garbe. Zudem erarbeitet das Projekt Vorschläge, wie die Hohe Garbe mit anderen naturnahen Auen in der Region besser vernetzt werden kann, etwa mit der ersten großen Deichrückverlegung Deutschlands in der Lenzener Elbtalaue, die ebenfalls das BUND-Auenzentrum umgesetzt hat. Auch sind die umfassende Information der Öffentlichkeit über Vielfalt und Nutzen intakter Auen und Angebote zum Erleben naturnaher Auen wichtige Aufgaben des Projektes. Dazu entstand etwa das AuenReich auf Burg Lenzen und die prämierte, zusammen mit Anwohnern erarbeitete Auentour-App im Umfeld der Hohen Garbe.

"Lebendige Auen für die Elbe" wird im Rahmen des Bundesprogrammes Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Weitere Fördermittelgeber sind die Umweltstiftung Michael Otto, die Allianz Umweltstiftung, die Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt, Lotto-Toto Sachsen-Anhalt sowie die Deutsche Postcode Lotterie.

www.bund.net/elbauen

UN-Dekade Biologische Vielfalt

Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 als UN- Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenzuwirken. Die UN-Dekade Biologische Vielfalt in Deutschland lenkt mit der Auszeichnung vorbildlicher Projekte den Blick auf den Wert der Naturvielfalt und die Chancen, die sie uns bietet. Gleichzeitig zeigen diese Modellprojekte, wie konkrete Maßnahmen zum Erhalt biologischer Vielfalt, ihrer nachhaltige Nutzung oder der Vermittlung praktisch aussehen können. Über die Auszeichnung von Projekten entscheidet eine unabhängige Fachjury, an der Vertretern aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen beteiligt sind.

www.undekade-biologischevielfalt.de

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Quelle:
BUND-Pressedienst, 04.09.2019
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
Freunde der Erde Deutschland
Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin
E-Mail: presse@bund.net
Internet: www.bund.net


veröffentlicht im Schattenblick zum 5. September 2019

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