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GESCHICHTE/314: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 136 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 38 / 20. September 2011
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1982/I: CDU-Vorstellungen zur Förderung des Vereinssports
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 136)

Eine Serie von Friedrich Mevert


Der Bundesfachausschuss Sport der CDU erarbeitete unter dem Vorsitz von Wolfgang Schäuble Empfehlungen zur Förderung des Vereinssports und leitete sie dem DSB zur Stellungnahme zu. Im Mittelpunkt der Vorstellungen der CDU stand die Förderung des ehrenamtlichen Elements, das - auch in Zeiten knapper Kassen - noch mehr als bisher unterstützt werden solle.

Die Empfehlungen der CDU hatten folgenden Wortlaut:

"In den 59.000 Sportvereinen mit 18 Millionen Mitgliedern arbeiten nahezu 1,5 Millionen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Nur diesem großen Engagement ist es zu verdanken, dass die Sportbewegung (...) eine überaus erfolgreiche Entwicklung vollzogen hat.

In den vor uns liegenden Zeiten knapper öffentlicher Mittel wird es noch wichtiger als bisher, ehrenamtliches Engagement zu fördern, um die große Leistung des Sports für die Gesellschaft unvermindert aufrecht erhalten zu können. Folgende Maßnahmen sollen dazu dienen, der ehrenamtlichen Tätigkeit die ihr gebührende gesellschaftliche Anerkennung zu verschaffen und die Erfüllung ehrenamtlicher Aufgaben zu erleichtern.

- Erarbeitung einer zeitgemäßen Definition des Ehrenamtes, die auch die Ehrenämter im Bereich der gemeinnützigen Einrichtungen stärker einbezieht;

- Fortsetzung bzw. Ermittlung und Darstellung sowohl des quantitativen als auch des qualitativen Wertes ehrenamtlicher Tätigkeit in den Mitgliedsorganisationen des DSB;

- überzeugende Darlegung des Ehrenamts als Garantie für die Unabhängigkeit des Sports einerseits und als Grundlage der freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung andererseits;

- Erarbeitung von Vorschlägen zur Erleichterung der ehrenamtlichen Tätigkeit im Sport, u. a. durch die Mitwirkung von haupt- und nebenamtlichen Mitarbeitern;

- Anfertigung eines Katalogs der zusätzlichen möglichen Anerkennungen für ehrenamtliche Arbeit durch öffentliche und nicht-öffentliche Körperschaften;

- Gewährung des Bildungsurlaubs für die Ausbildung von ehrenamtlichen Übungs-, Organisations- und Jugendleitern;

- Angleichung der Sonderurlaubsverordnungen der einzelnen Bundesländer im Hinblick auf die Gewährung bezahlten Sonderurlaubs für Beamte zur Teilnahme an Übungs- und Organisationslehrgängen.

Der Staat leistet mit seiner Förderung subsidiäre Hilfe für die Vereine. Sportförderung ist deshalb in der Bundesrepublik als öffentliche Aufgabe von Bund, Ländern und Gemeinden anerkannt. Im Zusammenwirken von Sportorganisationen und Staat wurden beachtliche Erfolge erzielt. (...) Gerade in finanziell schwierigen Situationen muss die Politik darüber nachdenken, wie mit den vorhandenen Mitteln der Vereinssport noch effektiver als bisher gefördert werden kann. (...)

Hierzu schlägt die CDU folgende Maßnahmen vor:

1. Entscheidungen über eine effektive Verwendung der Sportfördermittel können dadurch erleichtert werden, dass die vorhandenen sportwissenschaftlichen Einrichtungen unter Federführung des Bundesinstituts für Sportwissenschaft Untersuchungen zu folgenden Themen erarbeiten:

- Vergleichende Untersuchungen über Umfang und Wirksamkeit kommunaler Sportförderungsmaßnahmen;

- Anfertigung wissenschaftlicher Untersuchungen über die Wirtschaftlichkeit öffentlich finanzierter Sportstätten, die von öffentlichen Körperschaften verwaltet werden, im Vergleich zu solchen, die gemeinnützigen Vereinen im Eigentum gehören oder zur Nutzung übertragen wurden;

- Auftragserteilung für vergleichende Untersuchungen über die Wirksamkeit öffentlicher Mittel, die in kommunalen Jugendeinrichtungen eingesetzt werden, im Vergleich zur Wirksamkeit der Zuschüsse, die gemeinnützige Sportvereine für die Jugendarbeit erhalten.

Entscheidung beim Sport

2. Die CDU ist davon überzeugt, dass die Sportorganisationen selbst am besten wissen, wie die öffentlichen Fördermittel am sinnvollsten eingesetzt werden können. Sie fordert deshalb die globale Zuweisung öffentlicher Fördermittel an die Organisationen des Sports auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene, um innerhalb des gesteckten Förderungsrahmens den Zuwendungsempfängern größeren Entscheidungsspielraum - bei entsprechenden Kontrollmöglichkeiten der Zuwendungsgeber - einzuräumen.

Bessere Urlaubsregelung

3. Der Austausch zwischen im Sportbereich tätigen Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes und Mitarbeitern der Sportorganisationen und Vereine erleichtert das reibungslose Zusammenwirken zwischen Sportförderung und Tätigkeit der Vereine. Deshalb sollte die Sonderurlaubsverordnung von 1965 so revidiert werden, dass eine mittel- und längerfristige Beurlaubung von Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes unter Wegfall der Bezüge für die Tätigkeit in Sportvereinen und Verbänden ermöglicht wird.

4. Für die Gesellschaft erhält die Freizeitgestaltung eine steigende Bedeutung. Bei der Stadtplanung sollte deshalb mehr als bisher versucht werden, die Angebote für Wohnen und Freizeit ineinanderfließen zu lassen. Da dem Sport im Rahmen der Freizeitangebote eine besondere Bedeutung zukommt, sollten die Organisationen des Sports als Träger Öffentlicher Belange gem. § 2 Abs. 5 Bundesbaugesetz anerkannt werden, um sportrelevante Gesichtspunkte bei der Bauleitplanung frühzeitig zu berücksichtigen.

5. Im Bereich der Jugendbildung und der Jugendarbeit bedeutet der Sport ein nicht ersetzbares Betätigungsfeld. Er muss deshalb im Rahmen der allgemeinen Jugendförderung auf allen Ebenen entsprechend der überragenden Zahl jugendlicher Mitglieder in Sportvereinen und -verbänden gefördert werden."


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 38 / 20. September 2011, S. 30
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
Herausgeber: Deutscher Olympischer Sportbund
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veröffentlicht im Schattenblick zum 6. Oktober 2011