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GESCHICHTE/456: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 255 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 22 / 27. Mai 2014
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1999/V Sport und Kultur: Partnerschaft im gesellschaftspolitischen Interesse
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 255)

Eine Serie von Friedrich Mevert



Im Rahmen seiner Kooperationen mit anderen bedeutenden gesellschaftlichen Organisationen wie den Kirchen, Gewerkschaften und kommunalen Spitzenverbänden traf sich das Präsidium des DSB am 2. September 1999 in Berlin zu einem Meinungsaustausch mit dem Vorstand des Deutschen Kulturrates. Allein die Mitgliederzahlen beider Organisationen verdeutlichen die Dimension dieser beabsichtigten Zusammenarbeit, denn im Deutschen Kulturrat sind von der Musik bis zur Literatur, von der Darstellenden bis zur Bildenden Kunst und zahlreichen weiteren künstlerischen Bereichen rund zwölf Millionen Mitglieder organisiert, davon sind fast zwei Millionen ehrenamtlich engagiert.

Als Ergebnis des ausführlichen Grundsatzgespräches schlossen die Repräsentanten beider Organisationen eine Vereinbarung, um in Zukunft die Zusammenarbeit zwischen beiden Dachverbänden zu intensivieren. Die Vereinbarung hat folgenden Wortlaut:

"Der Deutsche Kulturrat und der Deutsche Sportbund nehmen als gemeinnützige Organisationen mit starken ehrenamtlichen Strukturen eine wichtige Funktion in der Gesellschaft wahr. Sie vertreten unterschiedliche Ziele, haben aber in der Sicherung der politischen Bedingungen ihres Handelns gemeinsame Interessen.

Sie bündeln jeweils die Anliegen und Interessen ihrer Mitgliedsvereine und -verbände und artikulieren diese gegenüber der Öffentlichkeit und der Politik. Damit sind sie ein wichtiger Ansprechpartner für die Gesamtinteressen ihrer Bereiche. Der Deutsche Sportbund und der Deutsche Kulturrat sind darin übereingekommen, in Zukunft Interessen, die die Mitglieder beider Spitzenorganisationen betreffen, gemeinsam zu vertreten. Dazu gehören:

  • Bildung eines Bündnisses für das Ehrenamt,
  • gemeinsame Qualifizierung ehrenamtlicher Aktiver,
  • Vertretung von gemeinsamen Zielen bei der Reform des Stiftungsrechts,
  • Vertretung von gemeinsamen Interessen beim "ZVS-Nachteilsausgleich" für Spitzensportler und Spitzenmusiker.

Bildung eines Bündnisses für das Ehrenamt

Das ehrenamtliche Engagement ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Gemeinwesens. Die Vereine und Verbände des Sport- und Kulturbereiches gründen auf ehrenamtlichem Engagement. Im Deutschen Sportbund sind über 2,6 Mio. Ehrenamtler aktiv und im Deutschen Kulturrat rechnet man allein im Musikbereich mit 1,5 Mio. ehrenamtlich Aktiven. Erwachsene liefern dabei ein positives Vorbild für Kinder und Jugendliche, Verantwortung für andere zu übernehmen. Das ehrenamtliche Engagement hat sich in den letzten Jahren verändert. Die Vereine und Verbände haben darauf reagiert. Jetzt ist die Politik aufgefordert, die Rahmenbedingungen für ehrenamtliche Tätigkeit zu verbessern.

Der Deutsche Kulturrat und der Deutsche Sportbund wollen ein Bündnis für das Ehrenamt bilden. Es ist geplant, sich in diesem Bündnis über die Rahmenbedingungen ehrenamtlichen Engagements auszutauschen und Veränderungen anzustoßen. Das Bündnis soll offen sein für Spitzenorganisationen anderer gesellschaftlicher Bereiche, die ebenfalls auf ehrenamtlichem Engagement gründen.


Gemeinsame Qualifizierung ehrenamtlich Aktiver

Die Anforderungen im Verwaltungsbereich von Vereinen sind gewachsen. Ehrenamtlich Aktive müssen komplexe Vorschriften und Managementaufgaben bewältigen. Dies reicht von steuerrechtlichen bis zu sozialversicherungsrechtlichen Fragen. Um den hohen Anforderungen im Verwaltungsbereich gerecht zu werden, müssen sich ehrenamtlich Aktive kontinuierlich fortbilden.

