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HAUSTIER/138: Aggressives Verhalten von Hunden wirksam therapieren (Thieme)


Thieme Verlag - FZMedNews - Mittwoch, 26. November 2008

Aggressives Verhalten von Hunden wirksam therapieren


fzm - In Deutschland beißt jährlich etwa 10.000 Mal ein Hund einen Menschen. Die Dunkelziffer ist hoch. Durchschnittlich vier Opfer sterben jedes Jahr an den Folgen des Angriffs. Aggressives Verhalten ist der häufigste Grund für eine Verhaltenstherapie bei Hunden. Wie es sich behandeln und vermeiden lässt, ist deshalb Thema der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "kleintier konkret" (Enke Verlag, Stuttgart. 2008).

Gesträubte Nackenhaare, erhobener Schwanz, gefletschte Zähne sowie Knurren und Bellen sind eindeutige Zeichen: Weicht der Gegner jetzt nicht zurück, greift der Hund an. "Oft wird den Besitzern erst im Gespräch in der Praxis klar, wie gefährlich ihr Hund für sie und andere Menschen werden kann", sagt Heidi Bernauer-Münz aus Wetzlar. Für eine Behandlung sei der wichtigste Schritt, die Ursachen des aggressiven Verhaltens zu finden, so die Expertin in "kleintier konkret". Die Gründe können vielfältig sein: Konkurrenz um Futter, Spielzeug, Geschlechtspartner, Lieblingsplätze, den Rang, Welpen oder auch Angst. Schmerzen - etwa durch Rheuma oder einen Tumor - können bei Hunden ebenfalls Aggressivität erzeugen. Vor einer verhaltenstherapeutischen Behandlung stehe deshalb immer eine klinische Untersuchung.

Um die Vorgeschichte möglichst vollständig zu erfassen, empfiehlt die Tierärztin mit Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie einen Standard-Fragebogen. Sind die Ursachen klar, gelte es zunächst, kritische Situationen zu umgehen. "Denn jedes erfolgreiche aggressive Verhalten wirkt verstärkend", sagt Bernauer-Münz. So wäre es nicht ratsam, etwa dem Hund einen Ball zu entreißen, wenn er bereits knurrt. Um Spannungen aus dem Weg zu gehen, hilft beim Spaziergang oft schon ein Maulkorb.

Stellt der Hund die Rangordnung in Frage, sei dem durch Ignorieren und klare Kommunikation zu begegnen. Alle Familienmitglieder sollten die selben Worte für Kommandos wie Sitz!, Platz! und Aus! benutzen. Geht es um ein begehrtes Spielzeug, sei Kontrolle wichtig. "Die kostbare Ressource wird dem Hund gelegentlich uneingeschränkt überlassen und die Abgabe trainiert", erläutert Bernauer-Münz. Die Auseinandersetzung um begehrte Dinge sei in jedem Fall zu vermeiden.

Hat ein Hund nie gelernt, sich sozial angemessen zu verhalten, ist daraus entstehende Aggressivität nie vollständig therapierbar. Hundebesitzern müsse klar sein, dass sie trotz Therapie ein Leben lang vorsichtig sein müssen, so Bernauer-Münz. Denn aggressive Hunde stellten eine große Gefahr für sie aber auch für andere dar. Der Schutz des Menschen habe Priorität. Mitunter bleibt als Lösung nur, den Hund abzugeben oder - bei großer Gefahr - einschläfern zu lassen.


H. Bernauer-Münz:
Aggressives Verhalten des Hundes gegenüber Menschen - Ursachen und Therapie.
kleintier konkret 2008, 5: S. 7-11


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Quelle:
FZMedNews - Mittwoch, 26. November 2008
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veröffentlicht im Schattenblick zum 28. November 2008