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GESCHICHTE/186: Auch im Dezember 1949 mehrere Verbandsgründungen (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 50 / 8. Dezember 2009
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Auch im Dezember 1949 mehrere Gründungen
Rudern, Hockey, Boxen: Die Zahl bundesdeutscher Spitzenverbände wächst

Friedrich Mevert


Mit den Wiedergründungen weiterer Bundesfachverbände auch im Dezember 1949 wuchs die Zahl der Mitgliedsorganisationen des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) bis zum Jahresende auf eine zweistellige Zahl an. Dabei handelte es sich allesamt um Wiedergründungen von bereits traditionsreichen Verbänden, die während des Dritten Reiches im Rahmen des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen (NSRL) als gleichgeschaltete Fachämter geführt und verwaltet wurden.

Alle drei Verbände, Deutscher Ruder-Verband, Deutscher Hockey-Bund und Deutscher Amateur-Box-Verband, wurden am 10. Dezember 1949 gegründet, auf den Tag genau ein Jahr vor dem Deutschen Sportbund (1950 in Hannover). Nachzutragen ist der Deutsche Golf-Verband, der sich als "Arbeitsausschuss Golf" bereits am 12. März in Wiesbaden konstituierte und sich dann durch einen Präsidiumsbeschluss am 18. Oktober ohne weitere Mitgliederversammlung die Verbandsform gab.


Vorbilder waren englische Kaufleute in Hamburg

Der 5. Juni 1836 gilt als der Geburtstag des organisierten Rudersports in Deutschland. An diesem Tag vor fast 175 Jahren gründeten junge Hamburger Kaufleute mit dem Hamburger Ruder-Club den ersten deutschen Ruderverein. Vorbild waren in Hamburg beruflich tätige Engländer, die den aus ihrer Heimat gewohnten Sport auf der Alster einführten. Bereits 1844 wurde in der Hansestadt die erste Regatta ausgetragen und als Regattaverein der Allgemeine Alster-Club aus der Taufe gehoben. Erst nach 1865 entstanden in Frankfurt, Mannheim und Berlin weitere Zentren des Rudersports. Das deutsche Kaiserhaus förderte die Einführung von Schüler-Ruderriegen an den höheren Lehranstalten überall im Lande.

Nachdem es bereits 1882 auf Initiative der Frankfurter Rudergesellschaft Germania einen ersten Ruderkongress in Frankfurt gegeben hatte, trafen sich Vertreter von 34 Ruderclubs am 18. März 1883 im Kölner Gürzenich zur Gründung des Deutschen Ruderverbandes, der damit der älteste deutsche Sportverband ist. Als Vorsitzender des Verbandes wurde Adolf Burmester (Hamburg) gewählt. In einem "Grundgesetz" wurden Zweck und Aufgaben des DRV festgelegt. Durch diesen Zusammenschluss der Rudervereine in einem nationalen Verband wurden nicht nur die Grundlagen für verbindliche Wettkampfregeln, nationale Wettkämpfe und Kontakte zum Ausland geschaffen, sondern auch Beispiele für andere Sportarten gegeben, sich ebenfalls auf nationaler Ebene zusammenzuschließen. Im Gegensatz zu anderen sportlichen Gruppen handelte es sich bei den Ruderklubs damals um sehr exklusive Vereinigungen, in denen nach eng ausgelegten Amateurregeln Handwerker und Arbeiter keine Mitglieder werden konnten und durften. Erst später wurde diese Distanz überwunden und Rudern immer mehr zu einem Volkssport.

Bereits 1900 nahmen deutsche Klubs an den ersten olympischen Ruderregatten in Paris teil, wo der Germania RC Hamburg im Vierer mit Steuermann die Goldmedaille gewann. War der DRV zunächst vor allem an leistungssportlichen Prinzipien orientiert, so wurde doch nach einem Vierteljahrhundert (1908) auch das Wanderrudern offiziell anerkannt. Bis in die 30er Jahre musste das Frauenrudern um seine Anerkennung kämpfen, obwohl bereits 1901 in Berlin der erste Frauen-Ruderverein gegründet worden war, der Friedrichshagener Damen RC . Im Frauenrudern - hier gab es seit 1919 einen eigenen Deutschen Damen-Ruder-Verband (DDRV), der 1927 in der DRV aufgenommen wurde und sich 1933 auflöste - stand über Jahrzehnte das Stilrudern im Vordergrund. 1939 gab es die ersten Deutschen Frauenmeisterschaften im Rennrudern. Ab 1971 wurden keine Wettbewerbe im Stilrudern mehr ausgeschrieben.

Aus politischen Gründen boykottierte der DRV zunächst den bereits 1892 in Turin gegründeten Internationalen Ruderverband FISA (Federation Internationale des Societes d'Aviron) und auch die seit 1893 durchgeführten Europameisterschaften wegen der französisch-belgischen Vorherrschaft im Weltverband. Erst 1912 schloss sich der DRV der FISA an und führte 1936 erstmalig in Berlin-Grünau Europameisterschaften durch. Auf dieser Olympiastrecke gab es 1936 mit fünf Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille in den sieben olympischen Bootsklassen den bisher größten Triumph für den deutschen Rudersport. Im selben Jahr wurde im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung der DRV aufgelöst und in den NSReichsbund für Leibesübungen übernommen, wo der Rudersport im Rahmen eines Fachamtes geführt und verwaltet wurde. Ein entsprechender Beschluss wurde vom 25. Deutschen Rudertag am 3. Juli 1936 in Hamburg gefasst.

