Schattenblick →INFOPOOL →SPORT → FAKTEN

GESCHICHTE/471: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 267 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 37 / 9. September 2014
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

2000/VII: IOC-Präsident Samaranch besucht die EXPO 2000 in Hannover
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 267) (*)

Eine Serie von Friedrich Mevert



Hohen Besuch konnte am 30. August der vom NOK für Deutschland betreute IOC-Pavillon auf der EXPO 2000 in Hannover verzeichnen. IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch wollte sich in Begleitung von mehreren Mitgliedern des IOC-Exekutivkomitees einen persönlichen Eindruck von der Weltausstellung in der niedersächsischen Landeshauptstadt und der Präsentation der Olympischen Bewegung dort verschaffen.

Während seiner Besuche auch im griechischen und australischen Pavillon lobte der IOC-Chef die ausgezeichnete Vorbereitung der bevorstehenden Sydney-Spiele durch das australische Organisationskomitee und prognostizierte auch ein hervorragendes Abschneiden des deutschen Teams.

Nach der Eröffnung des von zahlreichen Zuschauern umsäumten IOC-Pavillons durch NOK-Präsident Walther Tröger und der Vorstellung olympischer Medaillengewinner aus Niedersachsen nutzte der IOC-Präsident seinen Besuch auch zu einem Gedankenaustausch mit Niedersachsens Innen- und Sportminister Heiner Bartling, der für Sport im BMI zuständigen Staatssekretärin Brigitte Zypries sowie der EXPO-Generalkommissarin Birgit Breuel. Dabei betonte Samaranch, dass für das IOC die Teilnahme an der EXPO eine Selbstverständlichkeit gewesen sei, da die Olympische Bewegung auch für die Ziele der EXPO stehe.

Unter dem Titel "300 Quadratmeter IOC-Pavillon locken viele EXPO-Besucher an" würdigte der NOK-Report die Beteiligung des Sports und insbesondere des NOK für Deutschland an dieser Weltausstellung im ersten Jahr des neuen Jahrtausends. Aus dem Bericht wird nachfolgend zitiert:

"EXPO-Besucher finden ihn in der riesigen Halle 17 der Weltausstellung im westlichen Teil des hannoverschen Messegeländes in unmittelbarer Nachbarschaft der Russischen Föderation, den Pavillon des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Auf einer Fläche von 300 qm lockt der Pavillon mit wechselnden Sportmotiven auf flexiblen Vorhängen täglich drei bis viertausend Besucher an, die - so die Pavillon-Managerin Annette Richter - über die ausdrucksstarken Bilder mit großem Interesse die zentralen Botschaften der Olympischen Bewegung wie "Bewegung - Leistung - Lebensfreude" und "Frieden - Fairplay - Solidarität" erfahren. Zu den bisherigen Besuchern zählten neben zahlreichen nationalen Sportpersönlichkeiten u.a. auch der Schweizer Bundespräsident Adolf Ogi, die schweizerische Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Rotz sowie das IOC-Mitglied Prinz Albert von Monaco.

"Natürlich wäre es uns lieber, wenn wir das bereits 1997 von einer Expertengruppe erarbeitete Konzept 'Die Welt des Sports: Gestern - Heute - Morgen' im Rahmen des EXPO-Mottos 'Mensch - Natur - Technik' in einer eigenen Halle des deutschen und internationalen Sports im zentralen Plaza-Bereich hätten verwirklichen können, wie das ursprünglich geplant war", so der NOK-Beauftragte Prof. Dr. Jürgen Dieckert, "doch dann fiel die Entscheidung nach langwierigen Verhandlungen in Lausanne erst sehr spät, und es fehlen auch die für diesen Plan erforderlichen Finanzmittel." So könne man schließlich sehr froh und auch stolz darauf sein, in einem Endspurt von nur drei Monaten den IOC-Pavillon wenigstens in seiner jetzigen Form verwirklicht zu haben, betont der Oldenburger Sportwissenschaftler und Turner-Präsident.

Der Pavillon selbst, der schon von weitem mit den Olympischen Ringen lockt, gliedert sich durch sechs Säulen in drei Raumbereiche. Während im Mittelbereich der zentrale Bildschirm Sportfilme zeigt und während der Olympischen Spiele im September Fernsehbilder aus Sydney übertragen soll, thematisieren in den beiden Seitenräumen ausdrucksstarke Dias die bereits genannten sechs zentralen Botschaften der Olympischen Bewegung. Verschiedene Olympische Exponate ergänzen den Gesamteindruck.

In den kommenden Monaten sind im IOC-Pavillon eine Reihe von Veranstaltungen mit olympischen Bezug vorgesehen. So wird bereits am 9. Juli der legendäre "Kiel-Ratzeburger" Ruder-Achter 40 Jahre nach seinem Sieg von Rom 1960 im Beisein von NOK-Präsident Walther Tröger im Pavillon zu Gast sein. Auch der Besuch von IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch und weiterer IOC-Mitglieder ist vorgesehen.

Das ansonsten eher bescheidene sportliche Begleitprogramm der EXPO-Planer, das seine krasseste Fehlleistung in der inhaltlichen Gestaltung des Themenparks "Gesundheit im 21. Jahrhundert" ohne jeglichen Sportbezug fand, hatte ansonsten seinen Höhepunkt in der Zeit vom 19. bis 25. Juni mit dem 3. Weltfestival der traditionellen Sportkulturen auf dem EXPO-Gelände, im Zentrum von Hannover und im großen Sportpark am Maschsee.

