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VETERINÄR/349: Die Fruchtbarkeit weiblicher Pferde wird vom Immunsystem gesteuert (idw)


Veterinärmedizinische Universität Wien - 02.08.2013

Die Fruchtbarkeit weiblicher Pferde wird vom Immunsystem gesteuert


Foto: © Christine Aurich

Stute kümmert sich um ihr neugeborenes Fohlen
Foto: © Christine Aurich

Ein gesundes Fohlen zur Welt zu bringen kann ein schwieriges Unterfangen sein. Der Verlust eines Fohlens in den ersten Wochen der Trächtigkeit ist beim Pferd keine Seltenheit. Welche Ursachen zum verfrühten Trächtigkeitsabbruch führen, haben Tierärzte der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) untersucht. Sie fanden heraus, dass niedrige Mengen bestimmter Immunzellen (regulatorische T Zellen) im Blut, zu verfrühten Trächtigkeitsverlusten führen. Die Forschungsergebnisse veröffentlichten die Forscher im Journal of Reproduction, Fertility and Development.

Die Trächtigkeit beim Pferd, wie auch eine Schwangerschaft beim Menschen, bedarf einiger Voraussetzungen. Das mütterliche Immunsystem muss unterdrückt werden, damit der eingenistete Embryo nicht vom natürlichen Abwehrsystem der Mutter angegriffen wird. Christine Aurich und ihr Team vom Zentrum für Besamung und Embryotransfer an der Vetmeduni Vienna wollten herausfinden, ob ein früher Verlust der Trächtigkeit mit der Aktivität bestimmter Immunzellen zusammenhängt. Die Forscher entwickelten eine Methode, um die so genannten regulatorischen T Zellen (Treg Zellen) im Blut von Stuten nachzuweisen. Diese Zellen bremsen das Immunsystem, um in bestimmten Fällen Abwehrreaktionen des Körpers zu unterdrücken.

Regulatorische T Zellen ermöglichen erfolgreiche Trächtigkeit

Bei Stuten, die verfrüht ihre Fohlen verloren, wiesen die Forscher eindeutig weniger Treg Zellen nach als bei Pferden mit ungestörter Trächtigkeit. Insgesamt wurden 108 Stuten künstlich besamt und anschließend einer Blutanalyse unterzogen. Zu niedrige Mengen der Immunzellen verursachen wahrscheinlich den frühen Abbruch der Trächtigkeit, da das Immunsystem der Mutter nicht ausreichend unterdrückt wird. Der Embryo wird vom mütterlichen Abwehrsystem angegriffen. Eine ausreichende Zahl an Treg Zellen ist also wichtig für eine stabile Entwicklung des Embryos. Ob eine Stute nach künstlicher Befruchtung überhaupt trächtig wird, ist laut Studie aber nicht von der Anzahl an Treg Zellen abhängig.

Möglichkeiten für die Pferdezucht

Aus der Humanmedizin ist bekannt, dass das Sexualhormon Östradiol die Funktion von Treg Zellen anregt. Bestimmte Hormonbehandlungen könnten sich stabilisierend auf die Trächtigkeit beim Pferd auswirken. Bislang ist auch noch unklar, ob wiederholter Kontakt mit Hengstsamen, z.B. durch mehrmalige Besamung, eine natürliche Methode zur Erhöhung der Toleranz des Immunsystems gegenüber dem Embryo darstellen könnte. "Voraussagen für erfolgreiche Behandlungen zur Verbesserung der Trächtigkeitsraten beim Pferd können noch nicht getroffen werden", meint Aurich, "dazu müssten wir noch mehrere Pferde untersuchen. Wir können aber bereits jetzt sagen, dass die Zahl der Treg Zellen eine wichtige Ursache für frühe Trächtigkeitsverluste bei Pferden darstellen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir die Details genau aufgeklärt haben."


Die Publikation "Low levels of naturally occurring regulatory T lymphocytes in blood of mares with early pregnancy loss" von Christine Aurich, Jürgen Weber, Christina Nagel, Maximiliane Merkl, Rony Jude, Sascha Wostmann, Dirk Ollech, Udo Baron, Sven Olek und Thomas Jansen wurde online in Reproduction, Fertility and Development veröffentlicht und ist unter folgendem Link abrufbar: http://dx.doi.org/10.1071/RD13012

Die Arbeit wurde in Kollaboration mit den Firmen Certagen GmbH in Rheinbach und Epiontis GmbH in Berlin, Deutschland, durchgeführt.

Weitere Informationen unter
http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2013/pferde-fruchtbarkeit-immunsystem/

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung unter:
http://idw-online.de/de/institution1560

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Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - Pressemitteilung
Veterinärmedizinische Universität Wien, Susanna Kautschitsch, 02.08.2013
WWW: http://idw-online.de
E-Mail: service@idw-online.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 6. August 2013