Die Wiedergründung des Deutschen Ruderverbandes nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte am 10. Dezember 1949 in Wetzlar. Mit Dr. Walter Wülfing (Hannover) wählten die Vertreter der Rudervereine einen Präsidenten an die Spitze ihres Verbandes, der sich großartige Verdienste um den deutschen und internationalen Rudersport und um den deutschen Sport insgesamt erwarb. Wülfing führte den DRV bis 1966 und gab dann das Ruder an den heutigen Ehrenpräsidenten Dr. Claus Heß (Würzburg) ab.

Die 60er Jahre brachten die bisher größten Nachkriegserfolge für den DRV, die 1959 bei den 49. Europameisterschaften in Macon mit vier Gold- und zwei Silbermedaillen einsetzten. Bei den Olympischen Spielen I960 in Rom gewannen die DRV-Boote drei Goldmedaillen, darunter erstmalig den Achter, und bei den 1. Ruderweltmeisterschaften 1962 in Luzern gab es in sieben Rennen nicht weniger als fünf Gold- und eine Bronzemedaille für die bundesdeutschen Ruderer. Dieser Vorsprung, der vor allem großartigen Trainerpersönlichkeiten wie Karl Adam, Karl Wiepke, Walter Volle und Theo Cohnen zu danken war, ging Mitte der 60er Jahre verloren.


Hockey wurde zuerst in Hamburg gespielt

Um die Jahrhundertwende wurde das Spiel mit dem Krummstock auf deutschem Boden zuerst in Hamburg gespielt, wo 1901 mit dem Uhlenhorster Hockey Club auch der älteste deutsche Hockeyverein gegründet wurde. Von der norddeutschen Hafenstadt breitete sich das Spiel dann vor allem in den deutschen Großstädten aus, und die Vertreter der zwischenzeitlich gegründeten Klubs beschlossen am 31. Dezember 1909 in Bonn die Gründung des Deutschen Hockey-Bundes und beriefen die konstituierende erste Bundestagung für den 26. März 1910 nach Hamburg ein.

Zum ersten Präsidenten wurde der als Leichtathlet bekannte Berliner Kurt Doerry gewählt, der als aktiver Spieler wie als Sportpublizist - 1927 wurde er auch erster Präsident des Verbandes Deutsche Sportpresse - viel für die Verbreitung des Hockeysports tat. Ihm folgten an der Spitze des DHB seine Klubkameraden vom Berliner Hockey-Club Georg Berger (1919 - 1928) und Georg Evers (1928 -1937).

Nach der Auflösung des DHB durch die Nationalsozialisten und der zwangsweisen Eingliederung als Fachamt Hockey in den NS-Reichsbund für Leibesübungen wurde der Düsseldorfer Willy Jäger (1937 - 1945) zum Fachamtsleiter bestellt. Georg Evers aber war beim Kongress des 1924 gegründeten Welthockey-Verbandes FIH 1936 in Berlin zum FIH-Präsidenten gewählt worden und behielt dieses Ehrenamt bis zum Kriegsende 1945 inne. Trotz beachtlicher internationaler Erfolge, wobei vor allem die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1936 zu nennen ist, blieb dem Hockeysport aber eine große Verbreitung im Deutschen Reich versagt.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches wurde der Deutsche Hockey-Bund am 10. Dezember 1949 in Köln wiederbegründet und zum Präsidenten der Hamburger Paul Reinberg gewählt, der es als Sportdiplomat verstand, die deutschen Hockeyspieler bald wieder in den internationalen Kreis zurückzuführen und der später auch zum Vizepräsidenten der FIH berufen wurde. Ihm folgte 1967 als fünfter DHB-Präsident der Mannheimer Dr. Adolf Kulzinger, unter dessen Präsidentschaft mit der Goldmedaille von München 1972 einer der bisher größten sportlichen Erfolg des DHB fiel, der aber auch für den strukturellen Aufbau des Hockeysports - u.a. mit der Schaffung des Bundesleistungszentrums in Köln - Maßstäbe setzte.


Boxen war in Deutschland bis 1918 verboten

In Deutschland war der Boxsport bis zum Jahr 1918 verboten. Erst nach Beendigung des 1. Weltkrieges ging es mit diesem Kampfsport aufwärts. Vereine und Regionalverbände wurden gegründet und dann am 5. Dezember 1920 in Berlin der Deutsche Reichsverband für Amateur-Boxen (DRfAB) ins Leben gerufen. Erste Präsidenten wurde Leonhard Mandlar aus Berlin. Bereits am Tag nach der Verbandsgründung wurden in Berlin die ersten Deutschen Meisterschaften mit 36 Teilnehmern ausgeboxt. 1921 umfasste der DRfAB mehr als 200 Vereine in den Landesverbänden Norddeutschland, Westdeutschland, Mitteldeutschland, Brandenburg, Hamburg und Süddeutschland. Der erste Länderkampf wurde 1922 gegen die Schweiz bestritten und mit 12:4 Punkten gewonnen.

