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GESCHICHTE/288: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 117 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 15 / 12. April 2011
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1978/I: Grundsätze für die künftige Arbeit der Sportjugend
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 117)

Eine Serie von Friedrich Mevert


Wichtige Weichen für die Zukunft stellte die Deutsche Sportjugend bei ihrer Vollversammlung am 20. Mai 1978 in Saarbrücken. Mit der Verabschiedung einer neuen "DSJ-Konzeption" wurden damit die Grundsätze für die künftige Arbeit vorgegeben und die Zielvorstellungen für die wesentlichen Arbeitsbereiche festgelegt. Noch in der Vollversammlung wurde um jede Formulierung gerungen, bis es zu einer endgültigen Verabschiedung kam.


"Teil 1

Die Deutsche Sportjugend (DSJ) ist die Jugendorganisation des Deutschen Sportbundes. Sie vertritt im Bundesgebiet über 6 Millionen Kinder und Jugendliche, die von den in den Mitgliedsorganisationen des DSB zusammengeschlossenen Turn- und Sportvereinen betreut werden.

Jugendarbeit im Sport ist Bildungsarbeit mit jungen Menschen. Auf der Grundlage dieser Zielsetzung unterbreiten die DSJ, ihre Mitgliedsverbände und die Vereine als Träger außerschulischer Jugendbildung vielfältige Angebote weit über den sportpraktischen Bereich hinaus. Diese Bildungsarbeit des Sports ist grundsätzlich offen für alle Kinder und Jugendlichen.

Die DSJ wirkt bei der Entwicklung zeitgemäßer Jugend- und bildungspolitischer Konzepte mit und bemüht sich dabei auf allen Ebenen um partnerschaftliche Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, Trägern der Jugendhilfe, gesetzgebenden Organen und politischen Parteien.


Teil 2

Jugendarbeit wird von den gesellschaftlichen Verhältnissen mit bestimmt. Dabei ist die Orientierung an den sich verändernden Bedürfnissen der Betroffenen notwendig. Das Leben vieler junger Menschen wird gegenwärtig beeinflusst u. a. von

- fehlenden Studien-, Ausbildungs- und Arbeitsplätzen,
- beengten Wohnverhältnissen und einer geschädigten Umwelt,
- einer weit verbreiteten kinderfeindlichen Einstellung,
- zunehmendem Konkurrenz- und Leistungsdruck in Schule und Beruf.

Diese Faktoren engen die Rechte und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in Schule, Beruf und in ihren Auswirkungen auch in der Freizeit entscheidend ein; sie werden zusätzlich durch passives Konsumverhalten beeinträchtigt.

Demgegenüber stehen das Verlangen und das Recht junger Menschen auf Bildung und Entwicklung ihrer sozialen, psychischen und körperlichen Anlagen und Fähigkeiten, um so in Selbstbestimmung und eigener Verantwortung denken und handeln zu können. Hieraus ergibt sich für die DSJ die Zielsetzung ihrer Bildungsarbeit. Die DSJ trägt zur körperlichen und geistig-seelischen Entwicklung der Jugendlichen bei und zeigt zu einer sinnvollen Bewältigung der Freizeit Möglichkeiten auf durch

- die Erarbeitung und ständige Fortschreibung zeitgemäßer Inhalte und Methoden des Jugendsports in Zusammenarbeit mit gesellschaftlich relevanten Gruppierungen,
- vielfältige sportliche Angebote für alle Bewegungs- und Leistungsinteressen vom Kleinkinder- und Vorschulbereich bis hin zum jugendlichen Spitzensportler,
- Einwirkung bei der Entwicklung entsprechender schulsportlicher Angebote,
- Entwicklung von Modellen, die junge Menschen zu lebenslangem Sporttreiben hinführen und ein Bewusstsein für gesunde Lebensgestaltung schaffen,
- Aktionen, die die Stellung des Sports und des sporttreibenden Jugendlichen in unserer Gesellschaft ausbauen,
- Seminare und Maßnahmen zur Ferien- und Freizeitgestaltung und zur kulturellen Bildung,
- Aus- und Fortbildung von qualifizierten Mitarbeitern für die sportliche Jugendarbeit,
- offene Jugendarbeit der Sportvereine, über die auch nicht vereinsgebundene Jugendliche an der außerschulischen Jugendbildung teilhaben und Möglichkeiten der Freizeitgestaltung über den Sport kennenlernen können.

