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GESCHICHTE/149: Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte Teil 43 (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 31-32 / 28. Juli 2009
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

1962/II: Neue Vereinbarungen des DSB mit der Bundeswehr
Sportpolitische Dokumente aus sieben Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte (Teil 43)

Eine Serie von Friedrich Mevert


Nach mehreren Vorbesprechungen und Einzelgesprächen der Fachverbände empfing der Bundesminister für Verteidigung, Dr. Franz Josef Strauß, am 30. Mai 1962 den Präsidenten des Deutschen Sportbundes, Willi Daume, zu einem eingehenden Gespräch über Fragen, die den Sport und die Bundeswehr gemeinsam interessierten. Als Vertreter des DSB nahmen weiter an der Besprechung teil der Vizepräsident des NOK, Herbert Kunze, und der Geschäftsführer des DSB, Guido von Mengden, sowie von der Bundeswehr Brigadegeneral Christian Schaeder und Oberstleutnant Jürgen Schuppen.

Bei der Behandlung des Themas Beurlaubung und Förderung von Spitzenkönnern wurde Übereinstimmung erzielt, daß die Bundeswehr weitgehend auf die Wünsche des Deutschen Sportbundes und seiner Mitgliedsverbände Rücksicht nehmen wird. Für die Durchführung militärischer Sportwettkämpfe sollten die vom Bundesverteidigungsministerium mit den Spitzenverbänden getroffenen Vereinbarungen gelten, wobei u. a. - um gegenseitige Überschneidungen zu vermeiden - Terminabstimmungen zugesagt worden sind.

Im übrigen hatten die neuen Vereinbarungen nachstehenden Wortlaut:

"I. Grundsätzliches

1. Grundsätzlich steht es jedem Soldaten frei, sich für den Beitritt zu einem Sportverein zu entscheiden. Grundsätzlich ist örtlich gemeinsame sportliche Betätigung in und mit zivilen Vereinen anzustreben.

2. Die Soldaten aller Dienstgrade sind in der Ausübung des außerdienstlichen Sports durch ihre Vorgesetzten zu unterstützen. Das dienstlich gelieferte Sportgerät ist den Sporttreibenden bei Bedarf für den außerdienstlichen Sport zur Verfügung zu stellen.

3. Versehrte in der Bundeswehr sollen am Versehrtensport im Rahmen der bestehenden Versehrtengruppen teilnehmen (siehe "Besondere Anordnungen für das Sanitätswesen" Nr. 10 Ziff. 9 vom 26.2. 1957).

4. Zur Vermeidung von Verletzungen, Sportschäden oder unsachgemäßem Sportbetrieb wird Soldaten, die in der Freizeit außerhalb eines Turn- und Sportvereins Sport treiben, empfohlen, aus ihren Reihen einen Leitenden zu bestimmen. Diesem wird empfohlen, auf die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen, wie sie für den dienstlichen Sport in den "Vorläufigen Richtlinien für die Sportausbildung in der Bundeswehr" und in den Wettkampfbestimmungen der deutschen Spitzenverbände festgelegt sind, hinzuwirken.

Soldaten, die einzeln Sport in der Freizeit außerhalb eines Vereins betreiben, müssen ebenfalls die genannten Sicherheitsbestimmungen beachten.


II. Mitgliedschaft in Turn- und Sportvereinen

5. Die Spitzenverbände des Deutschen Sportbundes entscheiden in eigener Zuständigkeit bei einem Vereinswechsel über die Wartefristen und Startgenehmigungen.

Der zeitlich begrenzte Vereinswechsel und die häufigen dienstlichen Versetzungen der Soldaten haben jedoch den DSB veranlaßt, seinen Mitgliedsverbänden Sonderregelungen zur Vermeidung von Härtefällen zu empfehlen.


III. Vereinsneugründungen

6. Voraussetzungen für die Teilnahme an Wettkämpfen und Mannschaftswettbewerben der Spitzenverbände des DSB ist die Mitgliedschaft in einem deutschen Turn- und Sportverein und die Zugehörigkeit dieses Vereins zu einer Mitgliedsorganisation des DSB.

Infolgedessen müssen von Seiten der Bundeswehr bei einer Vereinsneugründung die Aufnahmebedingungen der entsprechenden Mitgliedsorganisation erfüllt werden.