Den ersten Höhepunkt in der Verbandsgeschichte brachten die Europameisterschaften 1927 in Berlin, bei denen sich vier deutsche Boxer mit dem Titel schmücken konnten. Auch bei den Olympischen Spielen 1936 gab es mit zwei Gold-, zwei Silber- und einer Bronzemedaille die erhofften Erfolge. Im Zeitraum zwischen 1933 und 1944 wurden im Rahmen der NSGleichschaltung die Verbandsstrukturen mehrfach geändert und auch die Verbandsführung mehrfach gewechselt.

Nach dem 2. Weltkrieg bildeten sich zuerst in der damaligen britischen und amerikanischen Zone wieder Amateurboxvereine. 1947 wurden schon wieder Zonenmeisterschaften ausgetragen, 1948 in Köln bereits Deutsche Meisterschaften. Am 10. Dezember 1949 wurde in Essen der Deutsche Amateur-Box-Verband wieder gegründet und zum Präsidenten Georg Dietrich aus Frankfurt gewählt, der dieses Amt bis 1955 ausübte.

Einen Höhepunkt in der Nachkriegsgeschichte bildete zweifellos die Durchführung der 3. Weltmeisterschaften der Amateurboxer vom 4. bis 15 Mai 1982 in München, bei denen zwar kein bundesdeutscher Boxer das Finale erreichte, allerdings Zielonka (Weltergewicht) und Hussing (Superschwergewicht) zwei Bronzemedaillen erkämpften.

In den internationalen Fachverband AIBA (Association Internationale de Boxe Amateur) wurde der DABV 1950 aufgenommen. Vor einigen Jahren änderte der Verband seinen Namen in Deutscher Boxsport-Verband (DBV).


Kurgäste importierten den Golfsport nach Deutschland

Mit Kurgästen von der britischen Insel wurde Golf schon im vorigen Jahrhundert auch nach Deutschland importiert und zuerst im Kurpark von Bad Homburg gespielt. Nach und nach entstanden Golfplätze im damaligen Deutschen Reich von Bremen bis Baden-Baden, und am 26.5.1907 gründeten Delegierte von acht Golfclubs im Uhlenforster Fährhaus zu Hamburg den Deutschen Golf-Verband und wählten den Initiator der Zusammenkunft, Johann Vincent Wentzel (Hamburg), zum ersten DGV-Präsidenten. Wentzel übte dieses Amt bis 1919 aus. Im Dritten Reich nahm von 1933 bis 1944 Karl Henkeil (Wiesbaden) diese Aufgabe wahr und im letzten Kriegsjahr kommissarisch Dr. W. A. Burchard-Motz (Hamburg).

Der Deutsche Golf-Verband hat seinen Sitz in Wiesbaden, wo er auch am 2. März 1949 nach dem Zweiten Weltkrieg als Arbeitsausschuss Golf wiederbegründet wurde. Erster Nachkriegspräsident war Freiherr M. von Bissing aus Frankfurt (1949 - 1951).

An großen Wettbewerben führt der Deutsche Golf-Verband seit 1911 (Baden-Baden) die Offenen Meisterschaften von Deutschland durch, die 1981 mit Bernhard Langer erstmalig ein Deutscher gewann. Seit 1913 (Oberhof) werden die Internationalen Deutschen Amateur-Meisterschaften für Herren ausgetragen, seit 1927 (Köln) die gleiche Disziplin auch für Damen. Um den "Preis der Bundesrepublik" geht es seit 1974 mit Ländermannschaften der Damen und Herren. Nationale Deutsche Amateurmeister werden bei den Damen und Herren seit 1938 ermittelt. Als Deutsche Mannschaftsmeisterschaft gibt es seit 1954 den "Clubpokal von Deutschland". Schließlich kämpfen die DGV-Landesverbände seit 1980 um den Länderpokal für Damen- und Herrenmannschaften. Jugend-, Junioren- und Seniorenmeisterschaften runden das Bild der offiziellen Meisterschaftsveranstaltungen ab. Mit den bisher einmaligen Erfolgen des Anhausener Profis Bernhard Langer trat der deutsche Golfsport in neue Dimensionen ein. Im elften Jahrzehnt seines Bestehens nimmt der organisierte Golfsport in Deutschland einen rapiden Aufschwung, der auch in der immer größer werdenden Zahl von Golfplätzen sichtbar zum Ausdruck kommt. Weiteren Aufschwung dürfte sicher auch der IOC-Beschluss von Kopenhagen bringen, wodurch der Golfsport von 2016 an wieder olympisch wird.


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 50 / 8. Dezember 2009, S. 37-40
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veröffentlicht im Schattenblick zum 19. Dezember 2009