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GESCHICHTE/233: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 79 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 22 / 1. Juni 2010
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1970/IV: Rahmenrichtlinien zur Bekämpfung des Dopings verabschiedet
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (79)

Von Friedrich Mevert


Die Diskussionen über die Ergebnisse der Doping-Untersuchungen u. a. bei der Gewichtheber-WM in den USA führten dazu, dass auch die im Deutschen Sportbund (DSB) vereinten Sportverbände gegen Doping Front machten. Bei der 8. DSB-Hauptausschuss-Sitzung am 26. September 1970 in Mannheim wurden einstimmig Rahmenrichtlinien verabschiedet, in denen sich die DSB-Mitgliedsorganisationen verpflichten, "die Verwendung von Dopingmitteln im Sport zu verbieten und das Doping mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu bekämpfen".


Was ist Doping? Das wurde in eindeutigen Begriffsbestimmungen erläutert:

1. "Doping ist der Versuch, eine Steigerung der Leistungsfähigkeit des Sportlers durch unphysiologische Substanzen für den Wettkampf zu erreichen.

2. Doping-Substanzen im Sinne dieser Richtlinien sind Phenyläthylaminderivate (Weckamine, Epfeedrine, Adrenalinderivate), Narkotika, Analeptika (Kampfer- und Strychnin-derivate), Sedativa, Psychopharmaka und Alkohol.

3. Doping ist die Anwendung (Einnahme, Injektion oder Verabreichung) einer Doping-Substanz durch Sportler oder deren Hilfs-Personen (insbesondere Mannschaftsleiter, Trainer, Betreuer, Ärzte, Pfleger und Masseure) vor einem Wettkampf oder während eines Wettkampfes."

Die Richtlinien sagten auch etwas über den Kreis der zu kontrollierenden Sportler, die "Duldungspflicht" der Sportler und Hilfspersonen bei den Doping-Kontrollen aus und legten die Prozedur der Kontrollen fest. Außerdem wurden Empfehlungen für das Strafmaß gegeben:

4. "Doping soll bei Sportlern

a) im ersten Fall mit Wettkampfsperre von einem bis zu sechs Monaten,

b) im ersten Rückfall mit Wettkampfsperre von einem Jahr bis zu zwei Jahren und sechs Monaten,

c) im zweiten Rückfall mit Wettkampfsperre auf Lebenszeit bestraft werden.

5. Hilfspersonen sollen bei nachgewiesenem Doping sofort mit Ausschluss von der Teilnahme an allen Wettkämpfen und Verbot jeder Betätigung im Zusammenhang mit Wettkämpfen bestraft werden; hierbei gelten die Mindest- und Höchstfristen des Absatzes 1. Daneben kann auf Geldbußen erkannt werden.

6. Neben den Strafen nach a) bis c) ist der Sportler bzw. seine Mannschaft für den Wettkampf zu disqualifizieren; für den Fall, dass die Anwendung von Dopingmitteln noch während des Wettkampfes nachgewiesen wird, erfolgt der Ausschluss sofort.

7. Die Strafen 1. bis 3. treffen auch denjenigen, der als Sportler oder Hilfsperson während eines Wettkampfes Dopingmittel in seinem Besitz hat."


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 22 / 1. Juni 2010, S. 28
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
Herausgeber: Deutscher Olympischer Sportbund
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veröffentlicht im Schattenblick zum 4. Juni 2010