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GESCHICHTE/357: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 171 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 27-29 / 3. Juli 2012
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1987/VI: Hauptausschuss beschließt Leitsätze für internationale Aufgaben
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 171)

Eine Serie von Friedrich Mevert



Zu einem Zeitpunkt, an dem die internationale Sportpolitik in der Arbeit von DSB und NOK immer größere Bedeutung gewann und auch die Abstimmung und Kooperation zwischen DSB und NOK in internationalen Fragen engere Formen annahm, galt es für die Gremien des deutschen Sports, einen besonderen Rahmen für diese Aufgaben zu beraten und zu beschließen. Zuarbeit und Mitwirkung in den internationalen Organisationen auf Weltebene - neben dem IOC und seinen Gremien - umfasste mittlerweile Institutionen wie die Sportministerkonferenz der UNESCO (MINEPS), den Zwischenstaatlichen Ausschuss für Leibeserziehung und Sport (CIGEPS), die Internationale Vereinigung für nationale Sportorganisationen (IANOS) sowie diverse sportwissenschaftliche Organisationen. Hinzu kamen auf europäischer Ebene Institutionen wie die Europäische Sportkonferenz (ESK), die vom 26. September bis 2. Oktober 1987 in Athen ihre 8. Konferenz zum Thema "Sport und Kultur" durchgeführt hatte und in deren ständigen Arbeitskreisen der DSB engagiert mitwirkte, sowie - um nur die wichtigste aufzuführen - der sog. NGO-Club als Kooperationsgruppe der nationalen Sportverbände auf der Ebene des Europarats, aus dem sich dann wenige Jahre später die ENGSO (European Non-Governemental Sports Organizations) entwickelte.

Schließlich galt es zu diesem Zeitpunkt auch, im Rahmen einer Arbeitsgruppe auf EG-Ebene (der Vorstufe der EU) erste Ansätze für eine EG-Sportpolitik zu diskutieren. Die wachsenden bilateralen Kontakte des DSB und die Sportförderung für die Entwicklungsländer, die auf Bundesebene in einem sog. Interministeriellen Ausschuss von Auswärtigem Amt (AA), BMI, BMZ und GTZ seitens des Bundes und DSB, NOK und DFB seitens des Sports, beraten wurde, war ein weiteres wichtiges Aufgabengebiet.

Es folgen die "Leitsätze für internationale Aufgaben", die der Hauptausschuss des DSB in Abstimmung mit dem NOK am 5. Dezember 1987 in Frankfurt/Main beschloss:

"Grundlagen

Der Deutsche Sportbund (DSB), das Nationale Olympische Komitee für Deutschland (NOK) und ihre Mitgliedsorganisationen bekennen sich zum freien Recht aller Sportler, in gegenseitiger Achtung ungehindert von staatlicher oder zwischenstaatlichen Auflagen, unabhängig von Rassen und Religionen sowie von politischen Auffassungen und gesellschaftlichen Systemen miteinander Sport zu treiben.

Der DSB, das NOK für Deutschland und ihre Mitgliedsorganisationen respektieren in bewährter Gepflogenheit die organisatorischen Strukturen und Bindungen ihrer ausländischen Partner. Sie gehen davon aus, dass dies auch umgekehrt geschieht, und sind grundsätzlich offen für die Beziehungen mit Sportlern aus allen Ländern. Der internationale Sportverkehr benötigt liberale Regeln, ohne staatlichen Dirigismus und restriktive Bürokratie, wenn er die Prinzipien eines freizügigen Austausches einhalten, vertrauensbildende Maßnahmen gestalten und die friedlichen Ziele des Sports fördern will.

Es gehört zu den satzungsmäßigen Aufgaben des Deutschen Sportbundes, den Sport in überverbandlichen und überfachlichen Angelegenheiten auch auf internationaler Ebene zu vertreten und damit zusammenhängende Fragen zum Wohle seiner Mitgliedsorganisationen zu regeln.

Deren finanzielle, fachliche und organisatorische Zuständigkeiten bleiben hiervon unberührt. Das NOK dient der Verbreitung des olympischen Ideengutes in allen seinen Erscheinungsformen. Es bereitet die Teilnahme des deutschen Sports an Olympischen Spielen vor und führt die Aufgaben durch, die den Nationalen Olympischen Komitees vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gestellt werden. Es pflegt Kontakte mit den NOKs in der ganzen Welt. In allen Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse arbeiten der DSB und das NOK für Deutschland zum Wohle des gesamten Sports zusammen.

In den Zuständigkeitsbereich des Deutschen Sportbundes, des NOK für Deutschland und ihrer Mitgliedsorganisationen fällt auch Berlin (West). Der Landessportbund Berlin ist Gründungsmitglied des DSB; seine Landesfachverbände gehören den Spitzenverbänden des DSB an. Diese Integration wird vom IOC, den Internationalen Föderationen und den ausländischen Vertragspartnern anerkannt.