Die DSJ tritt ein für die Verständigung der Völker untereinander und die Achtung der Menschenrechte durch

- Begegnungen und Austausch von Jugendlichen aus Ländern auch unterschiedlicher Gesellschaftssysteme,
- Erfahrungsaustausch und Kontaktprogramme von Jugendleitern und Führungskräften des Jugendsports verschiedener Länder,
- bilaterale und multilaterale Zusammenarbeit in Europa und Übersee,
- konkrete Hilfen zum Aufbau des Jugendsports in Entwicklungsländern.

Die DSJ hilft jungen Menschen bei der Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein, Mitgestaltungswillen und Demokratieverständnis durch

- Seminare und besondere Veranstaltungen zur politischen Bildung Jugendlicher,
- das Sicherstellen demokratischer Organisationsformen im Sport, die die Mitbestimmung und Mitverantwortung der Kinder und Jugendlichen bei allen Entscheidungsprozessen gewährleisten und so die Grundlage für gesellschaftliches Engagement im weiteren Leben bieten,
- die Förderung des Umweltschutz-Gedankens,
- Modellseminare und weitere Veranstaltungen, in denen Kinder und Jugendliche mit ihren Familien oder älteren Mitbürgern gemeinsam Sport treiben und so Verständnis gewinnen für andere soziale Gruppen und ihre besonderen Probleme und sich zur Mithilfe bei ihrer Bewältigung verpflichtet fühlen.

Die DSJ bietet Lebenshilfe für sozial benachteiligte Jugendliche durch

- die Entwicklung besonderer Sportangebote für behinderte Jugendliche, die Ausbildung qualifizierter Mitarbeiter sowie die Bereitstellung von entsprechenden Sportstätten und Sportgeräten,
- das Öffnen der Vereine für Ausländer und Aussiedler durch gezielte Veranstaltungen und sportliche Angebote,
- das Hinwirken, um sportliche Angebote in den Alltag von Jugendhilfeeinrichtungen und Jugendvollzugsanstalten einzubeziehen und Patenschaften mit benachbarten Vereinen zu schaffen,
- die gezielte Einbeziehung arbeitsloser Jugendlicher in die Arbeit der durch die DSJ repräsentierten Vereine und Verbände unter Einbeziehung gesonderter zu entwickelnder Programme.


Teil 3

Die DSJ fordert von den Verantwortlichen in den Verbänden und Vereinen, die Interessen der Kinder und Jugendlichen zu berücksichtigen und in die Arbeit der Verbände und Vereine einzubringen.

- Die genannten Bedürfnisse für Kinder und Jugendliche zu erkennen, Angebote anzunehmen, Perspektiven aufzuzeigen und sie in ihrer Arbeit umzusetzen,
- den Kindern und Jugendlichen Entfaltungsmöglichkeiten für Mitgestaltung, Mitbestimmung und Mitverantwortung zu schaffen und ihnen auch das Recht auf Irrtum und Fehler einzuräumen,
- die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unter kritischer Prüfung der eigenen Möglichkeiten durchzuführen,
- Kinder und Jugendliche nicht formal zu verwalten, sondern in der Gruppe und individuell zu fördern, wenn nötig, die unzulänglichen Möglichkeiten und Mittel demonstrativ herzustellen.

Die DSJ fordert von den Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft

- das Bedürfnis nach Bewegung, Spiel und Sport gleichwertig neben anderen Grundbedürfnissen junger Menschen anzuerkennen,
- Spiel und Sportmöglichkeiten für alle zu schaffen und Begegnungsstätten einzurichten, - den Belangen von Kindern und Jugendlichen in Politik und Gesetzgebung einen eigenen Standort einzuräumen,
- den Sport in Schule, Arbeitswelt und Freizeit junger Menschen durch die Förderung von Modellen und Programmen weiterzuentwickeln,
- sportliche Jugendarbeit als gleichberechtigten Teil in der außerschulischen Jugendbildung anzuerkennen,
- als verbandsübergreifende Interessenvertretung junger Menschen zur Mitarbeit in gesetzgebenden und beratenden Gremien herangezogen zu werden."

In Teil 4 werden die Schwerpunkte der neun wichtigsten Arbeitsbereiche beschrieben: in der internationalen Jugendarbeit, im Finanz- und Zuschusswesen, in der sportlichen Jugendarbeit, in der allgemeinen Jugendarbeit, in der Lehrarbeit, in der Jugendpolitik, in der Öffentlichkeitsarbeit, in der Mitwirkung von Jugendsprechern und in der Durchführung zentraler Veranstaltungen wie Bundesjugendtreffen, Olympischer Jugendlager und Olympischer Jugendforen.


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 15 / 12. April 2011, S. 25
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
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veröffentlicht im Schattenblick zum 22. April 2011