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GESCHICHTE/262: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 96 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 42 / 19. Oktober 2010
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1973/IV: 2. Sportbericht der Bundesregierung in Bonn erschienen
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 96)

Eine Serie von Friedrich Mevert


Mit der Bundestagsdrucksache 7/1040 vom 26.9.1973 veröffentlichte die Bundesregierung nach dem 1. Sportbericht von 1970 ihren 2. Sportbericht. Der seinerzeit für die Sportförderung zuständige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher machte in seiner Einführung erneut deutlich, dass die Bundesregierung sich bei der Förderung des Sports davon leiten lasse, "dass die Unabhängigkeit des Sports auf der Grundlage partnerschaftlichen Zusammenwirkens gewahrt sein muss. Dieser Standpunkt hat das Verhältnis des Staates zum Sport seit Beginn der Sportförderung durch die Bundesregierung bestimmt."

Aus der 98seitigen Broschüre mit Beiträgen von zehn Bundesministerien wird nachfolgend - beispielhaft - der Bericht über die Situation der Deutschen Sportkonferenz und der Beitrag des Bundesministeriums für innerdeutsche Beziehungen zitiert:

"Am 22. Oktober 1970 hat sich in Bonn unter Vorsitz des Bundesministers des Innern die Deutsche Sportkonferenz konstituiert. Ihr gehören insgesamt 64 Mitglieder aus dem Bereich des Bundes, der Länder, der kommunalen Spitzenverbände, der politischen Parteien und des Sports an. Entsprechend der Geschäftsordnung der Deutschen Sportkonferenz, nach der der Vorsitz zwischen dem Bundesminister des Innern und dem Präsidenten des Deutschen Sportbundes alle zwei Jahre wechselt, ist der Vorsitz im Oktober 1972 auf den Präsidenten des Deutschen Sportbundes übergegangen.

Die Deutsche Sportkonferenz hat die Aufgabe, eine umfassende gesellschaftspolitische Integration des Sports anzuregen sowie Maßnahmen zur Förderung des Sports auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene zu koordinieren, die eine Zusammenarbeit aller Beteiligten erforderlich machen. Zu diesem Zweck spricht sie Empfehlungen aus.

Das Arbeitsprogramm der Konferenz umfasst Fragen aus den Bereichen des Schulsports, des Breitensports, des Leistungssports, der Sportwissenschaft, der Organisation und Verwaltung des Sports sowie der Gesetzgebung. Die Empfehlungen, die das Plenum der Deutschen Sportkonferenz beschließt, werden von folgenden sieben Fachausschüssen vorbereitet:

- Sport an Schule und Hochschule,
- Sportwissenschaften,
- Breitensport,
- Leistungssport,
- Sportstättenbau,
- Verbands- und Vereinshilfen sowie
- Steuern.

Bisher haben neben zahlreichen Ausschusssitzungen fünf Vollversammlungen der Deutschen Sportkonferenz (zuletzt am 22. Juni 1973) stattgefunden. Die verabschiedeten Empfehlungen betreffen überwiegend Schwerpunktbereiche des Sports. Dies gilt vor allem für die Empfehlungen

zum "Aktionsprogramm für den Schulsport", das im Juli 1972 der Öffentlichkeit übergeben wurde und von dem entscheidende Impulse zur Verbesserung des Leistungsniveaus im Schulsport und in der Sportlehrerausbildung erwartet werden, und
zur Errichtung von Trainerausbildungsstätten.

Die Deutsche Sportkonferenz hat die hohen Erwartungen, die in sie gesetzt worden sind, noch nicht voll erfüllt. Auf Vorschlag des Bundesministers des Innern ist deshalb ein Ad-hoc-Ausschuss gebildet worden, der Vorschläge unterbreiten sollte, die die Effektivität der Konferenz verbessern.

Die entsprechenden Anregungen dieses Ausschusses, nach denen die Deutsche Sportkonferenz künftig mehr als bisher ein Diskussionsforum für aktuelle Fragen des Sports und damit ein Ort für kontroverse Auseinandersetzungen sein soll, sind von der Vollversammlung am 22. Juni 1973 gebilligt worden."



Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen

"Die Förderungstätigkeit des Bundesministers für innerdeutsche Beziehungen umfasst vor allem vier Bereiche:

Die Bereitstellung von zusätzlichen Haushaltsmitteln zur verstärkten Förderung von Sportstätten gemäß § 6 Abs. 1 Zonenrandförderungsgesetz vom 5. August 1971 (BGBI. I S. 1237)
Beratende und finanzielle Förderung von Sportwettkämpfen zwischen Teilnehmern aus der Bundesrepublik Deutschland und der DDR
Unterstützung der deutschlandpolitischen Bildungsarbeit der Deutschen Sportjugend im Deutschen Sportbund
Förderung von Einzelmaßnahmen in Berlin (West).

