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GESCHICHTE/293: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 120 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 19 / 10. Mai 2011
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1978/IV: DSB-Bundestag in München: "Vereint für die Vereine"
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 120)

Eine Serie von Friedrich Mevert


Das Ziel hieß "Sport für alle", wonach Freizeit-, Breiten- und Spitzensport in den Vereinen und Verbänden des DSB gleichrangig gefördert werden sollten. Deshalb stand der 15. Bundestag des DSB am 26./27. Mai 1978 im Münchner Maximilianäum, dem Bayerischen Landtag, unter dem Motto "Vereint für die Vereine". Nachdem in drei Arbeitskreisen die Wirkung und die Perspektiven der Entscheidungen des DSB für die Vereine an der Basis beraten worden waren, wurden die Ergebnisse in einer Resolution von sieben Punkten zusammengefasst. Diese sollten von einer Arbeitsgruppe bis zur nächsten Hauptausschuss-Sitzung konkretisiert werden. Kernpunkte waren, dass es bei wachsenden Mitgliederzahlen einerseits an ausreichenden Sportstätten, Mitarbeitern und Mitteln für die Vereine fehle und dass andererseits die finanziellen, bürokratischen und steuerlichen Belastungen wuchsen.

Die Resolution des Bundestages hatte folgenden Wortlaut:

"Mit dem Ziel SPORT FÜR ALLE hat die Turn- und Sportbewegung versprochen, alles zu tun, was in ihren Kräften steht, um die veränderten Bedürfnisse der Bürger und die erhöhten Anforderungen der Gesellschaft an Bewegung, Turnen, Sport und Spiel für möglichst viele Menschen zu erfüllen.

Die Turn- und Sportvereine haben unter dieser Zielsetzung in den letzten 15 Jahren fast zehn Millionen Mitglieder mehr aufgenommen und durch ihre gar nicht hoch genug einzuschätzenden freiwilligen Leistungen die vielfachen Funktionen des Sports vor allem in sozialer Hinsicht zur Wirkung gebracht.

Qualität und Wachstum des SPORTS FÜR ALLE werden in Zukunft aber noch mehr als bisher von den Hilfen des Deutschen Sportbundes, seiner Mitgliedsorganisationen und deren Untergliederungen, von der subsidiären Förderung durch die öffentlichen Hände und von der steuerlichen Entlastung für die Vereine abhängen.

Die Vereinshilfen müssen sich auch weiterhin an der Vielfalt der Turn- und Sportvereine orientieren. Diese Vielgestaltigkeit in Form, Angebot und Struktur war bisher die Grundlage für den außerordentlichen Wachstumsprozess im organisierten Sport und wird dies zukünftig noch mehr sein.

Die angepasste Dienstleistung der Verbände für die Vereine ist eine wesentliche Voraussetzung für den weiteren Fortschritt. Dabei wird die Beteiligung der Vereine an den Entscheidungen der Führungsgremien des Sports eine wichtige Rolle spielen, um in gemeinsamer kritischer Aufmerksamkeit vorzubereiten, was die Vereinspraxis benötigt.

Aus dieser Erkenntnis ruft der Bundestag 1978 des Deutschen Sportbundes zur Konsolidierung der von den Vereinen in den letzten Jahren aufgegriffenen Aufgaben auf. In einer Phase gemeinsamer planvoller Hilfe sollen die Vereine in den Stand versetzt werden, bis 1985 in 54.000 Vereinen 18 Millionen Mitglieder zu betreuen.

Der Appell, die erklärten gesellschaftlichen Ziele der Vereine noch wirkungsvoller als bisher zu fördern, richtet sich ebenfalls an alle staatlichen und kommunalen Institutionen sowie an die politischen Parteien, den Spielraum der freiwilligen Leistung und Verantwortung im Sinne unserer freiheitlich-demokratischen Prinzipien auszugestalten.

Der Bundestag 1978 des Deutschen Sportbundes gibt für die gemeinsam getragene Vereinshilfe folgende Orientierung. Sie ist durch eine vom Präsidium des Deutschen Sportbundes einzusetzende Arbeitsgruppe aus Vertretern der Mitgliedsorganisationen des DSB und der Vereine in einem Zwischenbericht bis zur nächsten Sitzung des Hauptausschusses des Deutschen Sportbundes am 4.12.1978 in Frankfurt zu konkretisieren:

1. Der Sportstättenbau soll in einem qualifizierten Goldenen Plan auch mit neuen Akzenten für den Freizeit- und Breitensport fortgeführt, die Nutzung der Anlagen für die Vereine optimal gestaltet und außerdem dafür gesorgt werden, dass den Vereinen mit eigenen Anlagen in der öffentlichen Forderung keine Nachteile entstehen.

