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GESCHICHTE/433: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 235 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 49 / 3. Dezember 2013
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1997/III: Europas Sportjugend rückt näher zusammen
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 235)

Eine Serie von Friedrich Mevert



Die durch eine Initiative der Deutschen Sportjugend (dsj) im März 1971 im Vorfeld der Olympischen Spiele 1972 in München begründete Europäische Sportjugendkonferenz beriet bei ihrer Tagung vom 13. bis 17. August 1997 im norwegischen Bergen mit Jugendvertretern der nationalen Sportorganisationen aus 16 europäischen Ländern - darunter acht dsj-Delegierte - aktuelle Probleme der europäischen Jugend- und Sportpolitik. Die Konferenz verabschiedete eine Resolution, in der alle Mitgliedsländer aufgefordert wurden, den Sportjugendbewegungen in ihren Organisationen einen eigenständigen Rahmen zu bieten. Das dsj-Vorstandsmitglied Wilfried Theessen erklärte, damit sei ein wichtiger Schritt in Richtung zur Anerkennung einer Europäischen Sportjugendbewegung getan worden. Die deutsche Übersetzung der in englischer Originalfassung verabschiedeten Resolution von Bergen hat folgenden Wortlaut (Auszüge):

"Sport ist bei weitem der größte Treffpunkt für Kinder und Jugendliche in Europa, und zwar über die nationalen Grenzen hinaus. Wir, die Vertreter dieser Konferenz, müssen sowohl alle unsere jeweiligen Sportverbände als auch die internationalen Gremien des Sports aktiv ermutigen und beeinflussen, die Angelegenheiten der Jugendlichen auf die Tagesordnung zu setzen.

Ein europäisches Jugendsportgremium mit dem Ziel einer besseren Zusammenarbeit und Förderung von Jugendsportangelegenheiten muss gegründet werden.

Die Jugend verkörpert die Zukunft des Sports und hat ihre eigenen Erfahrungen und Beiträge, die die innere Entwicklung des Sports und der körperlichen Betätigung unterstützen werden, auch im Hinblick darauf, dass sie nach außen ein noch wichtigerer und wesentlicherer Bestandteil unserer Gesellschaft wird. Dieses Ziel wird von uns mit folgenden Maßnahmen angestrebt:

Wir brauchen ein differenziertes, tragfähiges sportliches Umfeld, das zu erhöhter Beteiligung, Engagement und Mitbestimmung anregt und Möglichkeiten für ein anhaltendes Interesse am Sport schafft, gemäß der eigenen Wahl, der eigenen Fähigkeit und dem Bedürfnis des Teilnehmers. Es geht um gleiche Chancen für alle.

Wir setzen uns dafür ein, dass die Aufnahme des Sports als ein selbständiger und wesentlicher Bestandteil aller Jugendprogramme sowohl national als international und auf diese Weise als größte Jugendbewegung in Europa akzeptiert wird.

Wir wollen Sportarten, die Möglichkeiten zur Teilnahme, Mitbestimmung und Entwicklung zur persönlichen Höchstleistung auch für unterschiedlich Befähigte anbieten. Es geht um Sport auf der Grundlage von ethischen und moralischen Werten, die nicht nur allgemein von der Gesellschaft akzeptiert werden, sondern das Fundament der Gesellschaften sein sollten, in denen wir künftig leben wollen. (...)

Gesundheit, Sicherheit und Wohlergehen der Jugendlichen sollten gegenüber dem Streben nach Medaillen und hervorragenden Leistungen im Sport Vorrang haben. Die Basis sollte Spass, Freude und soziale Sicherheit sein. Erst danach sollten Forderungen nach Leistung und Spitzenleistung kommen. (...)

Wir haben einen Kulturkreis, in dem sich die Jugendlichen auf allen Ebenen an Entscheidungsprozessen beteiligen.

Wir fordern Einfluss von Jugendlichen auf ihre eigene Teilnahme am Sport und auf die politischen Entscheidungsebenen der Sportverbände. (...)

Wir brauchen nationale und internationale Sportverbände, die die Jugendlichen an der Entwicklung von Ratschlägen und Richtlinien teilhaben lassen, die die Teilnahme an Wettkämpfen im Sport regeln. (...)

Es geht um eine Bewegungserziehung von Kindern, die über die Vermittlung von motorischen Grundfertigkeiten des Sports in die unterschiedlichen Sportarten einführt. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass sich die Kinder nicht in einem zu jungen Alter spezialisieren. (...)

Eine Beschränkung der Wettkampfreisen ist nötig. Demnach sollten die Wettkämpfe für Kinder unter 13 Jahren vorrangig heimatnah stattfinden. Wir setzen uns ein für das Langzeitziel der Altersregelung für größere Meisterschaften, um das Wohlergehen der jungen Menschen zu berücksichtigen und das Interesse der Kinder in den Vordergrund zu stellen. (...)

Wir fordern die Einführung eines gemeinsamen unteren Alterslimits zum Abschluss von Trainer- und Profi-Verträgen mit einer Sportorganisation. (...)

Nötig ist eine effektivere Kommunikation und Zusammenarbeit der europäischen Sportorganisationen, um mehr Einheitlichkeit und Klarheit zu erzielen und dabei unnötige Doppelarbeit bei wichtigen Initiativen zu vermeiden. (...)

Wichtig sind verstärkte Bemühungen bezüglich der Entwicklung von guten Trainern und Managern für den Jugendsport. (...)

Wir fordern ausreichende Einflussnahme unserer Sportverbände auf die nationalen Regierungen und zuständigen Stellen mit dem Ziel, ausreichende und angemessene Sportanlagen sowohl für den nicht-organisierten als auch für den organisierten Sport bereitzustellen und Jugendlichen und Kindern den notwendigen Zugang dazu zu ermöglichen.

Notwendig ist die Schaffung von Verbindungen zwischen den Sportorganisationen und dem Schulsystem auf lokaler, regionaler und zentraler Ebene in Zusammenarbeit mit den zuständigen staatlichen Stellen.

Wir wollen einen Sport, der so umweltfreundlich wie möglich sein sollte. Eine nachhaltige Entwicklung in vollem Umfang sollte die Grundlage bei der Entwicklung des Jugendsports sein."

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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 49 / 3. Dezember 2013, S. 30
Der Artikel- und Informationsdienst des
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veröffentlicht im Schattenblick zum 7. Dezember 2013