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GESCHICHTE/083: London 1908 - Olympische Spiele im Mutterland des modernen Sports (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 28-29 / 7. Juli 2008
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Vor 100 Jahren in London

Olympische Spiele im Mutterland des modernen Sports
Einheitliches Regelwerk


In London gab es 1908 die ersten olympischen Wettkämpfe im Mutterland des modernen Sports. Die Briten waren eingesprungen, als sich herausstellte, dass die italienischen Sportführer, Politiker und Organisatoren nicht in der Lage waren, dem Wunsche de Coubertine zu entsprechen und die vierten Olympischen Spiele der Neuzeit in Rom, der Hauptstadt der Antike, durchzuführen. Aber auch diesmal musste wieder wie schon in Paris 1900 und St. Louis 1904 eine Ausstellung den Rahmen für die sportlichen Spiele geben; die französisch-britische Ausstellung in London sicherte die finanzielle Basis für die olympischen Wettbewerbe.

Das Londoner Organisationskomitee setzte die jeweiligen englischen Sportverbände als verantwortliche Organisatoren ihrer Sportdisziplinen ein, gab für jede Sportart ein Regelbuch mit den Wettkampfbedingungen heraus und akzeptierte sogar die Anwendung des metrischen Systems für die einzelnen Strecken. Mit der Sammlung der vorhandenen Wettkampfbestimmungen wurden im internationalen Sport endlich die Fundamente für ein einheitliches Regelwerk geschaffen, ohne das ein internationaler Sportverkehr in seiner heutigen Form überhaupt nicht möglich gewesen wäre.

Auch in London wurde nochmals auf die zeitliche Einheit der Spiele verzichtet und die Sportarten in drei Gruppen aufgeteilt. In der ersten Gruppe waren Hallentennis, Jeu de Paume, Raequets, Lacrosse, Polo und Lawntennis zusammengefasst. Diese Wettkämpfe wickelten sich von Anfang Mai bis Ende Oktober ab. In der zweiten Gruppe waren die eigentlichen olympischen Sportarten wie Leichtathletik, Schwimmen, Radfahren, Rudern, Fechten, Turnen, Schießen, Bogenschießen, Ringen und Segeln vereinigt. Diese Wettkämpfe begannen nach der olympischen Eröffnungsfeier, die in Anwesenheit von König Eduard VII, und seinem Hofstaat mit großem Zeremoniell am 15. Juli stattfand, und endeten mit der Schlussfeier am 25. Juli. Zur dritten Gruppe schließlich gehörten Fußball, Rugby, Hockey, Boxen und Eiskunstlaufen. Diese Kämpfe wurden dann erst im Oktober ausgetragen.

Die Spiele von London brachten einen neuen Teilnehmerrekord: 2.056 Sportler aus 22 Ländern gingen in 24 Sportarten an den Start, darunter auch eine mit 106 Aktiven recht große deutsche Mannschaft, die allerdings nur drei Gold-, fünf Silber- und drei Bronzemedaillen gewinnen konnte. Man hatte, wie Carl Diem schrieb, sich nicht rechtzeitig auf das Londoner Klima und die ungewohnte englische Küche einstellen können. Auch nahm die Mannschaft der Deutschen Turnerschaft nicht an den offiziellen Wettkämpfen teil, sondern zeigte ihr Können nur bei einer Schauvorführung. Austragungsort der Londoner Spiele war für die meisten Sportarten das White-City-Stadion in der Nahe des Ausstellungsgeländes am Shepherd's Bush mit einer Aschenbahn von 555 m, darum herum einer Radrennbahn von 603 m und im Innenraum einem Schwimmbecken von 100 x 15 m mit einem abklappbaren Sprungturm, für unsere heutigen Verhältnisse also ein riesenhaftes Monstrum, in dem die Zuschauer auf den entfernteren Rängen ein Fernglas brauchten.


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 28-29 / 7. Juli 2008, S. 21
Der Artikel- und Informationsdienst des

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veröffentlicht im Schattenblick zum 23. Juli 2008