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GESCHICHTE/316: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 138 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 40 / 4. Oktober 2011
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1982/III: DSB-Bundestag berät über Ehrenamt und neue Medien
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 138)

Eine Serie von Friedrich Mevert


Das Ehrenamt im Sport war das Generalthema beim DSB-Bundestag 1982 am 21./22. Mai in Düsseldorf. Damit setzte der DSB konsequent seine Bemühungen für eine Verstärkung der Vereinshilfe fort. In einer einstimmig verabschiedeten Entschließung wurde betont, dass sich der Sport als größte ehrenamtlich geführte Organisation in der Bundesrepublik nur deshalb so entwickeln konnte, weil 1,5 Millionen Menschen in ihrer Freizeit in den fast 60.000 Vereinen freiwillig und unentgeltlich für 18 Millionen Mitglieder mitarbeiten.

Der Bundestag formulierte in seiner Entschließung die Werte und die notwendigen Rahmenbedingungen für das Ehrenamt, stellte Forderungen zur Unterstützung, Stärkung und Weiterentwicklung ehrenamtlicher Mitarbeit an die Politik, nahm aber auch den DSB und seine Mitgliedsorganisationen in die Pflicht, die ehrenamtliche Mitarbeit als Führungsprinzip zu erhalten und eine Vielzahl von Maßnahmen auszugestalten.

Eine weitere Resolution verabschiedete der Bundestag zum Thema "Die neuen Medien und der Sport" und beauftragte das Präsidium, durch die Gründung einer Medien-Gesellschaft die angestrebte Kooperation in diesem Bereich zu institutionalisieren.

Die beiden folgenden Resolutionen wurden einstimmig angenommen:

Das Ehrenamt ist nicht ersetzbar

"Der Sport ist in unserem Lande die größte ehrenamtlich geführte und tätige Organisation. Er kann sich nur deshalb auf allen Ebenen so günstig entwickeln, weil 1,5 Millionen Menschen in ihrer freien Zeit in den fast 60.000 Turn- und Sportvereinen freiwillig und unentgeltlich für 18 Millionen Mitglieder mitarbeiten.

Ehrenamtliche Mitarbeit stellt eine nicht ersetzbare Leistung für den Sport dar. Ihr verdankt der Sport sein Wachstum, seine Vielfalt, seinen gesellschaftspolitischen Rang und seine Unabhängigkeit. Das Ehrenamt muss deshalb in jeder erdenklichen Form unterstützt werden. In diesem Sinne sieht der Bundestag des Deutschen Sportbundes in der ehrenamtlichen Mitarbeit folgende Werte:

1. Ehrenamtliche Mitarbeit macht Freude. Sie gibt dem Bürger die Chance, mitzugestalten, sich für andere einzusetzen, Entscheidungen zu treffen und zu verantworten.

2. Ehrenamtliche Mitarbeit schafft Werte. Der materielle Wert dieser freiwilligen Leistung wird auf 3 Milliarden DM jährlich geschätzt; weitaus größer ist darüber hinaus der ideelle und soziale Wert, der sich jeder Kosten-Nutzen-Rechnung entzieht.

3. Ehrenamtliche Mitarbeit sichert Unabhängigkeit. Sie garantiert, dass sich die Entscheidungen der Sportführung vorrangig an sportlichen Belangen orientieren, und verhindert, dass der Sport von Staat oder Wirtschaft abhängig wird.

4. Ehrenamtliche Mitarbeit stärkt die freie Gesellschaft. Die ehrenamtliche Mitarbeit im Sport ist eine notwendige Voraussetzung für ein demokratisches Gemeinwesen; die freiheitliche Ausgestaltung und die Vielfalt des gesellschaftlichen Lebens sind von ihr abhängig.

Bürokratische Entwicklungen innerhalb und außerhalb der Sportorganisation, Tendenzen zur Kommerzialisierung, oft fehlendes Verständnis für die besonderen Bedingungen ehrenamtlicher Arbeit, Überforderung des guten Willens und der Leistungskraft ehrenamtlicher Mitarbeiter können die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitarbeit einschränken. Aus den wachsenden Anforderungen an ehrenamtliche Mitarbeiter können Belastungen entstehen, die frühzeitig erkannt und begrenzt werden müssen, damit nicht bedrückende Lasten die Freude am Mitmachen verdrängen. Diesen Gefahren ist entgegenzuwirken.

1. Ehrenamtliche Mitarbeiter benötigen personelle Hilfe. Vereine und Verbände müssen stärker als bisher auf hauptberufliche oder teilzeitbeschäftigte Kräfte zurückgreifen können, damit sich die Leistungsfähigkeit ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter voll entfalten kann.

2. Ehrenamtliche Mitarbeiter brauchen Arbeitshilfen. Die weitere Qualifizierung bewährter und die Gewinnung neuer Mitarbeiter setzt genaue Informationen über das Tätigkeitsfeld und entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten voraus.

