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GESCHICHTE/350: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 167 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 23 / 5. Juni 2012
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1987/II: Umfrage: Spitzensportler lehnen Olympische Spiele für Profis ab
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 167)

Eine Serie von Friedrich Mevert



Interessante Ergebnisse brachte im vorolympischen Jahr 1987 eine Umfrage, die die Stiftung Deutsche Sporthilfe (DSH) gemeinsam mit dem Magazin SPORTS durchführte. An der Befragung nahmen 999 Sportlerinnen und Sportler der A- und B-Kader aus 50 Sportarten teil. Die Ergebnisse der Befragung sollten der DSH auch als Planungsgrundlage für die künftigen Förderungsmaßnahmen dienen. Die Sporthilfe veröffentlichte die wichtigsten Ergebnisse:

"Der deutsche Spitzenathlet ist ledig (82,1 %), lebt bei seinen Eltern (41,9 %) oder in Gemeinschaft mit einem festen Partner (30,1 %). Er hat einen überproportional hohen Bildungsgrad (Abitur 50,7 %), ist Student (32,8 %) oder arbeitet in seinem erlernten Beruf (26,5 %). Seine Eltern sind sehr sportfreundlich eingestellt (87,9 %) waren bzw. sind selbst Sportler). Im Alter von 15 Jahren ( ± 4,3 Jahre) fasste er den Entschluss, ernsthaft und gezielt Leistungssport zu betreiben; beeinflusst haben ihn Verein/Trainer (68 %), Eltern (43 %), Idole (26 %) - weniger der Schulsport (9 %). Eltern, Sporthilfe, Trainer und Verein haben den Spitzensportler im Verlauf seiner Karriere am meisten unterstützt - im Gegensatz etwa zu Schule und Hochschule.


Motivation und Ziele:

Die Hauptmotivationsquellen zur Ausübung des Spitzensports liegen im Spitzensportler selbst: Selbstbestätigung (71 %), Lust an der Leistung (68 %), Siegeswille (55 %) sowie in sozialen Motiven wie internationale Begegnungen (55 %), Reisen (52 %) und Freundschaften (51 %). Höhere Sporthilfe-Zuwendungen sowie Start- und Preisgelder/Werbeverträge spielen nur für 10 % eine Rolle. Höchstes sportliches Ziel ist der Olympia-Sieg 51,5 %), das Erreichen der eigenen Leistungsgrenzen (20,5 %) und der Weltmeistertitel (18,7 %). Für ihre sportliche Karriere würden 57,9 % den Wohnort und 80,8 % den Verein wechseln.


Training und Unterstützung:

37,5 % werden regelmäßig von den Eltern unterstützt; nur 8,7 % könnten völlig unproblematisch auch ohne Unterstützung der Sporthilfe ihren Spitzensport ausüben; 53,7 % hätten Probleme, und für 37,4 % ist Spitzensport ohne die Sporthilfe völlig ausgeschlossen. 65,6 % fühlen sich durch die finanzielle Förderung der Sporthilfe zur Leistung motiviert, 24,4 % verpflichtet und 14,3 % machten ihre Motivation/Verpflichtung von der Förderungshöhe abhängig. 37,4 % empfinden ihre sportliche Tätigkeit eher als Arbeit und nicht als Hobby. Den Anteil des Trainers am Erfolg schätzen 62,4 % groß bis sehr groß ein. 29,2 % fühlen sich aber nach einem Versagen im Wettkampf stark bis sehr stark alleingelassen. Nur 3,9 % aller Befragten würden grundsätzlich lieber von einer Frau trainiert werden.


Gesundheit und Doping:

Die sportärztliche und sportphysiotherapeutische Betreuung wird mehrheitlich als mittelmäßig bis sehr schlecht beurteilt. 62,2 % werden nur zweimal pro Jahr routinemäßig untersucht. 16,8 % befürchten sportbedingte Dauerschäden und 42,3 % können diese noch nicht genau absehen. Die Athleten verlangten nach mehr Information, Aufklärung, Zuwendung, Verständnis. Das Doping-Reglement halten 71,5 % für richtig, 8,9 % für zu übertrieben und 18,1 % für zu nachlässig. 30,1 % glauben, dass jemand, der keine Dopingmittel nimmt, in seiner Sportart benachteiligt ist (Leichtathletik Frauen 80 %; Wintersport Frauen 77,8 %). (...).


Sportler und Gesellschaft:

87,1 % fühlen sich bei Wettkampfreisen im Ausland als Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland. Beim Abspielen der Nationalhymne sind 31,2 % berührt und 53,9 % ergriffen und stolz. 0,5 % ist es eher peinlich und bei 8,4 % werden zwiespältige Gefühle erzeugt. 64,2 % fühlen sich in ihrer Rolle als Leistungssportler gesellschaftlich völlig akzeptiert und 47,9 % einer Elite zugehörig. Als sportliches Vorbild sehen sich 67,4 %, als gesellschaftliches Vorbild hingegen nur 22,9 %; den DDR-Sportler beneiden um sein höheres Ansehen in der Gesellschaft 20 %.


Olympische Spiele und Profitum:

59 % sind gegen eine Öffnung der Spiele für Profis. Wenn aber in der jeweiligen Sportart alle Voraussetzungen für einen Profistatus vorhanden wären, würden 62,8 % Berufssportler werden. Sonnen- und Schattenseiten:

86,7 % aller Befragten gehen davon aus, dass ihnen der Spitzensport eher Vorteile bringt, und 39,5 % versprechen sich hierüber soziale Aufstiegschancen. Eine Verbesserung ihrer beruflichen Chancen versprechen sich 46,4 %. 90 % bewerten den Einfluss des Leistungssports auf ihre Persönlichkeitsentwicklung als positiv. Zu den Schattenseiten des Leistungssports zählen: "zu wenig Freizeit" (58 %), gesundheitliche Schäden (56 %) und verpasste Berufschancen (49 %); der Verlust an Lebensfreude wird von 5 % beklagt."

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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 23 / 5. Juni 2012, S. 34
Der Artikel- und Informationsdienst des
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veröffentlicht im Schattenblick zum 15. Juni 2012