Schattenblick →INFOPOOL →SPORT → FAKTEN

GESCHICHTE/259: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 93 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 39 / 29. September 2010
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1973/I: Das Ringen um die Strukturen im bundesdeutschen Sport
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 93)

Eine Serie von Friedrich Mevert


Die Diskussion um Zuständigkeitsfragen und Bemühungen um den Ausgleich von Reibungsverlusten unter den Dachorganisationen des deutschen Sports und seinen Spitzenvertretern belastete auch im nacholympischen Jahr 1973 die Arbeit der sportlichen Dachverbände in nicht geringem Maße.

Schon in der 95. Präsidiumssitzung des DSB am 16./17. Februar, die mit einer außerordentlichen Sitzung am 2. März in Frankfurt fortgesetzt wurde, standen die Struktur, Geschäftsordnung und Finanzierung sowie die Beteiligung des NOK am Bundesausschuss Leistungssport im Mittelpunkt der Beratungen. Dabei wurde auch das sog. Spitzengespräch von DSB, NOK, DSH und DOG am 5. März 1973 in München vorbereitet, das vor allem im Bereich der Landessportbünde sehr kritisch bewertet wurde.

Über dieses Gespräch wurde folgendes gemeinsame Kommuniqué veröffentlicht:

"Die Vertreter des Deutschen Sportbundes, des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland, der Stiftung Deutsche Sporthilfe und der Deutschen Olympischen Gesellschaft haben auf einer Sitzung am 3. März 1973 in München vereinbart, die grundsätzlichen Fragen des Sports zu koordinieren. Zu diesem Zweck werden sie sich in regelmäßigen Abständen treffen, erstmals wieder am 7. Mai 1973.

Einigkeit besteht über die künftige Struktur des Leistungssports, nachdem das Präsidium des DSB die Vorschläge des Leistungssports zur internen Verwaltung weitgehend akzeptiert und den Wünschen von NOK und Sporthilfe auf Mitwirkung Rechnung getragen hat.

Zur Frage der Aufgabenverwaltung zwischen NOK, Deutscher Olympischen Gesellschaft und Stiftung Deutsche Sporthilfe besteht Einvernehmen, dass die DOG sich mit Vorrang im Auftrag des NOK der Förderung des olympischen Ideenguts annimmt und dass Überschneidungen im Spendenwesen ausgeschaltet werden.

Grundlage für die Besprechung über den Leistungssport war ein vom NOK für Deutschland vorgelegtes und tags zuvor vom DSB-Präsidium gutgeheißenes Konzept, in dem sowohl die Vorstellungen des NOK als auch die bereits früher vorgelegten des Bundesausschusses zur Förderung des Leistungssports zusammengefasst waren. Darin heißt es:

'Das NOK - nach Beratungen in seinem Vorstand und mit Vertretern der olympischen Fachverbände am 16./17.12.1972 - hält zur Verbesserung der Organisation des Hochleistungssports folgende Voraussetzungen für notwendig, wobei bereits vorliegende Vorschläge des BA-L einbezogen sind:

1. Der Bundesausschuss zur Förderung des Leistungssports ist eine Institution des DSB. Die Mitbestimmung des NOK und der Stiftung Deutsche Sporthilfe wird wie folgt gewährleistet:

2. Die Verwaltung des BA-L arbeitet unter der direkten Leitung und Verantwortung seines Vorstandes. Eine Integration in die Verwaltung des DSB ist notwendig; dabei muss jedoch die Selbständigkeit gesichert sein, die der BA-L für die Erfüllung seiner Aufgaben benötigt.

3. Der BA-L verwaltet seinen Haushalt selbständig. Das bedeutet:

a) Aufstellung des Haushaltsplanes des BA-L;
b) Mitwirkung bei der Vertretung des Haushaltes gegenüber dem Bund;
c) Ausweisung des BA-L-Haushaltes als Projektförderung im Gesamthaushalt des DSB;
d) keine Veränderung am BA-L-Haushalt ohne Zustimmung des BA-L.

4. Der BA-L berät das NOK in allen leistungssportlichen und in den Fragen der Vorbereitung der Olympia-Mannschaft. Sein Vorsitzender und der Leitende Direktor nehmen als Gäste mit beratender Stimme an den Sitzungen des NOK-Präsidiums teil.

5. Der Vorstand des BA-L nach dem bisherigen Muster wird erweitert um:

a) einen Vertreter der Stiftung Deutsche Sporthilfe,
b) einen Vertreter der Landes-Leistungsausschüsse.