Internationale Sportpolitik

Der DSB pflegt innerhalb seiner Zuständigkeit gute und regelmäßige Verbindungen zu allen wichtigen nationalen Dachorganisationen und überfachlichen internationalen Vereinigungen des Sports. Der DSB unterstützt alle sinnvollen Bemühungen zum Auf- und Ausbau unabhängiger Sportstrukturen. Zu seinen vorrangigen internationalen Aufgaben zählt die aktive Mitarbeit im informellen Arbeitskreis der regierungsunabhängigen Sportdachorganisationen in Europa (NGO-Club).

Unbeschadet dessen sieht der DSB in der von ihm mitgegründeten Europäischen Sportkonferenz (ESK) das wichtigste internationale sportpolitische Forum Europas. Er ist bestrebt, durch intensive Mitarbeit in der ESK zu ihrer langfristigen Stärkung beizutragen.

Die konstruktive Mitarbeit des DSB beim Europarat und bei der UNESCO ist aus dem Geist der internationalen Solidarität im Sport geboten. Sie geschieht in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Regierungsstellen auf Bundes- und Länderebene.

Der deutsche Sport erstrebt gute Verbindungen zum Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Sie werden grundsätzlich vom NOK für Deutschland im Rahmen seiner Satzung sowie der Olympischen Charta wahrgenommen, sofern es die satzungsgemäße Vertretung seiner Mitglieder erfordert. Gleiches gilt für die Beziehungen zu den anderen vom IOC anerkannten NOKs und zu ihren Zusammenschlüssen auf kontinentaler und globaler Ebene. In allen Fragen von grundsätzlicher Bedeutung für den deutschen Sport stimmt sich das NOK mit dem DSB ab. Der moderne Sport in seiner vielfältigen Form bedarf der begleitenden wissenschaftlichen Beratung .In diesem Sinne unterstützen DSB und NOK für Deutschland die Arbeit des Weltrates für Sportwissenschaft und Leibeserziehung (ICSSPE) und anderer Organisationen in diesem Bereich.

Seine besondere Aufmerksamkeit widmet der Deutsche Sportbund der größtmöglichen personellen Präsenz in internationalen Sportorganisationen.Der DSB unterhält ein "Internationales Büro", zu dem führende deutsche Vertreter bei den internationalen Föderationen zum regelmäßigen Erfahrungs- und Informationsaustausch zusammentreffen.


Spitzensport

Die Organisation des internationalen Wettkampfverkehrs - vor allem die Teilnahme an und die Durchführung von internationalen Ereignissen wie Welt- und Europa-Meisterschaften oder vergleichbaren Veranstaltungen - obliegt den Spitzenverbänden. Im Hinblick auf die Olympischen Spiele arbeiten sie eng mit dem NOK für Deutschland zusammen. Darüber hinausgehende überfachliche und überverbandliche Kontakte werden vom DSB im Interesse und zum Wohle der Spitzenverbände wahrgenommen.


Breiten- und Freizeitsport

Der deutsche Sport ist auch für das Ausland ein zunehmend begehrter Gesprächspartner und Ratgeber in Fragen des Breiten- und Freizeitsports (Sport für Alle).D er DSB bleibt bemüht, international wirksame Maßnahmen seiner Mitgliedsorganisationen zur Förderung des Sports für Alle nachdrücklich zu unterstützen.

Darüber hinaus bietet er seine Mitarbeit auf überfachlicher und überverbandlicher bilateraler Ebene ebenso an wie in internationalen Organisationen und Konferenzen, die der weiteren Entwicklung dieses Programms - unter Einschluss der damit verbundenen Ausbildungsfragen - dienen.


Jugendsport

Die Völkerverständigung durch den Sport zu fördern ist das Ziel der internationalen Jugendarbeit der Deutschen Sportjugend im DSB (dsj). Die dsj unterstützt daher insbesondere Jugendbegegnungs-, -austausch- und -förderungsmaßnahmen, die sporttreibende Jugendliche aus verschiedenen Ländern und Regionen zusammenführen, die dem besseren gegenseitigen Verständnis für andere Kulturen und Lebensbedingungen dienen, und die persönliche Beziehungen zwischen jungen Menschen aller Länder aufbauen helfen.


Sportförderung mit Ländern der Dritten Welt

Aus dem Geist internationaler Solidarität bietet der deutsche Sport seine Hilfe den Ländern an, in denen der Sport bisher nur unzulänglich entwickelt ist. Er geht dabei von der Erkenntnis aus, dass der Sport wichtige flankierende Hilfen zur freien Entfaltung der Persönlichkeit und zur Gestaltung einer humanen Gesellschaft leisten kann. Der DSB und das NOK für Deutschland sehen es im Zusammenwirken mit ihren Mitgliedsorganisationen sowie den beteiligten staatlichen Institutionen und gesellschaftlichen Organisationen als eine vorrangige Aufgabe an, die vielfältigen Bemühungen zur Förderung des Sports in der Dritten Welt zu koordinieren."

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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 27-29 / 3. Juli 2012, S. 22
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
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veröffentlicht im Schattenblick zum 19. Juli 2012