Der Deutsche Sportbund verfügt bereits über ein breit angelegtes verbandliches Qualifizierungssystem. Er wird dieses Qualifizierungssystem für ehrenamtlich Aktive auch dem Kulturbereich öffnen und die Mitgliedsorganisationen des Deutschen Kulturrates bei der Entwicklung eines eigenen Qualifizierungssystems unterstützen. Der Deutsche Sportbund und der Deutsche Kulturrat wollen gemeinsam Modellveranstaltungen durchführen und Materialien für die Ausbildung entwickeln, um die ehrenamtlich Aktiven zu informieren und ihnen Unterlagen für ihre Arbeit zur Verfügung zu stellen. Eine Zusammenarbeit in der Präsentation im Internet ist geplant.


Vertretung von gemeinsamen Zielen bei der Reform des Stiftungsrecht

De Reform des Stiftungsrechts ist eines der wichtigen Reformvorhaben in dieser Legislaturperiode der Bundesregierung. Private Finanzierungsmodelle für die Kultur wie für den Sport werden an Bedeutung gewinnen. Stiftungen können hier eine wichtige Funktion wahrnehmen. Ihre Arbeitsweise ist auf Dauer angelegt und nicht von kurzfristigen Haushaltsentscheidungen abhängig. Die Chancen von Bürgerinnen und Bürgern, sich in Stiftungen zu engagieren, müssen vergrößert werden, um das Potential für Stiftungen ausschöpfen zu können. Der Deutsche Kulturrat und der Deutsche Sportbund werden die gemeinsamen Ziele bei der Reform des Stiftungsrechts zusammen vertreten und sich für die Umsetzung von Reformen im zivil- und steuerrechtlichen Teil einsetzen.


Vertretung von gemeinsamen Interessen beim "ZVS-Nachteilsausgleich" für Spitzensportler und Spitzenmusiker

Talentierte Musiker und Sportler wenden während ihres Übens und Trainierens viel Zeit auf, um ihre jeweiligen Spitzenleistungen zu erreichen. Im Hinblick auf ihre schulischen Leistungen erleiden sie daher unter Umständen einen Nachteil. Andererseits findet die in ihrer jeweiligen Disziplin erbrachte Leistung eine gesellschaftliche Anerkennung durch staatliche Förderungen und Auszeichnungen sowie in der nationalen Vertretung bei internationalen Wettbewerben. Insofern berührt die persönliche Entscheidung zur Entwicklung von Spitzenleistungen auch übergeordnete Interessen.

Der Deutsche Sportbund und der Deutsche Kulturrat sehen sich in der gemeinsamen Verantwortung, die soziale Betreuung und Förderung dieser Talente anzustreben. Sie lehnen die Empfehlung des Unterausschusses an den Verwaltungsrat der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) ab, die bisher für Sieger des Bundeswettbewerbes "Jugend musiziert" - ein Projekt des Deutschen Musikrates - und Leistungssportler der A-, B- und C-Kader vorgesehenen Fallgruppen für den Nachteilsausgleich beim Hochschulzulassungsverfahren der ZVS zu streichen. Der Deutsche Kulturrat und der Deutsche Sportbund bitten die Bundesregierung, die seitherige Regelung für den ZVS-Nachteilsausgleich von talentierten Musikern und Sportlern beizubehalten.

Der Deutsche Kulturrat und der Deutsche Sportbund sehen im Spitzengespräch und in der gemeinsamen Erklärung die Basis für ein stärkeres Zusammenwirken in der Zukunft, soweit es die gemeinsamen Interessen beider Spitzenverbände betrifft. Zur Umsetzung der gemeinsamen Erklärung vereinbaren die Partner folgende Vorgehensweise:

  • Durchführung von regelmäßigen Konsultationen,
  • Benennung eines zuständigen Ansprechpartners in beiden Verbänden,
  • Abstimmung der gemeinsamen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei beiderseitig relevanten Themen,
  • bei Bedarf, die Absprache Ton gemeinsamen Strategien hinsichtlich der genannten bzw. zukünftig relevanter Themen."

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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 22 / 27. Mai 2014, S. 39
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
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veröffentlicht im Schattenblick zum 18. Juni 2014