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GESCHICHTE/187: Bedeutende Sportpersönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte - Teil 2 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 51-52 / 15. Dezember 2009
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Ingeborg Bausenwein - Großes Engagement für Frauen und Behinderte

Bedeutende Sportpersönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte (2)


Als sie bei der Vollversammlung des Bundesausschusses Frauensport des DSB 1994 in München für ihren lebenslangen Einsatz ausgezeichnet wurde, konnte die Nürnbergerin Ingeborg Bausenwein auf eine großartige sportliche Karriere, aber auch auf ein erfolgreiches Lebenswerk für Sport und Gesundheit zurückblicken.

Ein Lebenswerk, das von schweren Schicksalsschlägen nicht verschont blieb, aber dennoch familiäre, berufliche und sportliche Erfüllung brachte und von der Teilnahme an den Deutschen Jugendmeisterschaften im alpinen Skilauf angefangen über die Bayerische Meisterschaft im Schwimmen und die fünfmalige deutsche Meisterschaft im Speerwerfen bis zur Mitgliedschaft im Nationalen Olympischen Komitee und im Präsidium des Deutschen Sportbundes führte.

Als Tochter des Nürnberger Stadtrates Plank am 13. Oktober 1920 in Nürnberg geboren, studierte Ingeborg Plank nach dem Abitur zunächst Sport, Geschichte und Geographie und war nach dem Examen 1943/44 als Lehrkraft an einem Mädchengymnasium tätig. 1943 heiratete sie Major Wolf, einen Freund ihres Bruders, und verlor schon drei Wochen nach der Eheschließung ihren Gatten und ihren Bruder in den Kämpfen vor Stalingrad. Sportlich war sie bereits 1941 und 1943 - jeweils mit Jahresweltbestleistungen - deutsche Meisterin im Speerwerfen geworden. Als junge Witwe nahm sie 1944 an der Universität Erlangen ein Zweitstudium in Medizin auf, das sie 1950 mit der Examensnote "Sehr gut" abschloss.

Ihr weiterer beruflicher Werdegang führte Dr. Ingeborg Bausenwein an verschiedene Kliniken sowie von 1950 bis 1953 als Sportärztin an die Deutsche Sporthochschule Köln. Seit 1957 war sie als Jugend- und Sportärztin im Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg vor allem für die Betreuung des Schulsonderturnens verantwortlich und leitete die Sportmedizinische Untersuchungs- und Beratungsstelle. 1950 hatte sie den Neurologen Dr. Jörg Bausenwein geheiratet. Zwei Söhne und eine Tochter wurden in den Jahren 1951, 1954 und 1959 geboren.

In ihrer sportlichen Laufbahn wurde sie in der Kriegs- und Nachkriegszeit durch die politischen Ereignisse um eine mögliche Olympiamedaille gebracht. Als weltbeste Speerwerferin des Olympiajahres 1948 durfte sie als Deutsche nicht an den Spielen in London teilnehmen. Vier Jahre später war Ingeborg Bausenwein 1952 dann doch noch Olympiateilnehmerin in Helsinki, fungierte aber gleichzeitig als Mannschaftsführerin und ärztliche Betreuerin. Als Olympiaärztin nahm sie auch den den Spielen in Rom (1960), Tokio (1964) und München (1972) teil.

Ehrenamtliche Verantwortung in den Organisationen des Sports und der Sportmedizin übernahm Ingeborg Bausenwein in zahlreichen Aufgabenbereichen. So war sie u. a. bereits von 1959 bis 1987 Vorsitzende der Sektion Frauensport im Deutschen Sportärztebund und ab 1987 stellvertretende Vorsitzende der Sektion. Sie gehörte von 1960 bis 1970 dem Präsidium des Deutschen Sportbundes an und war von 1968 bis 1970 und von 1973 bis 1974 Vorsitzende des Bundesausschusses Frauensport des DSB und dann bis 1982 stellvertretende Vorsitzende und Beisitzerin. Seit der Begründung des Bundesinstituts für Sportwissenschaft war sie Mitglied des Fachbeirates für Sportmedizin und leitete von 1965 bis 1973 den Arbeitskreis "Leistungssport der Frau" im damaligen Bundesausschuss zur Förderung des Leistungssports des DSB. Dem NOK für Deutschland gehörte sie als Persönliches Mitglied an.

Neben den Belangen der Frauen im Sport galt ihr besonderes Engagement aber auch der Arbeit mit behinderten Menschen. Im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit nahm Ingeborg Bausenwein seit 1966 einen Lehrauftrag für Sportmedizin an der Universität Nürnberg wahr und erhielt Forschungsaufträge für therapeutischen Sport. Zahlreich sind ihre wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Problemen des Frauensports, des Jugendsports und des Behindertensports, Im Bundesverband für Mehrfachbehinderte leitete Ingeborg Bausenwein den Sportbeirat, der Mitte der 70er Jahre auf ihre Initiative in diesem Verband eingerichtet wurde.

Ingeborg Bausenwein wurde wegen ihrer persönlichen Leistungen und ihres lebenslangen Engagements weit über ihre Heimatstadt Nürnberg hinaus geachtet und verehrt. 1980 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen, 1985 die Goldene Ehrennadel des Deutschen Sportärztebundes. In ihrem Heimatverein 1. FC Nürnberg, dem sie seit 1939 angehörte, war sie Ehrenmitglied. Der Bundesausschuss Frauen im Sport des DSB zeichnete Ingeborg Bausenwein, die im Oktober 2000 ihr 80. Lebensjahr vollendete, bei seiner Vollversammlung 1994 in München für ihren lebenslangen Einsatz für die Belange der Frauen im Sport aus.

Am 1. September 2008 ist Dr. Ingeborg Bausenwein in ihrer fränkischen Heimatstadt Nürnberg im Alter von 87 Jahren gestorben. "In tiefem Respekt verneigt sich der deutsche Sport vor dem Lebenswerk von Ingeborg Bausenwein und wird das Andenken an sie in Ehren bewahren", kondolierte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 51-52 / 15. Dezember 2009, S. 34
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veröffentlicht im Schattenblick zum 13. Januar 2010