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GESCHICHTE/441: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 242 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 7 / 11. Februar 2014
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1998/I: Kanzler Kohl: "Sportförderung ist eine wichtige Aufgabe der Politik"
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 242)

Eine Serie von Friedrich Mevert



In einem Grundsatzbeitrag für das Jahrbuch des Sports 1998/99 des Deutschen Sportbundes hat Bundeskanzler Helmut Kohl die Bedeutung des organisierten Sports in seiner gesamten Bandbreite und die notwendige Förderung herausgestellt.

Dieser Beitrag hat folgenden Wortlaut:

"1998 ist für die Freunde des Sports ein ereignisreiches Jahr. Im In- und Ausland findet eine Vielzahl sportlicher Veranstaltungen statt, die sich in unserem Land besonderer Aufmerksamkeit erfreuen. So haben die Olympischen Winterspiele und die Winter-Paralympics in Nagano im Februar und März viele Menschen gerade auch in der Bundesrepublik Deutschland in ihren Bann gezogen. Unsere Aktiven haben sich in Japan in jeder Hinsieht glänzend präsentiert. Sie waren überaus erfolgreich in den Wettbewerben und zugleich hervorragende Botschafter unseres Landes.

Die Freunde des Fußballs fiebern mit großer Spannung der Fußball-Weltmeisterschaft im Juni und Juli in Frankreich entgegen. In dem vierwöchigen Turnier werden 32 Teams um den Titel kämpfen. Die deutsche Nationalmannschaft um Berti Vogts wird gut vorbereitet nach Frankreich fahren. Ich bin überzeugt, dass auch unsere Fußballer die Bundesrepublik Deutschland sportlich und menschlich in hervorragender Weise vertreten werden. Wir alle drücken ihnen fest die Daumen. Das gilt auch für unsere Teilnehmer an den anderen internationalen Sportveranstaltungen. Unsere Athleten gehören in vielen Bereichen zur Weltspitze. Darauf können wir stolz sein.

Die Bundesregierung unterstützt den Leistungssport auf vielfältige Weise. Die finanziellen Hilfen belaufen sich allein in diesem Jahr auf insgesamt 360 Millionen D-Mark. Ziel ist es, die Chancen der deutschen Aktiven bei internationalen Wettkämpfen zu verbessern und ihnen die gleichen Voraussetzungen zur Verfügung zu stellen, über die auch Sportlerinnen und Sportler anderer Staaten verfügen. Zugleich setzen wir durch die Förderung von sportlichen Spitzenleistungen ein deutliches Zeichen: Wir sagen "Ja" zu Eliten. Unser Land braucht Eliten, das heißt, Frauen und Männer, die bereit und in der Lage sind, aus eigenem Willen Überdurchschnittliches zu leisten und ein hohes Maß an Verantwortung zu übernehmen. Dies gilt für alle Bereiche der Gesellschaft - für Kultur und Wirtschaft, für Bildung und Wissenschaft, für gesellschaftliches Engagement und nicht zuletzt für den Sport.

Allerdings setzen wir dabei nicht auf Leistung um jeden Preis. Die Menschlichkeit in unserer Gesellschaft darf nicht auf der Strecke bleiben. Für den Sport bedeutet dies ganz konkret, dass die Bundesregierung nur einen doping- und manipulationsfreien, also einen gesundheitlich und pädagogisch verantwortbaren Sport fördert. Der Spitzensport macht nur einen kleinen Teil des Sportgeschehens in unserem Land aus. Mehr als 26 Millionen Menschen, das ist fast ein Drittel der Bevölkerung, gehören Sportvereinen an. Es ist eine wichtige Aufgabe der Politik, auch den Breitensport zu fördern. Hier sind die Länder und Kommunen in der Pflicht. Insbesondere die Städte und Gemeinden müssen die dafür notwendige Infrastruktur bereitstellen.

Jeder weiß, dass alle öffentlichen Haushalte unter enormen Sparzwängen stehen. In vielen Bereichen kommen wir nicht umhin, Einsparungen oder Umstrukturierungen vorzunehmen. Gleichzeitig müssen alle, die politisch Verantwortung tragen, sorgsam darauf achten, dass Bewährtes - vor allem in Bereichen, die unsere Kinder und Jugendlichen für ihre Entwicklung brauchen - nicht zerschlagen wird. Der Sport gehört ganz ohne Zweifel dazu.

Aber auch der Sport muss neue Wege gehen, um seine Kosten tragen zu können. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe bat für den Bereich des Spitzensports ein neues Konzept entworfen, um in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zusätzliche Sponsorengelder zu akquirieren und damit ihre künftige Arbeit auf ein gesichertes finanzielles Fundament zu stellen. Ein solches Konzept lässt sich natürlich nicht nahtlos auf den einzelnen Verein vor Ort übertragen. Aber auch dort wird das Sponsoring immer wichtiger und immer attraktiver. Eine stärkere Kooperation von Sport und Wirtschaft bietet sich für beide Bereiche bei gleichen Zielen und Interessen an. Die Bundesregierung wird sich weiterhin auf gute und verlässliche Rahmenbedingungen einsetzen, damit die Sportverbände auch in Zukunft Spitzenereignisse zentral vermarkten können. Dies ist für Verbände wichtig, aber viel mehr noch für die Nachwuchsförderung und für den Ausgleich zwischen Spitzen- und Breitensport.

Ein besonders gelungenes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Sport und Wirtschaft ist das Engagement des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes zugunsten Sportbetonter Schulen. Dort erhalten junge Sportlerinnen und Sportler optimale Möglichkeiten, Training und Schule miteinander zu verbinden. Der Betrag von jährlich einer Million D-Mark ist ein willkommener Beitrag zur Talentförderung und eine hervorragende Investition in die Zukunft.

Die finanzielle Förderung des Sports ist wichtig - aber Geld ist nicht alles. Der Sport lebt davon, dass sich immer wieder Frauen und Männer finden, die ehrenamtlich Aufgaben übernehmen. Mehr als 2,5 Millionen Menschen engagieren sich in Vereinen unentgeltlich und sorgen dafür, dass "der Betrieb läuft". Sie tun dies aus Freude an der gemeinsamen Sache und aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihren Mitmenschen. Gerade im Sport zeigt sich, dass das Ehrenamt - allen Unkenrufen zum Trotz - lebt.

Die Leistung dieser Menschen verdient unsere besondere Anerkennung. Ihr ehrenamtliches Tun ist gelebte Demokratie. Zugleich braucht der Sport natürlich das Hauptamt. Auch hier wird in unserem Land Herausragendes geleistet. Beide, Ehrenamt und Hauptamt, ergänzen einander, sie verfolgen die gleichen Ziele. Im Interesse des Sports brauchen wir ein gutes und konstruktives Miteinander, damit es in der Bundesrepublik Deutschland auch in Zukunft ein vielfältiges und lebendiges Sportgeschehen gibt. Ich danke allen, die sich beherzt für den Sport in unserem Land einsetzen."

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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 7 / 11. Februar 2014, S. 19
Der Artikel- und Informationsdienst des
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veröffentlicht im Schattenblick zum 19. Februar 2014