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VERBAND/025: Bestandserhebung - Mehr ältere und weibliche Mitglieder (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 51-52 / 15. Dezember 2009
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

DOSB-Bestandserhebung: Mehr ältere und weibliche Mitglieder
Die Statistik der Landessportbünde ist ausgewertet

Von Ute Blessing-Kapelke und Sandra Bösel


(DOSB PRESSE) 2009 haben sich die Mitgliedschaften im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) weiterhin positiv entwickelt, trotz des demographischen Wandels und des Trends, sich immer weniger an Institutionen binden zu wollen. Abermals konnte ein Zuwachs von mehr als 100.000 Mitgliedschaften, das sind 0,41 Prozent, verzeichnet werden. Die Anzahl der Vereine hat sich insgesamt um 122 oder 0,13 Prozent erhöht.

Nimmt man die über die Landessportbünde gemeldeten Zahlen als Vergleich zum Vorjahr, gibt es insbesondere bei den Kindern und Jugendlichen Rückgänge von mehr als 50.000 Mitgliedschaften, ebenso bei den 24- bis 40-jährigen von mehr als 160.000. Starke Zuwächse verzeichnen die über 60-jährigen mit einem Mehr von 92.000 Mitgliedschaften, ebenso die 41- bis 60-jährigen mit plus 29.000 Mitgliedschaften. Somit spiegeln die Zahlen grundsätzlich die demographische Entwicklung in Deutschland wider: Es gibt immer weniger Kinder und mehr Ältere.

Sieht man sich den Organisationsgrad an, das heißt, wie viel Prozent einer Altersgruppe Mitglied in einem Sportverein sind, kann man starke Einbußen vor allem bei den Kindern bis 6 Jahre erkennen. Der Anteil der im Sportverein organisierten Jungen ist von 29,6 im vorigen Jahr auf aktuell 25,3 Prozent, bei den Mädchen von 27,9 auf 23,9 Prozent gesunken, es wurden also mehr als 4 Prozent der Kinder weniger erreicht. Hier könnten die Gründe in der stärkeren institutionellen Betreuung der Kinder (Ausbau der Krippenplätze) und der wachsenden Berufstätigkeit der Mütter liegen, die dazu führen, dass die Angebote der Sportvereine weniger angenommen werden. Auch die Reduzierung von wohnortnahen Sportmöglichkeiten durch das Schließen von Schulen oder weniger Angebotszeiten für Vereine durch mehr Nachmittagsunterricht der Schulen, kann zu dieser Entwicklung beigetragen haben.

Bei den 27- bis 40-Jährigen beeindruckt die große Zahl der absoluten Abgänge, allerdings ist der Organisationsgrad nur um 0,8 und 0,6 Prozent zurückgegangen, auf 29 Prozent bei den Männern und 19 Prozent bei den Frauen. Diese bereits seit einigen Jahren zu verfolgenden Einbrüche in diesem Alter könnten mit der wachsenden Flexibilisierung und Individualisierung sowie den großen Anforderungen in dieser Altersgruppe, Familie und Beruf zu vereinbaren, zusammenhängen. Hieraus begründet sich auch eine stärkere Beachtung der Zielgruppe Familie, über die Eltern, Großeltern und Kinder gleichermaßen erreicht werden sollen.

Bei den Älteren über 60 Jahre ist der Organisationsgrad bei den Männern um 1,3 Prozent, bei den Frauen um 1 Prozent gestiegen. Der Anstieg des Organisationsgrades der Älteren ist insbesondere erfreulich, weil es somit gelungen ist, diese zukünftig zahlenmäßig stark steigende Zielgruppe für die Vereine zu gewinnen. Allerdings liegt der Organisationsgrad der über 60-jährigen bei den Männern aktuell bei knapp 26 Prozent und bei den Frauen nur bei 13 Prozent, was heißt, dass hier noch ein großer Nachholbedarf für die Bindung der Älteren besteht. Dies insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass ohne eine stärkere Bindung der Älteren aufgrund des demographischen Wandels die Mitgliedszahlen des DOSB nicht zu halten sein werden.

Es müsste präzisiert werden, inwieweit die zunehmende Umstellung auf zeitlich begrenzte Mitgliedschaften in Kursangeboten ohne Vereinsmitgliedschaften eine Erklärung für den geringen Organisationsgrad insbesondere für Frauen ist.

Deutlich wird auch, dass der organisierte Sport immer mehr Mädchen und Frauen und weniger Jungen und Männer erreicht. Insgesamt sind die Mitgliedschaften von Jungen und Männern um 83.000 zurückgegangen, während die Zahl der Mädchen und Frauen leicht um 3.500 gestiegen ist. Insbesondere bei den über 40-jährigen Frauen konnten mehr als 75.000 Mitgliedschaften gewonnen werden.

Im Verhältnis der alten und neuen Bundesländer konnten alle östlichen Landessportbünde Zuwächse verzeichnen, während bei den westlichen nur vier Landessportbünde mehr Mitgliedschaften, dagegen sechs Landessportbünde Rückgänge verbuchen mussten. Interessant ist auch, dass bei den starken Rückgängen bei Kindern unter sechs Jahren der Organisationsgrad im Westen wesentlich stärker als im Osten abnahm.

In allen drei Stadtstaaten stiegen die Mitgliedszahlen deutlich um über ein Prozent an.


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 51-52 / 15. Dezember 2009, S. 5
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
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veröffentlicht im Schattenblick zum 16. Januar 2010