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GESCHICHTE/466: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 264 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 34 / 19. August 2014
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

2000/IV: 50 Jahre Deutsche Sportjugend: Bundeskanzler Schröder gratuliert
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 264)*

Eine Serie von Friedrich Mevert



Am 8. April 2000 konnte die Deutsche Sportjugend (DSJ) bei einer Veranstaltung an ihrem Gründungsort auf dem Sudelfeld bei Bayrischzell mit Selbstbewusstsein und Stolz auf eine damals kaum vorhersehbare Entwicklung über fünf Jahrzehnte zurückblicken, einen Zeitraum, in dem sich die DSJ als größte deutsche Jugendorganisation von Beginn an in der Mitverantwortung für unser staatliches Gemeinwesen sah und direkt wie auch über den Deutschen Sportbund gesellschaftspolitische Entwicklungen in der noch jungen Bundesrepublik ganz wesentlich mitgestaltet hat. Für diese Verdienste haben führende Repräsentanten unseres Staates - vom damaligen ersten Bundespräsidenten Prof. Theodor Heuss bis zu den heutigen führenden Politikern - der Sportjugend immer wieder Dank und Anerkennung ausgesprochen.

DSB-Präsident Manfred von Richthofen würdigte - wie schon seine Vorgänger Willi Daume und Willi Weyer bei früheren Anlässen - die besonderen Verdienste der DSJ für die Entwicklung des DSB, nannte sie "das gute Gewissen des Sports" und sprach vom "Symbolcharakter für die inhaltliche Arbeit", da die Sportjugend "immer einen Schritt voraus gewesen" sei. Er erinnerte vor allem an die Zeiten des gesellschaftlichen Aufbruchs, als die DSJ "weitgehend neue Markierungen in die Sportlandschaft gesetzt" habe. Deshalb gelte heute wie vor 50 Jahren, dass es an der Eigenständigkeit der Sportjugend keinen Zweifel gebe, aber ihre Arbeit in die Gesamtorganisation des DSB eingebunden bleiben müsse, "weil sie dort unverzichtbar" sei.

In seinem Grußwort würdigte Bundeskanzler Gerhard Schröder, in seiner Jugendzeit in Ostwestfalen als begeisterter Fußballer selbst Mitglied der Sportjugend, die Leistungen der DSJ in den ersten fünfzig Jahren ihres Wirkens:

"50 Jahre Deutsche Sportjugend - das ist ein halbes Jahrhundert verantwortungsvolle Arbeit für Kinder und Jugendliche. Diese gesellschaftspolitische Arbeit war und ist erfolgreich, und ich ermuntere alle Verantwortlichen und Mitglieder, auch zukünftig ein lebendiges Organ im Deutschen Sportbund zu bleiben.

Von ganzem Herzen möchte ich denjenigen danken, die sich in den fünf Jahrzehnten in der sportlichen Jugendarbeit engagiert haben, ob im Ehrenamt oder im Hauptamt, ob in den Landessportbünden oder in den Fachverbänden. Sie haben dazu beigetragen, dass sich junge Menschen zu eigenverantwortlichen Persönlichkeiten entwickeln.

Diese Hilfe und Unterstützung kann nicht hoch genug eingeschätzt und bewertet werden. Denn insbesondere der Jugendsport befriedigt wichtige menschliche Bedürfnisse: Anerkennung, Selbstentfaltung, Gemeinschaftsempfinden, körperliche Bewegung, Spannung und Erlebnis. Kinder und Jugendliche lernen dabei soziales Verhalten wie Toleranz und Solidarität. Sie trainieren spielerisch, Regeln einzuhalten und nach Leistung zu streben. Damit wird die stabilisierende und wertbildende Bedeutung der sportlichen Jugendbildung für unsere Gesellschaft deutlich.

Als im April 1950 im Jugendhaus Sudelfeld bei Bayrischzell die "Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Sportjugend" gegründet wurde, um "die Jugendarbeit in den Sportorganisationen selbst zu verstärken und zu vertiefen", ahnte niemand, welche Erfolgsgeschichte ihren Anfang nehmen sollte. Heute sind mehr als 9 Millionen Kinder und Jugendliche Mitglied der Deutschen Sportjugend.

Von Beginn an sah sich die Deutsche Sportjugend "in der Mitverantwortung für unsere staatliche Gemeinschaft". Mit beispielhaften Initiativen, von denen ich hier nur einige erwähnen kann, hat die Deutsche Sportjugend über Jahrzehnte hinweg nach dieser Maxime gehandelt.

