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GESCHICHTE/423: Im Oktober vor 50 Jahren - Glanzvolle Olympische Tage in Baden-Baden (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 41 / 8. Oktober 2013
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Im Oktober vor 50 Jahren: Glanzvolle Olympische Tage in Baden-Baden

von Friedrich Mevert



Eigentlich hätte die 60. Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Oktober 1963 in der kenianischen Hauptstadt Nairobi stattfinden sollen, doch dann versagte Kenias Regierung der Delegation aus Südafrika wegen der Rassenpolitik des damaligen Apartheid-Regimes die Einreisegenehmigung. Als auch Kenias Präsident Jomo Kenyatta in einem Telefonat mit IOC-Präsident Avery Brundage nicht bereit war, die notwendigen Visa zu erteilen, sagte das IOC konsequenterweise Nairobi als Austragungsort ab, hatte aber Mühe, in dem verbliebenen kurzen Zeitraum einen geeigneten Gastgeber zu finden.

Da half der Präsident des DSB und NOK für Deutschland, Willi Daume, dem IOC-Exekutivkomitee aus der Verlegenheit, indem er seinen seinerzeitigen Wohnort Baden-Baden als Austragungsort anbot, eine Geste, die sich schon drei Jahre später - 1966 in Rom - bei der Bewerbung Münchens für die Olympischen Spiele 1972 positiv auswirkte.

Die vom 14. bis 20. Oktober in dem weltbekannten Kurort am Schwarzwald stattfindende 60. Session des IOC stellte dann den unbestrittenen Höhepunkt des Sportjahres 1963 dar. Das von Willi Daume und seinem Mitarbeiterteam von DSB und NOK glänzend vorbereitete Olympische Treffen war ein IOC-Kongress der harten Arbeit, aber auch der gesellschaftlichen Höhepunkte.

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Session zählten u.a. die Wahl von Mexico-City als Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1968, die Bestätigung der gesamtdeutschen Mannschaft für Innsbruck und Tokio 1964, die Beibehaltung der Nationalhymnen bei Olympischen Siegerehrungen, die Zulassung Nordkoreas zu den Olympischen Spielen und die Verleihung von Olympischen Diplomen, darunter auch an den deutschen Schriftsteller Rudolf Hagelstange.

Die Versuche des Olympischen Komitees der DDR, die gesamtdeutsche Mannschaft für die Olympischen Spiele in Innsbruck und Tokio zu sprengen, schlugen fehl. Ebenso wenig wurde die provisorische Aufnahme des ostdeutschen NOKs in eine vollgültige Mitgliedschaft im IOC umgewandelt. Zunächst müsse - so das IOC - die DDR beweisen, dass sie alle Auflagen zur Bildung der gesamtdeutschen Mannschaft erfülle, dann könne nach Tokio der Zusatz "provisorisch" gestrichen werden. Die 60. Session, so kann man es heute beurteilen, war eine der letzten IOC-Tagungen in familiärer und fast intimer Atmosphäre, in der auch die Schatten der Südafrika-Frage, das Nordkorea-Problem, die GANEFO-Drohungen und die Ostblock-Forderung nach der sportlichen Teilung Deutschlands nicht übermächtig wurden. Für Willi Daume und seine ehren- und hauptamtlichen Helfer bedeuteten die Baden-Badener Tage weltweite hohe Anerkennung und einen Gewinn, der sich nicht zuletzt bei der positiven Entscheidung für die Münchner Bewerbung für die Spiele 1972 deutlich bemerkbar machte.

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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 41 / 8. Oktober 2013, S. 26
Der Artikel- und Informationsdienst des
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veröffentlicht im Schattenblick zum 16. Oktober 2013