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GESCHICHTE/240: Bedeutende Sportpersönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte - Teil 17 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 24 / 15. Juni 2010
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Grete Nordhoff - die erste Frau in der Führung des DSB

Bedeutende Sportpersönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte (17)


Eigentlich hätten die an sich recht weitsichtigen Gründungsväter des NOK und des DSB bereits vor sechs Jahrzehnten Frauenförderpläne für die Dachorganisationen des deutschen Sports beschließen müssen, denn in den Teilnehmerlisten der beiden Gründungsversammlungen in Bonn und Hannover fehlen weibliche Delegierte fast völlig. Immerhin fasste man bei der Konstituierung des DSB im Dezember 1950 den Beschluss, einen Platz im Präsidium für eine Frau freizuhalten, die allerdings von einer gesonderten Frauentagung gewählt werden sollte. Dies geschah dann bei der Konstituierung des DSB-Frauenausschusses im Rahmen des Internationalen Sportkongresses des DSB am 24. Mai 1951 in Stuttgart. Gewählt wurde die 51jährige Lehrerin Grete Nordhoff aus Osterholz-Scharmbeck, die das Amt 18 Jahre lang innehatte. Grete Nordhoff wurde in Gronau bei Hannover am 6. Oktober 1899 geboren und kam nach Schulbesuch und Ausbildung als junge Lehrerin 1921 nach Osterholz-Scharmbeck, einer Kleinstadt an der Hamme im niedersächsischen Umland von Bremen. Dort begann ihr turnerischer Lebensweg im Turnverein Gut-Heil Osterholz, in dem sie 1928 eine Frauen-Gymnastik-Abteilung gründete und auch die Leitung übernahm.

Durch ihre pädagogischen Fähigkeiten wurde sie bald über ihren Verein und den Turnkreis hinaus bekannt, wurde Mitglied in der Georg-Wiechmann-Turnschule in Bremen, übernahm 1934 das Amt der Frauenwartin im Turnbezirk und zwei Jahre später bis 1942 die gleiche Aufgabe im damaligen Turngau Niedersachsen. Während der Kriegsjahre konnte der Turnbetrieb nur mit Mühe aufrechterhalten werden, doch Grete Nordhoff wirkte nach Kriegsende bis zum Verbot ihres Turnvereins durch die britische Militärregierung als Frauenturnwartin im Vorstand mit. Als sich dann im Herbst 1945 das sportliche Leben langsam wieder zu regen begann, war auch Grete Nordhoff bei der Gründung des Vereins für Sport und Körperkultur Osterholz-Scharmbeck (VSK) dabei, der als Gemeinschaftsverein aus den Resten der früheren Vereine des Ortes gegründet wurde. Später übernahm sie dann auch die Leitung der Frauenabteilung des Vereins. In Grete Nordhoff vereinten sich turnerisches Können, pädagogische Fähigkeiten und Organisationsgeschick in idealer Weise. Sie galt als anerkannte Turnpädagogin, deren Rat und Mitarbeit bald auch in übergeordneten Sportgremien gefragt war und geschätzt wurde. So wurde sie auf Vorschlag der niedersächsischen LSB-Frauenwartin Elisabeth Schadow 1951 auch in den Frauenausschuss des DSB berufen und gleich zur Vorsitzenden gewählt. Damit gehörte sie seit Mai 1951 auch dem Präsidium des Deutschen Sportbundes an.

Grete Nordhoff nahm engagiert diese Aufgabe als Vertreterin der Frauen in der deutschen Sportführung bis 1968 wahr, als sie beim DSB-Bundestag in Stuttgart aus Altersgründen ausschied und von Inge Bausenwein abgelöst und zur Ehrenvorsitzenden des Frauenausschusses ernannt wurde. 1954 war sie vom Bundesminister für Familie und Jugend in den Technischen Ausschuss für die Bundesjugendspiele berufen worden, wo sie die Interessen der weiblichen Jugend wahrnahm. 1970 wurde sie für ihre Verdienste in den Jahren des Neuaufbaus vom DSB-Bundestag als erste Frau zum Ehrenmitglied des Deutschen Sportbundes berufen. Mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse war sie bereits 1961 für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Wirken für Turnen und Sport ausgezeichnet worden.

Grete Nordhoff war trotz ihrer hohen Ämter und ihres Ansehens immer eine einfache und bescheidene Lehrerin geblieben. So leitete sie auch als Mitglied des DSB-Präsidiums bis 1968 weiterhin die Frauenabteilung ihres VSK Osterholz-Scharmbeck, der sie 1969 zu seinem Ehrenmitglied ernannte, und stellte sich auch nach ihrer Pensionierung als Lehrerin ihrer Findorff-Schule zur Verfügung, in der sie fast ein halbes Jahrhundert als Pädagogin gewirkt hatte. "Grete Nordhoff stand nie für vordergründige Liebenswürdigkeit", schrieb Lisa Scheller einmal über sie in einer Schrift über die Entwicklung des Frauenturnens im nordwestdeutschen Raum. Stattdessen strahlte Grete Nordhoff stets Herzenswärme und Hilfsbereitschaft aus. Sie war eine Frau, die es in der Umgebung von fast nur Männern nicht einfach hatte, die Interessen der von ihr vertretenen Frauen im Sport durchzusetzen, aber es dank ihrer Persönlichkeit schaffte. Grete Nordhoff starb am 6. Mai 1976 im Alter von 76 Jahren in ihrer Heimatstadt.


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 24 / 15. Juni 2010, S. 22
Der Artikel- und Informationsdienst des
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veröffentlicht im Schattenblick zum 25. Juni 2010