So ist die Deutsche Sportjugend in Jugendstrafanstalten gegangen, hat dort Sport angeboten und die Gründung selbstverwalteter Sportvereine in Jugendstrafanstalten, möglich gemacht. Und sie hat bereits in den 70er Jahren Spiel- und Sportangebote einschließlich Schularbeitenhilfen für Kinder ausländischer Herkunft angeboten. Schließlich hat die Deutsche Sportjugend die Koordination der Fan-Projekte im Rahmen des "Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit" übernommen, einem inzwischen viel beachteten Beitrag gegen Gewalt und Aggression im Umfeld des bezahlten Fußballs.

Diese Beispiele zeigen, dass die Deutsche Sportjugend Jugendarbeit im Sport immer als Bildungsarbeit mit jungen Menschen - auch politische Bildungsarbeit - verstanden hat. Dazu gehört ganz selbstverständlich auch die Forderung nach Mitbestimmung der Jugendlichen im Sport und bei der Ausgestaltung der Jugendarbeit nach eigener Jugendordnung. Mit der deutschen Einheit hat die Deutsche Sportjugend ihr Tätigkeitsfeld ausgedehnt und in den neuen Bundesländern die Aus- und Fortbildung von Multiplikatoren übernommen und Tutorinnen und Tutoren eingesetzt.

Eine Skizzierung von eindrucksvollen Beispielen für gesellschaftliche Mitverantwortung der Deutschen Sportjugend wäre unvollkommen ohne die internationale Jugendarbeit. Sie hat diese immer als Teil ihres politischen Bildungsauftrags begründet und umgesetzt.

Mit ihren Austauschmaßnahmen leistet sie einen Beitrag zur Völkerverständigung und zum grenzüberschreitenden Miteinander. Als größter deutscher Jugendverband unterhält sie zahlreiche internationale Kontakte.

Zu nennen ist die entwicklungspolitische Arbeit im Jugendsport in Ländern Afrikas, die bereits in den 70er Jahren aufgenommen wurde. Damit wurde und wird ein Brückenschlag zwischen Jugendarbeit und Entwicklungszusammenarbeit vollzogen.

Die Aussöhnung mit Israel hat für die Deutsche Sportjugend eine ganz besondere politische und moralische Bedeutung. Zahlreiche Kontakte zwischen verschiedenen Mitgliedsverbänden haben sich zu festen Freundschaften entwickelt.

Gemeinsame Aktivitäten mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk und dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk sowie die Zusammenarbeit mit Ländern wie Tschechien, Ungarn, Lettland und Moldawien zeigen, wie ernst es die Deutsche Sportjugend mit dem Aufbau eines geeinten Europas nimmt. Die Deutsche Sportjugend ist für die Bundesregierung eine wichtige und verlässliche Partnerin für aktive Jugendpolitik. Mit ihr kann man gestalten und wichtige Vorhaben umsetzen. Ich erwähne beispielhaft den jugendpolitischen Schwerpunkt "Entwicklung und Chancen junger Menschen in sozialen Brennpunkten", in den die Deutsche Sportjugend ihr Engagement einbringt. Beispielhaft war auch die spontane Unterstützung des Europäischen Jugendfestes durch die DSJ und ihre Mitgliedsorganisationen, das Anfang November 1999 in Berlin anlässlich des Gedankens an den Mauerfall von vor 10 Jahren stattfand.

Ein Jubiläum "50 Jahre Deutsche Sportjugend" darf sich nicht in der dankbaren Erinnerung an die Gründergeneration und in der Bilanzierung des bisher Erreichten erschöpfen. Der Blick muss nach vorn gerichtet werden. Das tut die Deutsche Sportjugend. Mit finanzieller Unterstützung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend arbeitet sie an einer Organisationsentwicklung als geplantem Veränderungsprozess. Ich wünsche allen Verantwortlichen hierfür viel Erfolg, damit die Deutsche Sportjugend auch zukünftig ihre vielfältigen Aufgaben im Miteinander von Ehrenamt und Hauptamt sowie der Landessportjugenden und der Fachverbände erfüllen kann."


* Anmerkung der DOSB-Redaktion:
Seit den 1990-er Jahren sind verschiedene sportpolitische Dokumente wie Sportberichte der Bundesregierung, Veröffentlichungen der Sportministerkonferenz der Länder, des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp), des Deutschen Sportbundes oder von anderen Institutionen und auch Personen zunehmend im Internet dokumentiert und einsehbar. Sie wurden im Rahmen der Serie nicht mehr ausführlich zitiert.

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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 34 / 19. August 2014, S. 20
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
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veröffentlicht im Schattenblick zum 23. August 2014