3. Ehrenamtliche Mitarbeiter verdienen Anerkennung. Der gesellschaftliche Wert der freiwilligen Leistung muss in der Öffentlichkeit bewusst gemacht werden. Weitere Bürger sind zur Übernahme ehrenamtlicher Mitarbeit anzuregen.

Der Deutsche Sportbund und seine Mitgliedsorganisationen verpflichten sich

- die ehrenamtliche Mitarbeit als Führungsprinzip zu erhalten und auszugestalten;

- die bewährten Vereinsstrukturen durch frühe Ermutigung zur ehrenamtlichen Mitarbeit zu sichern;

- ehrenamtliche Mitarbeit durch verstärkte Aus- und Weiterbildung sowie durchgängige Informationen zu fördern;

- die Einstellung von hauptamtlichen Kreis- und Stadtsportbund-Geschäftsführern zur Entlastung der unteren Ebene zu unterstützen;

- den gesellschaftlichen Wert des Ehrenamts im Sport gegenüber der Öffentlichkeit stärker bewusst zu machen und

- die Ehrungsordnungen im Hinblick auf ehrenamtliche Vereins-Mitarbeiter zu ergänzen und besser aufeinander abzustimmen.

Der Deutsche Sportbund und seine Mitgliedsorganisationen fordern im Interesse der Unterstützung, Stärkung und Weiterentwicklung ehrenamtlicher Mitarbeit von Bund, Ländern und Gemeinden

- den rechtlich gesicherten Anspruch auf Förderung der vom Sport übernommenen öffentlichen Aufgaben, einschließlich Steuerentlastung,

- Gleichbehandlung des Sports mit den anderen Trägern der Erwachsenenbildung,

- Gleichstellung des Sports in den Urlaubsregelungen, insbesondere beim Bildungsurlaub,

- Beseitigung unnötiger administrativer Auflagen im Zuschuss- und Bewilligungsverfahren,

- Anerkennung der Sportorganisationen als Träger öffentlicher Belange,

- Hilfen für die Gewinnung, Ausbildung und Mitwirkung weiterer ehrenamtlicher Mitarbeiter und

- angemessene öffentliche Anerkennung für ehrenamtliche Mitarbeiter."


Die neuen Medien und der Sport

"Die technischen Möglichkeiten neuer Medien mit ihren tiefgreifenden Auswirkungen auf die Kommunikation und ihren einschneidenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen stehen im Brennpunkt öffentlicher Diskussionen und politischer Entscheidungen. Dabei geht es in erster Linie um den Bildschirmtext, die Kabelpilotprojekte (Versuche mit Breitbandkabel) und die Satellitenversuche; bei Hörfunk und Fernsehen zeichnen sich Tendenzen zu weiterer Regionalisierung ab.

Den Deutschen Sportbund und seine Mitgliedsorganisationen berühren diese Entwicklungen unmittelbar. Um sich rechtzeitig darauf einzustellen, hat der Bundestag 1980 des DSB dem Antrag auf Bildung einer Medien-Kommission einstimmig stattgegeben und damit seinen Willen bekundet, die neue Herausforderung anzunehmen.

In der Erkenntnis, dass die Einführung neuer Medien und die Weiterentwicklung der herkömmlichen Medien dem Sport neue Chancen eröffnen, ihn zwingen, die Entwicklung zu erkennen und sich damit auseinanderzusetzen, erklären der DSB und seine Mitgliedsorganisationen:

Wir
- appellieren an die Parlamentarier, in der Gesetzgebung die gesellschaftliche Rolle des Sports angemessen zu berücksichtigen,

- verpflichten uns zu einer Kooperation untereinander sowie zur Information und praxisnahen Unterstützung unserer interessierten Verbände sowie Turn- und Sportvereine,

- bieten anderen gesellschaftlichen Gruppen die Zusammenarbeit an und

- streben zur Finanzierung eigener Programme Abmachungen mit geeigneten Partnern an.

Die gemeinsame Kooperation macht schon aufgrund der langen Vorlaufzeiten und unabhängig von den geplanten Projekten im Kabel- und Satellitenbereich erforderlich:

- Zusammenarbeit im Hinblick auf gemeinsame Produktion, den Verkauf von Sendungen sowie die Beschaffung und Nutzung von Gerät;

- Koordination in der Beschaffung von Werbeaufträgen und deren Produktion sowie die gemeinsame organisatorische Abwicklung hierfür;

- Gründung einer Gesellschaft zur Institutionalisierung der angestrebten Kooperation durch DSB, Landessportbünde, interessierte Spitzenverbände und andere Partner;

- Fortsetzung der Arbeit der Medien-Kommission des DSB zur Begleitung der vor ihrer Gründung stehenden gemeinsamen Gesellschaft.

Das Präsidium wird darüber hinaus beauftragt, die angestrebte Entwicklung in Verhandlungen mit den zuständigen staatlichen Stellen und anderen Partnern zu fördern sowie den Erfahrungsaustausch mit den Mitgliedsorganisationen zu verstärken, um stabile Grundlagen für das gemeinsame Handeln zu schaffen."


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 40 / 4. Oktober 2011, S. 31
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
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veröffentlicht im Schattenblick zum 11. Oktober 2011