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GESCHICHTE/477: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 273 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 44 / 28. Oktober 2014
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

2001/V: Richthofen: "Umweltengagement in den Vereinen zahlt sich aus!"
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 273) *

Eine Serie von Friedrich Mevert



Bei einem Treffen von Vertretern des Deutschen Sportbundes unter Leitung von DSB-Präsident Manfred von Richthofen mit Bundesumweltminister Jürgen Trittin wurde eine Fortsetzung und Intensivierung der bewährten Zusammenarbeit vereinbart.

Schwerpunktthemen des Gespräches waren dabei die geplante Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes, die Umsetzung der FFH-Richtlinie und Möglichkeiten des Sports, zu den Klimaschutzzielen der Bundesregierung und zu den Kampagnen zur Energieeinsparung und Ressourcenschonung eigene Beiträge zu leisten. Minister Trittin sagte zu, den Arbeitskreis Sport und Umwelt "wieder einzurichten". Dieses Gremium konstituierte sich dann als Beirat Sport und Umwelt. Ihm gehörten für den DSB Erwin Lauterwasser als Vorsitzender und Hans Jägemann an.

Unter Leitung von DSB-Vizepräsident Hans-Geerg Moldenhauer traf sich eine Delegation des DSB mit dem Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Fritz Brickwedde. Bei diesem Treffen wurde vereinbart, eine mittelfristig angelegte enge Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und dem DSB festzulegen.

Der Deutsche Fußball-Bund zeichnete unter Beteiligung des DSB in einer Pilotanwendung in zwei Landesverbänden Sportanlagen, die besondere Umweltkriterien erfüllen, mit der "Blauen Flagge" aus. Diese Aktion sollte vom DFB fortgesetzt werden.

Die Konferenz der Europäischen Sportminister tagte Ende Mai 2000 in Bratislava. Dabei wurde ein Kodex zum Thema Sport und Umwelt verabschiedet. An der Arbeitsgruppe, die diesen Tagesordnungspunkt vorbereitet und den Kodex entworfen hat, war DSB-Abteilungsleiter Hans Jägermann maßgeblich beteiligt.

DSB-Präsident Richthofen würdigte unter dem Motto "Das Umweltengagement der Vereine zahlt sich mehrfach aus" bei der Preisverleihung zum ersten Umweltwettbewerb des DSB am 12. Juni 2001 in Frankfurt am Main das vielfältige Umweltengagement an der Vereinsbasis. Von Richthofen führte dabei unter anderem aus:

"Der Umweltwettbewerb gibt dem Deutschen Sportbund Gelegenheit, Bilanz zu ziehen und der Öffentlichkeit zu dokumentieren, welche hervorragenden Beispiele für einen Sport im Einklang mit den Umweltbelangen es bereits gibt. Wir können uns erneut bestätigt fühlen, appellieren wir doch seit mehr als 15 Jahren unter dem Motto "Sport schützt Umwelt an Sporttreibende und Sportvereine, alles zu tun, damit die Generationen nach uns auch noch Gelegenheit haben, Sport in einer unzerstörten Umwelt zu erleben und zu genießen.

Die Rolle des Deutschen Sportbundes ist es auch im Umweltbereich, sich um die Rahmenbedingungen, um die Zukunftsfragen, also um die große Linie zu kümmern. Wir arbeiten mit der Politik, den zuständigen Bundesbehörden und mit anderen Verbänden, etwa denen des Umwelt- und Naturschutzes, zusammen. Wir wollen unseren Mitgliedsorganisationen und der großen Familie des Sports mit bald 90.000 Vereinen und 27 Millionen Mitgliedern Anregungen geben und sie ermuntern, zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen.

In den vergangenen Jahren haben wir, so denke ich, unsere Partner von der Ernsthaftigkeit unserer Initiativen überzeugt. Der Slogan "Sport schützt Umwelt" ist keine platte Behauptung, er markiert viel mehr das Ziel, das wir verfolgen: eine nachhaltige Sportentwicklung. Wir haben inzwischen intensive und tragfähige Kooperationen mit den Behörden und den Verbänden des Umwelt- und Naturschutzes aufgebaut.

Wir werden als kompetenter und ernst zu nehmender Gesprächspartner geschätzt, und unsere Arbeit hat auch international Anerkennung gefunden. Die Wettbewerbsbeiträge belegen, dass die Umweltarbeit im Sport längst nicht mehr nur von oben, vom Deutschen Sportbund, von den Landessportbünden und Spitzenverbänden, kommt, sondern dass eine kräftige Bewegung von der Vereinsbasis her unübersehbar ist.

Die nachhaltige Entwicklung, um die es uns geht, hat - das wissen wir seit dem Weltumweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro - neben der ökologischen auch eine ökonomische und soziale Dimension. Dieser Dreiklang ist auch im Sport wichtig. Haben doch gerade die Vereine mit eigenen Anlagen buchstäblich den Groschen dreimal umzudrehen, um das Beste aus dem verfügbaren Geld herauszuholen. Viele Wettbewerbsbeiträge zeigen eindrucksvoll, dass das, was oft aus ökologischem Verantwortungsbewusstsein getan wird, auch ökonomisch das Vernünftigste ist.

Eine Situation also, bei der es nur Gewinner gibt: Die Umwelt und die Vereinsfinanzen. Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit ist für viele Vereine - gerade die mit einer aktiven Jugendarbeit - selbstverständlich. Dass man auch den sozialen Stellenwert von Sportvereinen für ein Gemeinwesen in die Umweltarbeit integrieren kann, zeigen viele Projekte unseres Wettbewerbs eindrucksvoll.

In einem Gespräch mit dem Bundesumweltminister vor etwa eineinhalb Jahren haben wir die wichtigsten Themenfelder im Bereich Sport und Umwelt besprochen. Dabei haben wir zugesagt, dass wir die Bundesregierung bei der Umsetzung ihrer international vereinbarten Klimaschutzziele unterstützen wollen. Das Ergebnis dieses Umweltwettbewerbs steht gewissermaßen für diese Zusage. Beiträge zum Schutz von Klima und Ressourcen bilden einen Schwerpunkt bei den eingereichten Projekten. Hier wird belegt, dass der große und wichtige Sektor Sport in der Lage ist, eigene Akzente zu setzen. Häufig sind im Sport sogar besonders günstige Bedingungen dazu vorhanden. (...)

Ich wünsche mir, dass Ihre überzeugenden Beispiele vielen anderen Mut machen, es Ihnen gleich zu tun. Wir wollen Sie dabei gern unterstützen, damit aus den Pilotprojekten die Vorbilder für eine breit gestreute nachhaltige Entwicklung im Sport werden. Damit das, was heute noch die Ausnahme ist, bald zur Regel wird."


* Anmerkung der DOSB-Redaktion:
Seit den 1990-er Jahren sind verschiedene sportpolitische Dokumente wie Sportberichte der Bundesregierung, Veröffentlichungen der Sportministerkonferenz der Länder, des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp), des Deutschen Sportbundes oder von anderen Institutionen und auch Personen zunehmend im Internet dokumentiert und einsehbar. Sie wurden im Rahmen der Serie nicht mehr ausführlich zitiert.

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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 44 / 28. Oktober 2014, S. 26
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
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veröffentlicht im Schattenblick zum 30. Oktober 2014