Auf Grund des Zonenrandförderungsgesetzes vom 5. August 1971 (BGBI. I S. 1237) wird der Bau von Einrichtungen, die dem Breitensport dienen, im Zonenrandgebiet besonders gefördert. Diese Förderung erfolgt durch Gewährung von Zuschüssen zur Deckung von Finanzierungsspitzen, mit deren Hilfe die finanzschwachen Träger im Zonenrandgebiet vielfach überhaupt erst in die Lage versetzt werden, moderne Sportstätten zu schaffen.

Die Zuwendungen werden an öffentlich-rechtliche Körperschaften und juristische Personen vergeben, die als gemeinnützig anerkannt sind. Die Entscheidung, ob im Einzelfall eine Förderung erfolgt, trifft der Bundesminister des Innern nach Stellungnahme der zuständigen obersten Landesbehörde. Diese Bundeshilfen sollen dazu beitragen, den Wohn- und Freizeitwert des Zonenrandgebietes zu verbessern und in diesem Raum Lebensbedingungen zu schaffen, die denen im übrigen Bundesgebiet adäquat sind.

Um diesen Auftrag des Gesetzgebers zu erfüllen, wurden 1972 im Haushalt des Bundesministers für innerdeutsche Beziehungen Mittel zur Verstärkten Förderung des Zonenrandgebietes bereitgestellt, von denen dieser dem Bundesminister des Innern rund 12 Millionen DM für die Sportförderung zur Bewirtschaftung zugewiesen hat.

Damit haben sich 1972 die für die Förderung von Einrichtungen des Breitensports im Zonenrandgebiet zur Verfügung stehenden Bundesmittel, die in enger Zusammenarbeit zwischen dem Bundesminister des Innern und dem Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen vergeben werden, gegenüber 1970 weit mehr als verdoppelt.

Die Wettkämpfe von Sportlern aus der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik werden vom Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen beratend und finanziell in Verbindung mit den Spitzenverbänden des Sports gefördert. Zwar bestehen zur Zeit kaum Sportbeziehungen zwischen Vereinen aus beiden deutschen Staaten untereinander, jedoch sind nach Ratifizierung des Verkehrs- und des Grundvertrages von staatlicher Seite die Voraussetzungen für eine Verbesserung der Kontakte geschaffen worden.

Zur Zeit laufen Verhandlungen der zuständigen Sportorganisationen der DDR (Deutscher Turn- und Sportbund) und der Bundesrepublik Deutschland (Deutscher Sportbund) mit dem Ziel, Absprachen zur Förderung der Sportbeziehungen zu treffen. Der Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen bemüht sich jedoch, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Sportbund dafür Sorge zu tragen, dass die Förderungsanträge soweit wie möglich berücksichtigt werden. Die Förderung von Sportbegegnungen geschieht nach dem Merkblatt des Deutschen Sportbundes vom März 1971 (mit Änderungen vom April 1973). Der Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen unterstützt den Deutschen Sportbund durch einen Zuschuss zu den hierbei anfallenden Verwaltungskosten. Die deutschlandpolitische Bildungsarbeit der Deutschen Sportjugend im Deutschen Sportbund sowie der einzelnen Sportfachverbände wird durch die Förderung von Seminaren unterstützt.

Durch besondere Förderungsmaßnahmen werden Sportbegegnungen und Wettkämpfe in Berlin (West) mit einem Betrag von etwa 500.000 DM jährlich gefördert. Für die Benutzung des Luftweges durch Berliner Sportler wurden ebenfalls Haushaltsmittel in Anspruch genommen. Der Landessportbund Berlin erhält einen jährlichen Zuschuss zu den Personals und Verwaltungskosten in Höhe von 12.400 DM.

Der Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen wendet darüber hinaus Mittel für die politische Bildung der Mitglieder von Sportvereinen auf. Hierzu gehören die Förderung von Seminaren, wissenschaftlichen Tagungen, Informations- und Studienreisen sowie der Ankauf von Spezialliteratur und Fachzeitschriften zum Sport in der DDR. Pur die deutschlandpolitische Tätigkeit von Sportfunktionären werden Zuschüsse zu Personal- und Sachkosten bereitgestellt. Für die einzelnen Maßnahmegruppen stehen im Haushaltsjahr 1973 insgesamt 7,6 Millionen DM zur Verfügung."


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 42 / 19. Oktober 2010, S. 24
Der Artikel- und Informationsdienst des
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veröffentlicht im Schattenblick zum 29. Oktober 2010