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FINANZEN/091: Die Konjunkturkrise ist auch im Sport spürbar - Umdenken und neue Wege (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 9 / 24. Februar 2009
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Der Rasenmäher bleibt erst mal ein Wunsch
Die Konjunkturkrise ist auch im Sport spürbar - Umdenken und neue Wege

Von Bianka Schreiber-Rietig


(DOSB PRESSE) Der neue, dringend benötigte Rasenmäher bleibt ein Wunsch. Und die Kleingeräte werden nun erst einmal auch nicht angeschafft. Mitgliederzahlen stabil, Zuschüsse und Sponsorengeld rückgängig - Günter Ehlich, Vorsitzender eines kleinen bayerischen Sportvereins, zog mit seinen Vorstandskollegen nüchtern Bilanz. Die Konjunkturkrise ist im Verein angekommen, wenn auch noch verhalten: Die bisher regelmäßigen Spenden von manchem Kleinunternehmer werden in diesem Jahr geringer oder ganz ausfallen. Was tun? Ehlich sagt: "Auf keinen Fall wollen wir an unserem Angebot etwas ändern. Da verzichten wir halt auf den Rasenmäher und die neuen Kleinmatten."

"Peanuts", mag man meinen. Mancher Verein hat aber nun zu knabbern. Für Sportverantwortliche auf vielen Ebenen ist es nicht mehr so leicht, an das große Geld zu kommen. Das hat viele Gründe, etwa die Vermarktungsstrategien des Internationalen Olympischen Komitees oder der Weltverbände, wo der Spielraum für nationale Veranstalter immer enger wird. Oder eben die weltweite Konjunkturkrise.

"Die Krise ist spürbar. Der Imagetransfer durch Sport muss heute nicht nur interessant sein, sondern dem Unternehmen auch etwas bringen", sagt der Direktor des Landessportbundes Berlin, Norbert Skowronek. Und sein Kollege Rainer Hipp, Hauptgeschäftsführer des Landessportverbandes Baden-Württemberg, stimmt ihm zu. Viele Verbände und Vereine bieten mittlerweile für das jeweilige Unternehmen extra geschnürte Pakete an, die eher Symbiosecharakter als eine Win-Win-Basis haben. Nicht selten zahlt der Sport drauf.

"Früher rangen wir um Tausender, heute um Hunderter", sagt Skowronek. Während das Angebot des Sports gleich bleibt oder gar noch aufgesattelt wird, werden die Summen der Gegenseite immer kleiner. Doch auch langjährige, erfolgreiche Partnerschaften, wie im Gesundheitsbereich zwischen Krankenkassen und Sportorganisationen, werden im gegenseitigen Interesse gepflegt.

Im großen Sport, so scheint es auf den ersten Blick, ist die Krise noch nicht angekommen: Erfolgsmeldungen von Vertragsverlängerungen oder neuen Abschlüssen sind auf Sport- und Unternehmens-Internetseiten zu finden, medienwirksame Sportereignisse und Sportarten scheinen keine Sponsorenprobleme zu haben. Der russische Rubel rollt - aber nicht überall. Es gebe selbst bei Fußball-Bundesligisten mittlerweile viel zu tun, um Sponsoren bei der Stange zu halten, berichtet Hipp. Und besonders schwer hätten es auch die "semiprofessionellen" Vereinsteams und die Randsportarten, dass Verträge verlängert oder neu geschlossen werden.

Mäzene wie etwa Dietmar Hopp beim Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim sind eine eher seltene Spezies. "Und das funktioniert nur in so einer Konstellation", ist Hipp sicher. Aber: "Es gibt sie noch die Mäzene", sagt Skowronek, die dann bei ihren Dienstjubiläen oder Geburtstagen auf Geschenke verzichten und lieber Spenden für den Sport sammeln. "Es sind kleine Summen, aber für unsere Sportstiftung sind die Gold wert", freut sich der Berliner. Einbussen haben Vereine und Verbände auch durch die sinkenden Erträge der Lotto-Totomittel. "Bei uns heißt das für dieses Jahr 1,35 Millionen Euro weniger", sagt Skowronek.

Was tun? Reduzieren der Angebotspalette? Konzentration auf Kernbereiche? "Wir haben hier im gesamtgesellschaftlichen Interesse viele Aufgaben übernommen. Und nun muss geklärt werden, ob wir etwa Integrationsarbeit oder frühkindliche Bewegungserziehung, die von allen anerkannt wurden, weiterführen sollen. Da brauchen wir dann aber finanzielle Unterstützung", erklärt Skowronek. Sein Landessportbund ist mit dem Land Berlin in Verhandlungen.

Umdenken in vielen Dingen, sagen die beiden sehr erfahrenen hauptamtlichen Landessportbundvertreter, ist von Nöten. Nicht unnötig Geld ausgeben etwa für Veranstaltungen, die von vorneherein zum Scheitern verurteilt sind. Man muss sich nüchtern mit der Kosten-Nutzenrechnung im Vorfeld auseinandersetzen. "Wenn ich die Zielsetzung habe, meine Stadt zur Sportmetropole zu machen, dann stehen mehrere Punkte zur Debatte, sagen Hipp und Skowronek. Sind meine Sportstätten für internationale Veranstaltungen geeignet? Wie ist das Verhältnis der Bevölkerung zum Sport und speziell zu der Sportart, die ich als Event herholen möchte? Wie ist die Disziplin im Vereinssport integriert? Habe ich lokale Helden - also Werbeträger und Multiplikatoren für diese Ereignisse? Fragen, die man sich verstärkt im Vorfeld stellen muss, will man Erfolg haben.

Umdenken auch inhaltlicher Art. Sportentwicklung ist das (wieder) neu entdeckte Thema, dem sich viele Landessportbünde schon lange sehr intensiv widmen. "Was tut sich im Sport im Ballungsraum?" Mit dieser Frage beschäftigen sich derzeit die Berliner und näheren sich dem Thema von verschiedenen Seiten: Die "Bestager", die wachsende Zahl der Selbstorganisierer oder eine andere Arbeitswelt fordern heraus.

Das sind nun Dinge, mit denen Günter Ehlich sich bisher nicht auseinandersetzen muss: Auf dem flachen Land ist der Verein das Kommunikationszentrum schlechthin: Für alt und jung ist nach wie vor das Vereinsheim Treffpunkt - mindestens einmal in der Woche. "Und", sagt Ehlich, "wenn auch die Spenden weniger werden - es gibt viele, die sich mit ihrer Arbeit einbringen, Kuchen fürs Vereinsfest backen oder die Schülerteams kostenlos zu ihren Spielen fahren. So lange wir da noch Unterstützung haben, ist mir nicht bange." Und auch der Rasenmäher ist kein Thema mehr: Mitglied Kurt wird kostenlos ein Jahr regelmäßig mit seinem kleinen Traktor für die richtige Spielplatzpflege sorgen.


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 9 / 24. Februar 2009, S. 6
Der Artikel- und Informationsdienst des
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veröffentlicht im Schattenblick zum 12. März 2009