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GESCHICHTE/444: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 245 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 11 / 11. März 2014
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1998/IV: Sport duldet keine Aufweichung der Anti-Doping-Strategie
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 245)

Eine Serie von Friedrich Mevert



In seiner Sitzung am 11. September 1998 befasste sich das DSB-Präsidium eingehend mit der Doping-Problematik, die in den vergangenen Monaten durch Vorgänge auf verschiedenen Ebenen des internationalen Sportgeschehens verstärkt in die öffentliche Diskussion geraten war. In einem einstimmig beschlossenen 11-Punkte-Katalog unterstrich die DSB-Führung, dass sie keine Aufweichung der Anti-Doping-Strategie des deutschen Sports wünscht und dass sie bereit ist, die erprobten Richtlinien des deutschen Sports auch in die internationale Diskussion einzubringen. Die Bundesregierung wurde gebeten, auf eine lückenlose Ratifizierung der Anti-Doping-Konvention des Europarates durch die Mitgliedsländer der EU hinzuwirken.

Die Erklärung hatte folgenden Wortlaut:

"1. Das Anti-Doping-System des deutschen Sports ist von allen olympischen Verbänden für den Wettkampfbereich akzeptiert worden. Im Bereich der Trainingskontrollen gibt es - mit Ausnahme des Deutschen Fußball-Bundes - ebenfalls eine fast flächendeckende Unterwerfung unter die auch vom Bundesministerium des Innern akzeptierte und mitgetragene Regelung.

2. Die als Modellversuch gestarteten Studien zur Blutuntersuchung, die noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, werden mittlerweile vom Deutschen Leichtathletik-Verband, dem Deutschen Ski-Verband, dem Deutschen Ringer-Bund, dem Deutschen Ruderverband, dem Deutschen Kanu-Verband, der Eisschnellauf-Gemeinschaft, dem Bundesverband Deutscher Gewichtheber sowie in Kürze auch vom Bund Deutscher Radfahrer mitgetragen. Es werden auf nationaler und internationaler Ebene intensive Studien zur Entwicklung einer Nachweismethode für die Verwendung von EPO durchgeführt.

3. Die gemeinsame Anti-Doping-Kommission von DSB und NOK für Deutschland (ADK) hat allen nicht-olympischen Verbänden die Unterwerfung unter die Wettkampfkontrollen dringend empfohlen; ca. 50 % der betroffenen Verbände sind nunmehr einbezogen.

4. Das Präsidium des Deutschen Sportbundes bittet die ADK, gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft eine noch zeitnähere Information gegenüber der Bundesregierung über die laufenden Doping-Kontrollen sicherzustellen.

5. Das Präsidium des Deutschen Sportbundes bittet die ADK, mit dem Bundesministerium des Innern die Forderungen nach Ausweitung der Dopingkontrollen im Zusammenhang der Finanzierungszusagen des Bundesministeriums des Innern gegenüber den beiden Doping-Labors zu diskutieren.

6. Das Präsidium des Deutschen Sportbundes stellt fest, dass mit der Änderung des Arzneimittelgesetzes ab dem 1.9.1998 ein wesentlicher Fortschritt bei der Bekämpfung des Dopings erzielt worden ist. Seither ist neben der entgeltlichen auch die unentgeltliche Weitergabe von Arzneimitteln zu Dopingzwecken (z.B. durch Ärzte und Trainer) unter Strafe gestellt.

7. Das DSB-Präsidium stellt fest, dass im Rahmen der Übungsleiter- und Trainerausbildung die Aufklärung und Information zum Anti-Doping-System verstärkt werden soll. Gleichzeitig bittet es die Sportminister-Konferenz und die Kultusminister-Konferenz, verstärkt zur Aufklärung über Doping in den Schulen beizutragen.

8. Das DSB-Präsidium unterstreicht, dass die Satzung des DSB aufgrund fehlender Zuständigkeiten gegenüber Athleten, Trainern und Verbandsfunktionären kein Ort ist, an dem Sanktionen gegen Doping-Missbrauch formuliert werden können. Sanktionen gegen Doping-Missbrauch liegen ausschließlich in der Verantwortung der Verbände.

9. Das DSB-Präsidium erklärt, dass es auch zukünftig keine Aufweichung der Anti-Doping-Richtlinien des deutschen Sports dulden wird.

10. Das Präsidium des Deutschen Sportbundes unterstützt nachhaltig jede Bemühung des IOC, die geeignet ist, die Anti-Doping-Bemühungen auf internationaler Ebene voranzutreiben. Es erklärt seine Bereitschaft, über die ADK des deutschen Sports mit einer etwaigen Anti-Doping-Agentur zusammenzuarbeiten, um die erprobten Richtlinien des deutschen Sports auch in die internationale Diskussion einzubringen. Das Präsidium wird darauf hinwirken, dass es alsbald zur allgemeinen Anerkennung des Medical Code des IOC kommt.

11. Das Präsidium des Deutschen Sportbundes bittet die Bundesregierung, auf eine lückenlose Ratifizierung der Anti-Doping-Konvention des Europarates durch die Mitgliedsländer der EU hinzuwirken."

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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 11 / 11. März 2014, S. 30
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
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veröffentlicht im Schattenblick zum 19. März 2014