6. Je ein Mitglied

a) des Beirats der Spitzenverbände,
b) der Technischen Kommission,
c) der Wissenschaftlichen Kommission vertritt das NOK.
(Anmerkung: Der Modus dieser Vertretung wird noch näher bestimmt.)

7. Es wird vorgeschlagen, in den Präsidien des DSB und des NOK eine gegenseitige Vertretung von je zwei stimmberechtigten Mitgliedern einzurichten.
Die Punkte 3. c) und 7. bedürfen noch der Abstimmung.'

Teilnehmer an der Sitzung in München waren für den DSB Präsident Dr. Wilhelm Kregel, Schatzmeister Arthur Mayer, Generalsekretär Karlheinz Gieseler, Leitender Sportdirektor Helmut Meyer und Pressesprecher Karl Bellmer; für das NOK Präsident Willi Daume, die Vizepräsidenten Dr. Max Danz und Dr. Walter Wülfing sowie Generalsekretär Walther Tröger; für die Stiftung Deutsche Sporthilfe Vorsitzender Dr. Josef Neckermann, die Vorstandsmitglieder Eberhard von Brauchitsch und Dr. Hermann Karg sowie Geschäftsführer Günter Pelshenke; für die Deutsche Olympische Gesellschaft die Vorstandsmitglieder Jan Eilers und Dr. Werner Peterssen sowie Geschäftsführer Heinz Knoche."


Daumes Vorstellungen zur künftigen Struktur

In seiner Sitzung am 6./7. Juli 1973 in Frankfurt befasste sich das DSB-Präsidium im Zusammenhang mit diesem Gespräch mit der Absicht Willi Daumes, in seiner Punktion als DSB-Ehrenpräsident "eine Initiative zur Zusammenführung aller kompetenten Kräfte in der Spitze des deutschen Sports" ergreifen zu wollen.

Kritisch wurde in dieser Sitzung auch vermerkt, dass die Deutsche Sportkonferenz (DSK) bisher nicht jene Wirkung erreicht hatte, die man sich von ihr als Koordinierungsinstrument für die öffentliche Sportförderung versprochen hatte.


Ein Vierteljahr später trug Willi Daume dann in der 98. Sitzung des DSB-Präsidiums am 19./20. Oktober 1973 seine Vorstellungen zur künftigen Struktur des deutschen Sports vor, die zu folgendem Beschluss führten:

"Das Präsidium des Deutschen Sportbundes stimmte nach einer umfassenden Aussprache grundsätzlich mit dem Präsidenten des NOK für Deutschland überein, dass eine institutionalisierte Kooperation zwischen DSB, NOK und DSH durch Einbeziehung der Präsidenten in die gegenseitigen Präsidien erfolgen soll, ohne dass davon die satzungsmäßig vorgegebene Eigenständigkeit der drei Organisationen berührt wird."


Sportjugend fordert mehr Sport im Strafvollzug

Der Jugendpressedienst (jpd) informierte mit folgendem Beitrag über entsprechende Initiativen der Deutschen Sportjugend (dsj) schon vor 37 Jahren für mehr sportliche Betätigung im Strafvollzug:

"Die Deutsche SportJugend, die sich seit geraumer Zeit auch für die sportliche Betätigung von Jugendlichen in Erziehungsheimen und Strafanstalten einsetzt, hat dem Sonderausschuss des Bundestages für die Strafrechtsreform verschiedene Änderungsvorschläge zum Regierungsentwurf eines Strafvollzugsgesetzes unterbreitet.

Die ad-hoc-Kommission 'Resozialisierung' der Deutschen Sportjugend konnte bei einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des Sonderausschusses, dem SPD-Abgeordneten Dr. Müller-Emmert, feststellen, dass dieser die Vorschläge unterstützt. So will die SportJugend erreichen, dass im Regierungsentwurf sichergestellt wird, dass Gefangene einen Anspruch auf sportliche Betätigung haben und dass zeitgemäß ausgestattete Sporteinrichtungen zur Verfügung stehen müssen. Außerdem soll in den Vorschriften über die Erstellung eines Vollzugsplanes auch der Sport einbezogen werden. Bei Vorliegen der sonstigen Voraussetzungen soll der Gefangene ferner die Möglichkeit erhalten, zur Ausübung des Sports die Anstalt verlassen zu können."


*


Quelle:
DOSB-Presse Nr. 39 / 29. September 2010, S. 23
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
Herausgeber: Deutscher Olympischer Sportbund
Otto-Fleck-Schneise 12, 60528 Frankfurt/M.
Tel. 069/67 00-255
E-Mail: presse@dosb.de
Internet: www.dosb.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 6. Oktober 2010