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GESCHICHTE/090: Vor 60 Jahren - Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sport gegründet (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 34 / 19. August 2008
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Vor 60 Jahren im Taunus: Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sport gegründet
Im August 1948 wurden die Strukturen der neuen Sportorganisation konkretisiert

Von Friedrich Mevert


Im gleichen Sommer 1948, in dem die Militärgouverneure der drei alliierten Weltmächte auf der Grundlage der Ergebnisse der Londoner Sechs-Mächte-Konferenz den neun Ministerpräsidenten und zwei Regierenden Bürgermeistern den Auftrag zur Gründung eines deutschen Teilstaates aus der amerikanischen, britischen und französischen Besatzungszone gaben und sie dazu ermächtigten, eine verfassunggebende Versammlung für einen föderalistischen Staat einzuberufen, hatten sich auch in den westlichen Zonen "Männer der ersten Stunde" darum bemüht, in teilweise sehr zähen Verhandlungen untereinander und mit den Besatzungsmächten Grundstrukturen für eine demokratische Sportorganisation im Nachkriegsdeutschland aufzubauen.

In Süddeutschland konnte sich der Sport durch die liberale Haltung der amerikanischen Besatzungsmacht relativ schnell organisieren. Bereits im November 1945 wurde eine Arbeitsgemeinschaft der süddeutschen Landessportverbände gegründet, die künftig die Diskussion um den Neuaufbau des Sports in den westlichen Zonen maßgeblich mitbestimmte. Sehr restriktiv verhielt sich dagegen die französische Besatzungsmacht, die in ihrer Zone das sportliche Leben zunächst auf die Kreisebene beschränkte, es auch streng beaufsichtigte und erst 1948 Organisationsformen auf der Länderebene zuließ. Eine Sonderform entwickelte sich im Saarland, das erst später wieder in die Bundesrepublik Deutschland eingegliedert wurde. In Nordwestdeutschland achtete die britische Militärregierung zunächst peinlich auf die Einhaltung der Regelungen aus der Direktive 23 des Alliierten Kontrollrates vom 17. Dezember 1945, mit der u. a. im zerstörten Nachkriegsdeutschland die Gründung von Sportorganisationen über die Kreisgrenzen hinaus verboten worden war, tolerierte dann aber im Mai 1946 die Gründung eines Zonensportrates im lippeschen Detmold. In der sowjetischen Besatzungszone wurde mit einem kommunalen Sportkonzept und dem Aufbau einer "antifaschistisch-demokratischen Sportbewegung" ein gesonderter Weg eingeschlagen.

Eine erste interzonale Sportkonferenz der Westzonen fand bereits am 27./28. November 1946 in Frankfurt am Main statt, an der von den späteren Führungspersönlichkeiten u. a. bereits Dr. Carl Diem, Dr. Peco Bauwens, Ludwig Wolker, Heinrich Sorg und Hugo Grommer teilnahmen und auch zu Grundsatzfragen referierten. Konkrete Ergebnisse gab es bei dieser mehr informellen Zusammenkunft jedoch noch nicht, über eine Vielzahl weiterer Besprechungen und Tagungen in den folgenden Monaten mit der Bildung von verschiedenen Arbeitsgemeinschaften und Sportausschüssen - für die Landessportbünde (ohne NRW) am 17./18. April 1948 in München, für die Fachverbände (auf Einladung des LSB NRW) am 29./30 Mai 1948 in Köln - führte der Weg nach der vorbereitenden gemeinsamen Tagung der Ausschüsse der Fachverbände und Landessportbünde am 28. August 1948 in Schönberg (Taunus) zu einer Plenumsitzung der Vertreter beider Gruppen am 23./24. Oktober 1948 in Bad Homburg.

Die Ende August in Schönberg vorberatene Bildung einer Dachorganisation für den (west-deutschen Sport unter der Bezeichnung Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sport (ADS) kam zwar zwei Monate später im hessischen Staatsbad Homburg zustande, als ADS-Präsident wurde aber trotz eines Stimmenverhältnisses von 23:16 zugunsten der Fachverbände mit 20:19 Stimmen mit Heinz Lindner (Hessen) überraschend ein Vertreter der Landessportbünde zum ADS-Präsidenten gewählt. Nach diesem Eklat aus der Sicht von Dr. Bauwens, der andere Vorstellungen von der Struktur der künftigen Dachorganisation vertrat, damit aber in der Minderheit war, konnte der Bruch der Konferenz nur durch die geschickte Verhandlungsführung und Vermittlung von Prälat Ludwig Wolker verhindert werden. Willi Daume (Handball) als Sprecher der Fachausschüsse und Robert Honle (Ski) wurden zu Stellvertretern Lindners gewählt. Zwar hatte der deutsche Sport nun eine provisorische Dachorganisation, doch war es bis zur Gründung eines umfassenden Dachverbandes Ende 1950 noch ein weiter schwieriger Weg über mehr als zwei Jahre mit zahlreichen Konferenzen, Kontroversen, persönlichen Streitereien, Schlichtungsbemühungen und nicht zuletzt auch hemmenden Auflagen der Besatzungsmächte.

Die ADS und die Landessportbünde arbeiteten dessen ungeachtet weiterhin unbeirrt an ihrem Ziel der Gründung einer umfassenden Dachorganisation. Nachdem mit der Verkündung des Grundgesetzes im Mai 1949 die Staatsgründung der Bundesrepublik Deutschland vollzogen war, nachdem 1949 das NOK für Deutschland und auch schon zahlreiche Bundesfachverbände wiedergegründet worden waren, nachdem nunmehr auch die Landessportbünde der französischen Zone zu den ADS-Mitgliedern zählten, lud die ADS mit Schreiben vom 29. Dezember 1949 alle Landessportbünde und Fachverbände zur Auflösung der ADS und Gründung einer Spitzenorganisation mit dem Namen "Deutsche Sport-Union" für den 18./19. März 1950 nach Hannover ein. Doch auch dieser Termin musste wegen verschiedener Probleme zweimal verschoben werden. Erst bei einer abschließenden Besprechung der Hauptverantwortlichen am 22. November 1950 in Frankfurt wurden dann die letzten Weichen für die Gründungsversammlung des Deutschen Sportbundes am 10. Dezember 1950 in Hannover gestellt.


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 34 / 19. August 2008, S. 14
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veröffentlicht im Schattenblick zum 23. August 2008