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GESCHICHTE/375: Vor 25 Jahren in Berlin - DSB-Kongress "Menschen im Sport 2000" (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 44 / 30. Oktober 2012
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Vor 25 Jahren in Berlin: DSB-Kongress "Menschen im Sport 2000"

Von Friedrich Mevert



Es sollte nach der Absicht des Veranstalters DSB und seiner Führungsgremien ein Kongress der Vereine und Verbände des bundesdeutschen Sports werden und der in ihnen vertretenen Bereiche vom Leistungs- und Breitensport bis zum Behindertensport und der Altersgruppen von der Sporterziehung im Vorschulbereich bis zum Alterssport. Ziel des Kongresses war es, die in den kommenden Jahrzehnten zu erwartenden sportlichen und die den Sport berührenden gesellschaftspolitischen Entwicklungen zu diskutieren, Chancen und Gefahren dieser Entwicklungen für die Zukunft des Sports miteinander zu beraten und Projekte und Maßnahmen aufzuzeigen, um diese Entwicklung positiv beeinflussen zu können.

Der Wissenschaftliche Beirat des Deutschen Sportbundes hatte bereits im Jahr 1982 nähere Überlegungen zu einem solchen Kongress angestellt und 1985 dem DSB-Präsidium die Durchführung empfohlen, "um seine (des DSB) Stellung innerhalb der Gesellschaft, sein Wirken, seine Programme und Perspektiven seiner zukünftigen Entwicklung vor einer größeren Öffentlichkeit darzustellen". Über den Tag hinaus sollte der Blick in die Zukunft gerichtet werden, denn zunehmende Kommerzialisierung, drohender Verlust von Eigenständigkeit, Gefahren für die ethischen Werte des Sports, Ausweitungen der Wettkampfsysteme, wachsende Gewalt, Aggression und Unfairness, demographische Veränderungen in der Bevölkerung und Strukturprobleme bis hinunter in die Vereine waren nur einige der Problembereiche und Fragen, auf die Antworten und Lösungsvorschläge erarbeitet werden sollten.

Zwei Jahre dauerten die konkreten Vorbereitungen des hochkarätig besetzten Organisationskomitees unter der Leitung von Prof. Ommo Grupe und des Programmausschusses unter dem Vorsitz von Prof. Klaus Heinemann. Mit 1.500 Teilnehmern hatte man für den vom 5. bis 7. November 1987 terminierten Kongress beim DSB gerechnet. Als DSB-Präsident Hans Hansen die dreitägige Veranstaltung am Nachmittag des 5. November im Internationalen Congress-Center (ICC) in Berlin eröffnete, hatten sich rund 2.000 Interessenten in der damals noch geteilten deutschen Hauptstadt eingefunden, für die vom Wissenschaftlichen Beirat ein Materialienband "Die Zukunft des Sports" erarbeitet worden war.

Nach den Grußansprachen von Bundespräsident Richard von Weizsäcker ("Breitensport und Spitzensport gehören zueinander"), Berlins Regierendem Bürgermeister Eberhard Diepgen ("Sport soll Spiel und Spaß bleiben") und Berlins LSB-Präsident Manfred von Richthofen ("Der Sport hat den Menschen zu dienen"), nach zwei Grundsatzreferaten von Prof. Hermann Lübbe und Prof. Grupe und drei Problemreferaten von Prof. Heinemann, Hans Schaible und Johannes Eulering folgten parallel 14 Arbeitskreise, die es manchem Teilnehmer schwermachten, sich für ein bestimmtes Thema zu entscheiden. Der Schlusstag brachte vor dem Plenum zwei Sportpolitische Foren mit Podiumsdiskussionen und eine Zusammenfassung der Kongressergebnisse, wobei Hans Zehetmaier (Präsident der Sportministerkonferenz der Länder) "Gesellschaftspolitische Konsequenzen" vortrug und Prof. Helmut Engler (Präsident der Kultusministerkonferenz) "Bildungspolitische Konsequenzen", während - abschließend - DSB-Präsident Hans Hansen "Sportpolitische Konsequenzen" zog.

Das Echo auf den Kongress und seine Ergebnisse, die der DSB in einer 415-seitigen Dokumentation "Menschen im Sport 2000" veröffentlichte, war natürlich unterschiedlich und reichte von einer Beurteilung als "sportlichem Gemischtwarenladen mit einem Überangebot" bis hin zu zahlreichen positiven Stimmen, dass schon allein die mahnende Rückbesinnung auf die Werte und Aufgaben des Sports die Teilnahme wert gewesen sei. Die Aufarbeitung der Aussagen und Feststellungen von Berlin erfolgte in den Bundesausschüssen des DSB und sollte auch in Folgekongressen auf der Landes- bzw. LSB-Ebene erfolgen, doch geschah das leider nicht überall. Doch bei allen kritischen Stimmen, die nach Großveranstaltungen ähnlicher Art ebenso laut werden, ist sicherlich festzustellen, dass der Berliner Kongress 1987 in der Geschichte des DSB einen besonderen Markstein darstellt und auch viele Denkanstöße für die weitere Sportentwicklung in Deutschland und darüber hinaus vermittelte.

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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 44 / 30. Oktober 2012, S. 40
Der Artikel- und Informationsdienst des
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veröffentlicht im Schattenblick zum 16. November 2012