Besondere Glanzpunkt wurden dabei mit den beiden Großveranstaltungen am Wochenende - der "Gala der Highlights" am Samstagabend in der vollbesetzten Stadionhalle und der "Weltbühne der Bewegungskünste" am Schlusstag mit den Delegationen aus allen teilnehmenden Nationen im Sportpark und am Maschsee - gesetzt. Vor prominenten Ehrengästen, u.a. Niedersachsens Innenminister Reiner Bartling, NOK-Präsident Prof. Walther Tröger in seiner Funktion als Vorsitzender der IOC-Kommission "Sport für alle", DTB-Präsident und NOK-EXPO-Beauftragter Prof. Dr. Jürgen Dieckert, TAFISA-Präsident Prof. Dr. Jürgen Palm sowie den LSB-Präsidenten von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bremen, Prof. Dr. Umbach, Richard Winkels und Ingelore Rosenkötter, folgte in einem dreistündigen Nonstop-Programm ausgewählter Festivalbeiträge ein Höhepunkt dem anderen und riss das begeisterte Publikum mehrfach zu stehenden Ovationen hin.

Vom französischen Stelzentanz bis zum Lion Danoe aus Hongkong, vom thailändischen Schwertfechten bis zum hessischen Rhönradturnen, vom chinesischen Wushu bis zum Federfußball aus Singapur, die Beifallstürme nahmen kein Ende. Begeisterter Zuschauer war auch Walther Tröger, der im NDR-Fernsehinterview Grüße des IOC überbrachte, das Weltfestival der Sportkulturen als einen integralen Bestandteil der Olympischen Bewegung bezeichnete und wörtlich schloss: "Und das soll auch so bleiben!"

Thema der abschließenden Pressekonferenz war natürlich auch der Stellenwert des Sports im Rahmen der Weltausstellung EXPO 2000 überhaupt. Dabei stand insbesondere der Themenpark "Gesundheit" im Mittelpunkt der Kritik, der Sport und Bewegung als unverzichtbare Voraussetzung für eine aktive Gesundheitsvorsorge schlicht und einfach verschweigt. Dies dürfte in den kommenden Wochen sicher noch zu massiven Protesten von Ärzten, Pädagogen und Politikern führen. "Eine Schande" nannte Prof. Dr. Jürgen Palm diese Produktion der EXPO-Verantwortlichen.

Aber trotz der Brüskierung durch die EXPO-Geschäftsleitung, die auch die ATP-Weltmeisterschaften der Tennisprofis zugegebenermaßen mehrere Jahre nur als Vehikel für eigene Werbezwecke nutzte, stand und steht der organisierte Sport dennoch nicht schmollend in der Ecke, sondern präsentierte auf Anregung und mit Förderung des Niedersächsischen Innenministeriums ein ganzjähriges Sonderprogramm "Sport im Zeichen der EXPO 2000". Dies umfasst rund 40 attraktive Veranstaltungen von Welt- und Europameisterschaften in verschiedenen Sportarten über die kürzlich stattgefundenen Olympiaausscheidungen im Wasserball und die 100.

Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften bis zum Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Spanien und dem Vierländerturnier der weltbesten Fußball-Frauenteams im DFB-Jubiläumsjahr.

Abgerundet wird das Programm durch ein Weltjugendcamp der Niedersächsischen Sportjugend, eine Europäische Sportjugend-Leiter-Konferenz zu den Herausforderungen der sportlichen Jugendarbeit im 21. Jahrhundert und ein Akademieforum zur Gründung des Deutschen Sportbundes 1950 in Hannover. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe wird ihr diesjähriges "Fest der Begegnung" am 27. Oktober - also in der letzten EXPO-Woche - im Deutschen Pavillon auf der Weltausstellung feiern. In Kooperation mit anderen Jugendverbänden wird die Deutsche Sportjugend beim "Big Tipi" - dem EXPO-Treffpunkt für Kinder und Jugendliche - für vier Wochen das Programm gestalten.

Als großer Erfolg schließlich hat sich bereits nach vier Wochen das Engagement der hannoverschen Sportvereine im Rahmen des Programms "Open City" erwiesen. Über hundert Klubs öffnen für ein halbes Jahr kostenlos mit einem vielfältigen Angebot von Aerobic bis zum Wasserski ihre Tore für die rund 6.000 hauptamtlichen EXPO-Mitarbeiter aus über 180 Nationen und die Polizisten aus dem Ausland und anderen Bundesländern, die während der Weltausstellung in Hannover Dienst tun.

(*) Anmerkung der DOSB-Redaktion:
Seit den 1990-er Jahren sind verschiedene sportpolitische Dokumente wie Sportberichte der Bundesregierung, Veröffentlichungen der Sportministerkonferenz der Länder, des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp), des Deutschen Sportbundes oder von anderen Institutionen und auch Personen zunehmend im Internet dokumentiert und einsehbar. Sie wurden im Rahmen der Serie nicht mehr ausführlich zitiert.

*

Quelle:
DOSB-Presse Nr. 37 / 9. September 2014, S. 21
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
Herausgeber: Deutscher Olympischer Sportbund
Otto-Fleck-Schneise 12, 60528 Frankfurt/M.
Telefon: 069/67 00-236
E-Mail: presse@dosb.de
Internet: www.dosb.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 20. September 2014