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BUCHTIP/296: Sportentwicklungsbericht 2009/2010 (Teil 4) - Kommunale Einbettung (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 39 / 27. September 2011
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Sportentwicklungsbericht 2009/2010 (Teil 4): Kommunale Einbettung
Die Ausrichtung der Vereine unterscheidet sich je nach Größe der Stadt

Prof. Detlef Kuhlmann


Seit rund drei Monaten liegt der Sportentwicklungsbericht des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für den Zeitraum 2009/2010 als eine "Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland" vor. Die Ergebnisse dieser repräsentativen Befragung werden in einem 596 Seiten umfassenden Buch dargestellt. Daneben sind mehrsprachige "Kurzfassungen" (deutsch, englisch, französisch) sowie Factsheet (ausgewählte Analysen) erschienen. Der Sportentwicklungsbericht für den Zeitraum 2009/2010 ist wie seine Vorgänger für die Jahre 2005/2006 und 2007/2008 eine Koproduktion des DOSB mit seinen Landessportbünden und des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp). Der vierte Teil unserer Serie befasst sich mit der kommunalen Einbettung und der Finanzstruktur der Sportvereine.

Worin unterscheiden sich Sportvereine in Kleinstädten und in Großstädten? In Beantwortung dieser Frage legen die Untersuchungsmacher z.B. Befunde vor, wonach Sportvereine in kleinen Gemeinden und kleinen Städten (bis 20.000 Einwohner) "weitgehend traditionell" geprägt sind. Das bedeutet u. a., dass klassische Werte des Vereinssports wie Pflege von Gemeinschaft und Geselligkeit nach den Aussagen der befragten Vereinsverantwortlichen hier besonders hervorgehoben werden. Auch der Stolz auf Erfolge des Vereins im Leistungssport ist hier besonders groß. Stellt man dem das jetzt gewonnene Bild der Sportvereine in Mittelstädten (über 20.000 und bis 100.000 Einwohner) gegenüber, dann achten diese u. a. verstärkt auf die Qualität ihres Angebots und engagieren sich zunehmend (wieder) in der Jugendarbeit.

Sportvereine in Großstädten (über 100.00 bis 500.000 Einwohner) hingegen verstehen sich immer seltener vor allem als Breiten- und Freizeitsportvereine. Sie wollen immer seltener ein Angebot für möglichst viele Bevölkerungsgruppen unterbreiten, wenngleich sie dennoch verstärkt speziell Sport für Menschen mit Behinderung vorzuhalten versuchen. Sportvereine in sehr großen Städten mit bis zu 500.000 Einwohnern sind generell noch weniger traditionell ausgerichtet als die in kleineren Kommunen. Sie fokussieren ihr Angebot aktuell noch intensiver auf ältere Menschen und sind eher als Vereine anderswo offen für eine Zusammenarbeit auch mit kommerziellen Anbietern.

Wie gestaltet sich die finanzielle Situation von Sportvereinen? Sind sie bedroht, wenn bestimmte Ressourcen als Einnahmen versagen bzw. Zuschüsse (z.B. aus öffentlicher Hand) eingefroren werden? In Beantwortung dieser und anderer Fragen stellen die Untersuchungsmacher zunächst fest, dass im Längsschnitt die Kostenbelastung der Sportvereine pro Mitglied gestiegen ist. Daraus resultiert auf der anderen Seite eine Gegenfinanzierung zur Erhöhung von Einnahmen (z.B. durch die Mitgliedsbeträge, bei Sportveranstaltungen und geselligen Events). Ein weiteres Ergebnis geht aber dahin, dass gerade die "heterogene Einnahmestruktur" der Sportvereine eine Art Schutzmechanismus darstellen kann, der die Finanzstabilität insgesamt aufrechterhält. In einer Tabelle wird beispielsweise explizit mit Werten belegt, wie die Pro-Kopf-Ausgaben von Sportvereinen in den Haushaltsjahren 2006 bis 2008 gestiegen sind - am höchstens übrigens bei dem Posten "Durchführung eigener sportlicher Veranstaltungen". Was die Pro-Kopf-Ausgaben anbelangt, ergibt sich sachlogisch ein ähnliches Bild bezüglich der sportlichen und der geselligen Veranstaltungen. Das Fazit lautet an einer Stelle im Kap. 4.2.3, dass den meisten Vereinen ein gesunder Finanzhaushalt zugesprochen werden kann - mehr aber dies: "Jedoch ist zu beachten, dass Ende 2008 immerhin noch fast 30 Prozent der Vereine keine ausgeglichene Einnahme-Ausgaben-Rechnung vorweisen" (S. 82).

Weitere Informationen zum Thema Sportentwicklungsbericht erhalten Sie auf der Homepage des DOSB unter per Mail an siegel@dosb.de.


Breuer, C. (Hrsg.):
Sportentwicklungsbericht 2009/2010. Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland.
Köln 2011. 596 Seiten; 38,80 Euro.

Breuer, C. und Wicker, P.:
Zur Situation der Sportarten in Deutschland.
Eine Analyse der Sportvereine in Deutschland auf Basis der Sportentwicklungsberichte.
Köln 2011. ISBN: 978-3-86884-460-3.


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 39 / 27. September 2011, BÜCHER, S. 30
Der Artikel- und Informationsdienst des
Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)
Herausgeber: Deutscher Olympischer Sportbund
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E-Mail: presse@dosb.de
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veröffentlicht im Schattenblick zum 8. Oktober 2011