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BUCHTIP/290: Zwei neue Bücher zur Sprache des Sports (DOSB)


DOSB-Presse Nr. 35 / 30. August 2011
Der Artikel- und Informationsdienst des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Zwei neue Bücher zur Sprache des Sports

von Prof. Detlef Kuhlmann


Sport ist sprachlos. Manchmal macht er uns sogar sprachlos - aber: Sport ist neben dem Wetter der beliebteste Kommunikationsgegenstand. Im Sport können alle gleich mitreden. Wir alle verfügen schließlich über Erfahrungen im Sport - sprechen wir aber deswegen auch die Sprache des Sports?

Angesichts dieser Frage ist es nicht verwunderlich, dass schon vor Jahrzehnten die Duden-Redaktion und die Gesellschaft für deutsche Sprache auf die Idee gekommen sind, deutschsprachige Lexika und Wörterbücher zum Sport herauszugeben und immer wieder neu auflegen zu lassen, ganz zu schweigen vom Sport-Brockhaus und weiteren fachsprachlichen und sportwissenschaftlichen Lexika. Zwei neuere Veröffentlichungen zum Sport und seiner Sprache sollen hier kurz vorgestellt werden:

Als Band zehn der Reihe "Thema Deutsch" haben nämlich die beiden Germanisten Prof. Armin Burkhardt (Magdeburg) und Prof. Peter Schlobinski (Hannover) einen interessanten Band herausgegeben, der unter dem stichwortartigen Motto "Flickflack, Foul und Tsukahara. Der Sport und seine Sprache" (so der ganze Titel) rund 20 Beiträge zusammenführt, die sich aus unterschiedlicher Perspektive mit der deutschen Sportsprache auseinandersetzen.

Zu den Autorinnen und Autoren gehören neben Sportwissenschaftlern wie Prof. Elk Franke (Berlin) vor allem Sprachwissenschaftler wie Prof. Wolfgang Brandt (Marburg). Auch Fernsehmoderator Gerhard Delling gehört zum Autorenteam, also jemand, der sogar in der breiten Öffentlichkeit bestens bekannt ist - nicht zuletzt wegen seiner wortgewandten Dialoge mit Günter Netzer bei ARD-Fußballübertragungen.

Der Sammelband ist in drei große Teile gegliedert: Nach einführenden Aufsätzen über "Theorie und Geschichte der Sportsprache" wird der Blick auf "Sprache und Fußball" gerichtet, zumal diese Sportart bei uns die größte Verbreitung gefunden hat, nicht nur, was die Ausübung angeht, sondern logischerweise auch hinsichtlich der Kommunikation über das, was auf Rasen und Hartplätzen Woche für Woche stattfindet: "Fangesänge im Fußballstadion" und "Syntaktische Formen bei der Fußballberichterstattung" lauten beispielsweise die thematischen Zugänge der Beiträge.

Im dritten Teil widmen sich insgesamt sieben Artikel der Sprache in weiteren ausgewählten Sportarten: Hier geht es um die Lexik der Handballsprache, um den Wortschatz deutschsprachiger Laufsportzeitschriften, um die sich wandelnde Bedeutung des "Frisch, fromm, fröhlich, frei" von Turnvater Jahn bis heute, aber auch speziell um den Sprachgebrauch im Pferdesport, im Basketball und beim Tennisspiel.


Fast zeitgleich und auf jeden Fall inhaltlich passend zu dem Sammelband ist von Prof. Peter Schlobinski dann noch ein Wörterbuch zur Fußballsprache erschienen, das im Titel und seinen eigenen Anspruch schon wieder etwas in Frage stellt, weil es "(K)ein" Wörterbuch sein soll. Egal, wie man diese Ambivalenz letztlich aufzulösen versucht - es enthält so oder so auf rund 50 Seiten geläufige und weniger geläufige Ausdrücke der Fußballsprache in alphabetischer Sortierung, die jeweils knapp in einer Art Definition erklärt werden. Sodann kommt es noch zur Kontrastierung mit Begriffen, die mehr oder ausschließlich in Österreich oder in der Schweiz in Gebrauch sind, wo beispielsweise der uns bekannte Schiedsrichterassistent an der Seitenlinie als "Fahnenschwinger" bezeichnet wird.

Ebenfalls werden ausgewählte deutsche Termini den englischen, französischen, italienischen und schließlich den spanischen Fachausdrücken gegenübergestellt.

Geradezu genussvoll garniert wird das kleine Büchlein mit Zwischentexten zum Fußball. Dazu gehört dann eine herrliche Auflistung von "Spitznamen für Spieler und Trainer": Den "Chef" (Sepp Herberger) und den "Bomber der Nation" (Gerd Müller) kennt jeder, aber wer waren noch mal "Motzki" und "Heintje" und "Osram"? Die Antworten lauten in dieser Reihenfolge: Matthias Sammer, Andreas Möller, Jupp Heynckes.


A. Burkhardt/P. Schlobinski (Hrgs.):
Flickflack, Foul und Tsukahara. Der Sport und seine Sprache
Mannheim: Dudenverlag 2009. 320 Seiten, 25,00 Euro

P. Schlobinski:
Keeper, Elf und Gurkenpass. (K)ein Wörterbuch der Fußballsprache
Mannheim: Dudenverlag 2010. 144 Seiten, 9,95 Euro


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Quelle:
DOSB-Presse Nr. 35 / 30. August 2011, Bücher, S. 26
Der Artikel- und Informationsdienst des
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veröffentlicht im Schattenblick zum 3. September 2011