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GESCHICHTE/339: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 158) (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 13 / 27. März 2012
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1985/III: Resolution zur weiteren Entwicklung der Sportwissenschaft
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 158)

Eine Serie von Friedrich Mevert



Im "Bericht des Präsidiums" über die Legislaturperiode 1982 bis 1986 hatte das DSB-Präsidium auf die positive Entwicklung der Sportwissenschaft hingewiesen und dabei auch die vielfältigen Formen der Zusammenarbeit betont. Dabei verwies es auf die Ergebnisse der Appelle, Akademiegespräche, Seminare und Empfehlungen in Wissenschaft und Bildung und unterstrich die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zur Lösung der Aufgaben im Schul-, Freizeit-, Breiten- und Spitzensport. Zu den Standardkontakten gehörten, so der Bericht, nicht nur die regelmäßige Beteiligung von Vertretern des DSB an sportwissenschaftlichen Kongressen, Symposien und Seminaren, sondern auch die Treffen mit den Verbänden für Wissenschaft und Bildung, dem ADH und den deutschen Vertretern in den internationalen sportwissenschaftlichen Organisationen. Dies geschah in enger Kooperation mit dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISP), dessen Direktoriumsvorsitzender seinerzeit Prof. Ommo Gruppe war, Mitglied des DSB-Präsidiums und Vorsitzender des DSB-Bundesausschusses für Wissenschaft und Bildung.

Zur Unterstützung und weiteren Entwicklung der Sportwissenschaft beschloss der Hauptausschuss des DSB in seiner 29. Sitzung am 8. Juni 1985‍ ‍in Hannover die folgende Resolution: "Die Sportwissenschaft hat sich in den vergangenen 20 Jahren zu einer von den Universitäten, den Kultusministerien und den Sportorganisationen anerkannten Wissenschaftsdisziplin entwickelt. Der Deutsche Sportbund hat diese positive Entwicklung in entscheidendem Maße gefördert und unterstützt. Er hat

- seit 1950 die Einrichtung von sportwissenschaftlichen Lehrstühlen gefordert,

- die Errichtung des Bundesinstituts für Sportwissenschaft mitbegründet und geformt,

- durch die Einrichtung des Carl Diem-Wettbewerbs und des Hermann Altrock-Stipendiums den sportwissenschaftlichen Nachwuchs unterstützt,

- die Zeitschrift "Sportwissenschaft" initiiert und gefördert,

- die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft in ihrem Bemühen um Anerkennung und Weiterentwicklung der Sportwissenschaft intensiv unterstützt.

Vertreter der Sportwissenschaft arbeiten in allen Bereichen des deutschen Sports mit: als Mitglieder in den Ausschüssen und Kommissionen des DSB, in den Vorständen und Lehrstäben der Spitzenverbände, der Landessportbünde und der weiteren Mitgliedsorganisationen des DSB. Der Bestand und die Entwicklung der Sportwissenschaft sind heute jedoch ernsthaft gefährdet. Der Hauptgrund liegt darin, dass die personelle und die sächliche Ausstattung der Sportwissenschaft weitgehend an die Sportlehrerausbildung gekoppelt ist und diese - wegen der hohen allgemeinen Lehrerarbeitslosigkeit - an einigen Universitäten und Hochschulen abgebaut wird oder werden soll. Für die Sportwissenschaft ergeben sich daraus schwerwiegende Konsequenzen, die insbesondere die Forschung betreffen. Diese bestehen darin,

- dass die Ausstattung mit wissenschaftlichen Geräten weitgehend gestoppt wird,

- Mittel für die Durchführung von Forschungsprojekten eingeschränkt und

- Forschungsstellen, vor allem für den Nachwuchs, gestrichen werden.

Für die Sportwissenschaft folgt daraus, dass ihre Möglichkeiten, Anliegen des Sports aufzugreifen und wissenschaftlich zu bearbeiten, zu einem Zeitpunkt stark eingeschränkt werden, da sie wissenschaftlich dazu in der Lage wäre. Dies steht im Widerspruch zur ständig wachsenden Bedeutung des Sports in vielen Bereichen der Gesellschaft.

Der Hauptausschuss des DSB fordert alle zuständigen Stellen, vor allem die Bundesländer, auf,

- den Bestand an sportwissenschaftlichen Hochschuleinrichtungen zu erhalten und

- zumindest die derzeitige personelle und sächliche Ausstattung der sportwissenschaftlichen Hochschuleinrichtungen sicherzustellen,

damit die Sportwissenschaft auch zukünftig in der Lage ist, die vielfältigen Aufgaben des Sports im Schul-, Freizeit-, Breiten- und Spitzensport wissenschaftlich zu bearbeiten. Der Hauptausschuss bittet das Präsidium des DSB, sich nachdrücklich für die Belange der Sportwissenschaft einzusetzen."

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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 13 / 27. März 2012, S. 28
Der Artikel- und Informationsdienst des
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veröffentlicht im Schattenblick zum 11. April 2012