Die Satzungen des neugegründeten Vereins müssen die Rechtsstellung als eingetragener Verein auf der Grundlage der Gemeinnützigkeit herausstellen.

7. Eine Vereinsneugründung kann demnach erfolgen, wenn

a) aus den Satzungen hervorgeht, daß die Aufnahme von Mitgliedern sich nicht auf Soldaten beschränkt und daß vor allem Jugendliche aufgenommen werden können und

b) eine fachlich einwandfreie und beständige Vereinsleitung durch erfahrene Kräfte gewährleistet ist, sowie in der Regel dann, wenn

c) am Ort kein Turn- oder Sportverein vorhanden ist oder

d) der am Ort bestehende Verein des DSB nicht leistungsfähig oder angesichts des übergroßen Mitgliederzugangs überfordert ist oder

e) ein bestimmtes Fachgebiet in bestehenden Vereinen in Form von Übungsgruppen oder Abteilungen nicht vertreten ist oder ausnahmsweise, wenn

f) zivile Vereine es aus internen Gründen oder wegen des häufigen Zu- und Abgangs von Soldaten ablehnen, diese als Mitglieder aufzunehmen, oder

g) wenn andererseits Soldaten der Bundeswehr nicht einem Zivilverein beitreten wollen.


IV. Das Deutsche Sportabzeichen

11. Die Prüfung für das Deutsche Sportabzeichen kann bei der Truppe oder bei den öffentlichen Prüfungsausschüssen der Sportorganisation abgenommen werden.

Die Landessportbünde sind für das Prüfungs- und Verleihungswesen verantwortlich. Ihre Geschäftsstellen geben die Urkundenhefte aus und nehmen sie mit den beurkundeten Leistungen zur Nachprüfung entgegen. Die Metall- und Stoffabzeichen werden von den Landessportbünden ausgehändigt.

12. Soldaten der Bundeswehr können auf Lehrgängen an der Sportschule der Bundeswehr die Abnahmeberechtigung für die Lauf-, Wurf-, Sprung- und Schwimmdisziplinen des Deutschen Sportabzeichens erwerben. Jeder Lehrgang wird durch eine Abschlußprüfung beendet, bei der ein vom DSB namhaft gemachter Vertreter zugegen ist. Dieser hat für jeden Prüfling zu bestätigen, daß die Voraussetzungen für die Abnahmeberechtigung erfüllt sind.

Die Abnahmeberechtigung gilt nur für den Bereich der Bundeswehr. Die Abnahmeberechtigung für den Gesamtbereich des DSB kann bei dem DSB beantragt werden.


V. Lebensrettungsausbildung

14. Sowohl die Gliederungen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft als auch die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes sind bereit, der Bundeswehr bei der Rettungsschwimmausbildung behilflich zu sein.

Nach gegenseitiger Absprache können in der Freizeit örtliche Rettungsschwimmlehrgänge durchgeführt werden.

Inhaber des Leistungsscheins können zusätzlich in örtlichen Lehrgängen oder auf den Schulen der oben genannten Organisationen den Lehrschein erwerben. Damit sind sie berechtigt, selbständig Rettungsschwimmlehrgänge durchzuführen und Prüfungen abzunehmen.

Unterrichtsmaterial für die Ausbildung im Rettungsschwimmen (Filme, Tauch- und Lebensrettungsausrüstung, Lehrtafeln, Lehrbücher) kann von den örtlichen Geschäftsstellen angefordert werden.

Die Unkosten für Grund-, Leistungs- und Lehrscheine und gegebenenfalls erforderliche Mitgliedsbeiträge müssen von dem einzelnen Soldaten getragen werden.


VII. Versicherung und Versorgung

16. Unfälle, die bei sportlicher Betätigung innerhalb der Turn- und Sportvereine oder bei Teilnahme an den Wettkämpfen und Lehrgängen der Spitzenverbände des DSB und ihrer Untergliederungen entstehen, werden nicht als Wehrdienstbeschädigung anerkannt.

Der Sporttreibende muß sich demnach vergewissern, daß er bei seinem Verein bzw. bei einem Mitgliedsverband des DSB tatsächlich versichert ist.

(...)"


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 31-32 / 28. Juli 2009, S. 33-34
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
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veröffentlicht im Schattenblick zum 25. August 2009