2. Die Angebote des Spitzen-, Breiten- und Freizeitsports verlangen von jedem Verein eine Synthese der Wünsche seiner Mitglieder und seiner materiellen Möglichkeiten. Unter diesem Aspekt sollen leistungsfähige Vereine durch das Stützpunktsystem für den Spitzensport mit öffentlicher Förderung entlastet und die Programm-Ausweitung der Vereine auf Landesebene gezielt gefördert werden.

3. Die Aus- und Weiterbildung von Übungs-, Jugend- und Organisationsleitern sowie von Trainern für den ehren- und hauptamtlichen Bereich der Vereine soll verstärkt fortgeführt, der Bestand der dafür notwendigen Ausbildungsstätten und Lehrkräfte dem Bedarf entsprechend vermehrt, die Gewährung von Sonder- und Bildungsurlaub dafür sichergestellt und eine bedarfsgerechte Zuschussregelung angestrebt werden.

4. Der Aktionsradius der Vereine soll in gemeinsamer Anstrengung und unter wissenschaftlicher Begleitung erweitert werden, wofür mehr Lehrer für den Vereinsbetrieb zu gewinnen seien, die Ärzte mit den Vereinen für die Bewusstseinsbildung zusammenzuführen, Kooperationen mit den Kirchengemeinden und anderen Einrichtungen, die im Dienst am Menschen stehen, herzustellen und mit den Volkshochschulen abgestimmte Programme anzustreben sind.

5. Die freiwillige Leistung der Vereine im Freizeit-, Breiten- und Spitzensport ist Gesellschaftspolitik im besten Sinne. Auf diese Tatsache ist auch das Steuer-Memorandum des DSB ausgerichtet, das eine gerechte Behandlung der wirtschaftlichen Aktivitäten der Vereine, eine angemessene steuerfreie Aufwandentschädigung für nebenamtliche Mitarbeiter, eine praktikable Spendenbescheinigungs-Kompetenz und eine den sportfreundlichen EG-Richtlinien entsprechende Umsatzsteuerregelung fordert.

6. Beratung, Information, Arbeits- und Organisationsmittel, Lehr- und Werbematerialien sollen neu orientiert werden, um den Vereinen und ihren Mitarbeitern die weiterhin wachsenden Aufgaben zu erleichtern. Auf Stadt- und Kreisebene sind außerdem vordringlich sächliche und personelle Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Kooperation mit und unter den Vereinen erweitert und jene Modelle umgesetzt werden können, die den Vereinen insbesondere von den Spitzenverbänden inhaltlich und organisatorisch auch für den Freizeitsport angeboten werden.

7. Die Tätigkeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Vereinen und Verbänden des Sports soll in einer - ihrer gesellschaftspolitischen Bedeutung entsprechenden - geeigneten Form in der Öffentlichkeit herausgestellt werden und als politischer Wille dieser Frauen und Männer, in gemeinschaftlicher Solidarität für andere Menschen zu wirken, in Staat und Gesellschaft ihre angemessene Anerkennung zu finden.

Die freiwillige Leistung der Mitarbeiter in unserer Turn- und Sportbewegung ist der wichtigste Beitrag unserer Organisation für die angestrebte bessere Qualität des Lebens. Sie ist durch mehr Vertrauen und größere Verantwortung weiter auszugestalten. In diesem Sinne sind die bürokratischen Auflagen der öffentlichen Hände, aber auch die administrativen Anforderungen der Verbände dort begrenzt, wo es mit Begeisterung zur guten Sache des Sports und mit demokratischem Engagement für unsere Gesellschaft besser geht."


Wahlen zum Präsidium

In München standen turnusmäßig auch die Wahlen zum Präsidium des DSB an, das sich anschließend folgendermaßen zusammensetzte:

Präsident: Willi Weyer (Hagen); Vizepräsidenten: Hans Gmelin (Tübingen), Hans Hansen (Kiel), Dieter Graf Landsberg-Velen (Wocklum); Schatzmeister: Arthur Mayer (Schongau); Generalsekretär: Karlheinz Gieseler (Neu-Isenburg); Dr. Claus Heß (Würzburg) als ständiger Vertreter des Präsidenten des NOK; Josef Neckermann (Frankfurt) als Vorsitzender der Stiftung DSH; Ehrenpräsident: Willi Daume (München); weitere Mitglieder: Fritz Bauer (Hamburg) für Breitensport, Ruth Brosche (Haberskirch) für Frauensport, Erika Dienstl (Stolberg) als Vorsitzende der DSJ, Heinz Fallak (Wiesbaden) für Leistungssport, Prof. Dr. Ommo Grupe (Tübingen) für Wissenschaft und Bildung, Willi Greite (Hänigsen) für Ausbildung, Karl Hemberger (Johannesberg) für Rechts-, Sozial- und Steuerfragen.


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 19 / 10. Mai 2011, S. 21
Der Artikel- und Informationsdienst des
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veröffentlicht im Schattenblick zum 21. Mai 2011